Bild: ROBERT BREMBECK / DER SPIEGEL
Pia Korndörfer ist auf Nebenjobs angewiesen, doch die sind in der Coronakrise weggebrochen.

Sie hatten einen Plan für ihre Zukunft, dann kam Corona: Menschen zwischen 20 und 30 treffen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie härter als jede andere Altersgruppe, Jobs und Ausbildungsplätze brechen weg. In unserer Serie "Generation Corona" berichten einige von ihnen, was die Krise für sie bedeutet. In dieser Folge: Pia Korndörfer, 26, studiert im achten Semester Media Engineering an der TH Nürnberg. Weil sie ihre Nebenjobs verloren hat, muss sie jetzt auf ihr Erspartes zurückgreifen.

Generation Corona

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL geht ein Autorenteam der Frage nach, was die Coronakrise für Auszubildende, Studentinnen und Berufseinsteiger bedeutet. Auf bento.de erzählen einige der Protagonisten und weitere junge Menschen ihre ganze Geschichte. Du hast auch etwas zu sagen? Dann schreib uns an uniundarbeit@bento.de

Den SPIEGEL-Text findest du hier.

"In den vergangenen Jahren ging viel von meiner Zeit für Nebenjobs drauf. Zuletzt arbeitete ich als Werkstudentin im UX-Design eines mittelständischen Unternehmens, außerdem gab ich Nachhilfestunden. Zusammen mit Bafög hatte ich so rund 1300 Euro im Monat zur Verfügung. Als das in der Coronakrise alles wegbrach, war ich erst mal nur gelähmt. Ich wusste echt nicht, wie es weitergehen soll.

Mein Nebenjob im UX-Design wurde nicht verlängert. Das lag zwar nicht an Corona, aber in normalen Zeiten hätte ich keine Probleme gehabt, etwas Neues zu finden. Doch gerade sucht niemand und ich finde nichts. Einem Schüler gebe ich noch Online-Nachhilfe, einen treffe ich mit Mundschutz und eineinhalb Metern Abstand. Früher hatte ich fünf bis sechs Nachhilfeschüler.

Im März, drei Tage bevor die Ausgangsbeschränkungen eingeführt wurden, bekam ich auch noch einen Ablehnungsbescheid vom Bafög-Amt, weil ich jetzt über der Regelstudienzeit bin. Ich habe zwar Widerspruch eingelegt, aber das kann noch Monate dauern.

„Ich habe früh in meinem Leben beschlossen, dass ich niemals vom Staat abhängig sein will.“
Studentin Pia Korndörfer

Stattdessen habe ich mich nach alternativen Geldquellen umgeschaut. Das ist gar nicht mal so leicht: Wohngeld bekomme ich nicht, weil ich keinen sozialversicherungspflichtigen Nebenjob mehr habe, Hartz IV bekomme ich nicht, weil ich nicht arbeitssuchend bin. 

Ich hoffe, dass ich so weit wie möglich mit meinem Ersparten durchkomme. Rund 5000 Euro habe ich angespart, die waren für die Bafög-Rückzahlung gedacht, stattdessen muss ich sie jetzt schon Monate vor dem Abschluss aufbrauchen. Außerdem habe ich einen Kredit beantragt. So überstehe ich hoffentlich noch mein letztes Semester und kann zum Beispiel den Rundfunkbeitrag bezahlen. Der wird wieder fällig, weil ich kein Bafög mehr bekomme – obwohl ich doch jetzt noch weniger Geld habe als vorher.

Ich habe früh in meinem Leben beschlossen, dass ich niemals vom Staat abhängig sein will. Als ich ein kleines Kind war, war meine Mama für längere Zeit arbeitslos, da war es nicht ungewöhnlich, dass wir mal einen Monat kaum etwas zu essen hatten. Geld für Kinobesuche oder Treffen mit Freunden gab es sowieso selten, das war einfach nicht drin. Ich habe schnell verstanden, dass der Staat da nicht einspringt, deswegen hoffe ich jetzt auch nicht darauf.

Demnächst schreibe ich meine Abschlussarbeit, es soll um Machine Learning oder Künstliche Intelligenz gehen. Im Moment sieht es so aus, als wären meine beruflichen Perspektiven danach gut. Ich habe Jobangebote für den kommenden Oktober, hier in Nürnberg und der Umgebung. Wenn ich bis dahin mit meinem Geld durchkomme, sollte es hoffentlich bald besser laufen. Ich finde, die Zeit wäre schon längst reif, das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen. Wir sollten Geld zum Leben bekommen, ohne über so viele Hürden steigen zu müssen."


Gerechtigkeit

Wie Frauen in Lateinamerika dafür kämpfen, dass sie einfach Frauen sein dürfen
"Machismo" beschreibt ein Herrschaftssystem, das von Männern dominiert wird. Frauen gehen dagegen auf die Straße.

Eli Righi ist Feministin, seit sie sechs Jahre alt ist. Seit sie eines Tages, in der Schulpause, mit den Jungs aus ihrer Klasse verstecken spielen wollte. Alle liefen los, in irgendeine Ecke des Schulhofs. Eli aber wurde von ihrer Mathelehrerin grob am Handgelenk gepackt. "Geh und spiel mit den Mädchen", sagte sie und zerrte sie weg.

"Ich habe nicht verstanden, wofür ich Ärger bekam", erzählt Eli. Heute weiß sie: Sie hatte sich nicht benommen, wie eine Frau – zumindest nicht in den Augen der Lehrerin. Sie war nicht das brave kleine Mädchen. Feministin sein bedeutet für Eli deshalb, sich nicht in die engen Vorstellungen des Frauseins zu zwängen, die die Gesellschaft ihr vorgibt. 

Argentinien, Wiege der Frauenbewegung "Ni Una Menos"

Eli Righi ist in Rosario aufgewachsen, einer der größten Städte Argentiniens. Das Land ist die Wiege der Frauenbewegung "Ni Una Menos" ("Nicht eine weniger"). 2015 marschierten unter diesem Slogan erstmals Frauen in Buenos Aires. Nach und nach verbreitete sich die Bewegung in ganz Lateinamerika und machte Schlagzeilen in der ganzen Welt. Bis heute organisieren sich Frauen unter der Fahne der #NiUnaMenos-Bewegung, um für ihre Rechte einzustehen. (Ni Una Menos)