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Die Coronakrise zwingt junge Unternehmer, kreativ zu werden

Seit knapp zwei Monaten sind die Kinos in Deutschland wegen des Coronavirus geschlossen. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm: Dem Hauptverband Deutscher Filmtheater zufolge verliert die Kinobranche gerade pro Woche Einnahmen in Höhe von 17 Millionen Euro. Eine Umfrage unter den Mitgliedern des Verbands ergab, dass mehr als die Hälfte davon ausgeht, in den kommenden Monaten Insolvenz anmelden zu müssen, sollte sich nichts an der Situation ändern.

Ende Mai wollen Bund und Länder ein Konzept zur Wiedereröffnung der Kinos vorlegen. Spätestens im Herbst müsste das Kinogeschäft laut Betreibern wieder normal laufen, sonst stünde die ganze Branche vor dem Ruin. Zur Überbrückung testen viele Kinobesitzerinnen und -besitzer gerade andere Konzepte: Das Projekt "Window Flicks" beispielsweise macht Berliner Innenhöfe zu Kinoleinwänden (bento).

Renaissance der Autokinos

Und auch Autokinos feierten in den vergangenen Wochen ein Comeback. Vor der Coronakrise gab es deutschlandweit nur fünf, die dauerhaft geöffnet hatten. Jetzt werden es immer mehr. (SPIEGEL)

Eines dieser Autokinos haben Maximilian Meynigmann, 23, und Colin Germesin, 24, eröffnet. Die beiden betreiben seit gut einem Jahr ein Kino, die Loe Studios in Marl in Nordrhein-Westfalen. Mitte März mussten sie es wegen des Coronavirus schließen. Die jungen Unternehmer reagierten schnell und eröffneten Anfang April ein mobiles Autokino.

Corona-Ideen

Wegen der Coronakrise verlieren viele Menschen ihren Job, müssen in Kurzarbeit gehen und geraten in Geldnot. Oft bleibt ihnen nichts anderes übrig, als einfach zu Hause zu sitzen. Bei allen Schwierigkeiten zeigt sich dabei: Not macht erfinderisch. Wir wollen einige Corona-Ideen vorstellen. Junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich originelle Wege aus der Krise überlegt haben, erzählen uns, wie sie gerade mit der Situation umgehen. 

Drei Fragen an: Maximilian, Gründer eines Autokinos

(Bild: imago images / biky / Bearbeitung: bento)

bento: Seit dem 6. April betreibt ihr euer Autokino in Marl. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Maximilian: Colin und ich fingen während der Abizeit an, Partys zu veranstalten, nach dem Schulabschluss – Colin hat dann erstmal Maschinenbau studiert und ich eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker absolviert – machten wir das zu unserem Nebenberuf, mit dem wir zusätzlich Geld verdienten. Auf der Suche nach einer Halle für unsere Events stießen wir 2018 auf ein altes Kino. Aus Neugier rechneten wir die Idee, es hauptberuflich wieder zu eröffnen, einfach mal durch – und fanden das Geschäftsmodell spannend. Nach 13 Jahren Stillstand mussten wir die Kinosäle modernisieren, neue Stühle und moderne Technik einbauen, deshalb suchten wir damals zur Unterstützung einen Investor. Alles ging erstaunlich unkompliziert, Anfang vergangenen Jahres konnten wir öffnen.

Als wir unser Kino im März dann wegen Corona zusperren mussten, suchten wir eine Alternative, um weiterarbeiten zu können. Wir beschäftigen bislang nur Aushilfen, ihre Schichten mussten wir wegen der Schließung aussetzen. So konnten wir unsere Ausgaben zwar relativ schnell senken, Grundkosten für Gebäude und Strom bleiben aber. Innerhalb weniger Tage stellten wir das – unseres Wissens nach – erste mobile Autokino Deutschlands auf die Beine. Wir können es ganz einfach auf- und wieder abbauen. In den ersten vier Wochen waren die Vorstellungen komplett ausgebucht.

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bento: Wie läuft ein Kinoabend im Auto bei euch ab?

Maximilian: Auf unserer Website bucht man die Tickets für die Vorstellung, eins pro Auto. Außerdem kann man noch Snacks und Getränke dazu bestellen. Vor der Vorstellung wird das Ticket durch die Seitenscheibe gescannt. Die Snacks werden zehn Meter vom Einlass entfernt auf einen Tisch gestellt, die Gäste sammeln sie kontaktlos durchs Fenster ein. Anschließend bringen Einweiser sie zu ihrem Parkplatz. Das hat bis jetzt immer gut geklappt.

Regen ist im Auto zum Glück kein Problem. Wir mussten bislang nur zwei Vorstellungen wegen extremer Windböen absagen, die unsere Leinwand ins Wanken brachten. Die Gäste bekamen ihr Geld dann einfach zurück.

Wir zeigen gerade viele aktuelle Filme, die Anfang des Jahres herausgekommen sind. Dazu noch Klassiker wie "Pulp Fiction" und deutsche Produktionen wie "Der Junge muss an die frische Luft".

bento: Wie geht es für euch weiter?

Maximilian: Ob wir das Autokino weiter betreiben, wenn wir wieder normal öffnen dürfen, hängt davon ab, ob dann überhaupt noch Gäste kommen. Mal sehen, wie sich die Debatte um die Öffnungen entwickelt. Die Verleiher haben viele Filmstarts erstmal bis Ende Juli oder noch später verschoben. Im Kino Abstand zu anderen Gästen zu halten, ist schwierig. Wenn jemand während eines Films auf Toilette muss, geht er an anderen vorbei. Und für nur zehn Gäste einen Film zu zeigen, lohnt sich wirtschaftlich nicht.


Uni und Arbeit

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