Bild: ROBERT BREMBECK / DER SPIEGEL
Lukas Rehm studiert an der Wirtschafts-Eliteuniversität WHU. Er sieht in der Krise eine Chance.

Sie hatten einen Plan für ihre Zukunft, dann kam Corona: Menschen zwischen 20 und 30 treffen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie härter als jede andere Altersgruppe, Jobs und Ausbildungsplätze brechen weg. In unserer Serie "Generation Corona" berichten einige von ihnen, was die Krise für sie bedeutet. In dieser Folge: Lukas Rehm, 23, studiert im Master an der Wirtschafts-Eliteuniversität WHU. Im Gegensatz zu vielen seiner Altersgenossen glaubt er nicht, dass die Krise ihm beruflich etwas anhaben wird – er sieht in ihr sogar eine Chance.

Generation Corona

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL geht ein Autorenteam der Frage nach, was die Coronakrise für Auszubildende, Studentinnen und Berufseinsteiger bedeutet. Auf bento.de erzählen einige der Protagonisten und weitere junge Menschen ihre ganze Geschichte. Du hast auch etwas zu sagen? Dann schreib uns an uniundarbeit@bento.de

Den SPIEGEL-Text findest du hier.

"Als Jugendlicher war mein Ziel, einmal einen Ski-Weltcup zu gewinnen. Darauf richtete ich alles aus. Ich trainierte fast täglich, im Winter und im Sommer, am Wochenende fuhr ich Rennen in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. 2014, nach meinem Abitur, entschied ich aber: Mit Leistungssport will ich nicht mein Geld verdienen. 

Stattdessen ging ich nach Innsbruck und studierte "Management, Communication & IT" im Bachelor. Schon während des Studiums faszinierte mich die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Nach dem zweiten Semester fing ich an, als Freelancer Webseiten für Firmen zu bauen. Damit finanzierte ich anschließend die Gründung eines Startups, mit dem ich online Nahrungsergänzungsmittel verkaufte.

Am Ende meines Studiums in Innsbruck absolvierte ich ein Praktikum bei einem anderen Startup: Gronda, eine Art LinkedIn für Hotellerie und Gastro. Weil das Unternehmen noch jung war, konnte ich viel Verantwortung übernehmen, plötzlich war ich Head of Marketing. Ich blieb eineinhalb Jahre und erlebte, wie Startups wachsen und welche Faktoren es für den Erfolg braucht.

„Es ist natürlich sehr angenehm, gerade jetzt, mitten in der Coronakrise, einen sicheren Vertrag zu unterschreiben.“
Student Lukas Rehm

Nach meiner Zeit bei Gronda wechselte ich an die WHU, dort haben viele Gründer studiert, etwa die von Zalando, HelloFresh und Rocket Internet. Damals hatte die WHU einen neuen Master im Programm: "Entrepreneurship". Das passte perfekt. Während des Masters machte ich zwei weitere Praktika, eines bei Picus Capital, einem Venture Capital Unternehmen, das in junge Startups investiert, und eines in der Beratung, bei der Boston Consulting Group in München.

Im vergangenen Monat musste ich mich entscheiden: Ich hatte von beiden Unternehmen ein Jobangebot bekommen. Letztlich wählte ich die Beratung, ich denke, so stelle ich mich am Anfang meiner Karriere sehr breit auf. Im Herbst bin ich fertig mit dem Studium, im Januar fange ich als Associate an.

Es ist natürlich sehr angenehm, gerade jetzt, mitten in der Coronakrise, einen sicheren Vertrag zu unterschreiben. Der komfortablen Situation bin ich mir auf jeden Fall bewusst. Am Anfang hatte ich noch diesen kleinen Gedanken im Hinterkopf, ob nicht auch ein großes und etabliertes Beratungsunternehmen wie die Boston Consulting Group in der Krise straucheln könnte. Aber gerade in schwierigen Zeiten greifen viele Unternehmen auf externe Berater zurück, um ihre Strategie an die neue Situation anzupassen. Daher bin ich sicher, dass der Vertrag im Januar noch stehen wird. Auch bei meinen Kommilitonen hat niemand wirklich Angst, keinen Job zu finden – höchstens davor, nicht die besten Jobs zu bekommen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Trotzdem wird sich die Coronakrise mit ihren wirtschaftlichen Folgen nicht positiv auf unseren Berufsstart auswirken. Bei mir in der Beratung stellen sich Fragen wie: Werden Berater nach wie vor viel reisen und vor Ort beim Kunden arbeiten? Wie werden sich Projekte thematisch verändern? Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, die uns verwöhnt hat, weil wir dachten, wir hätten alles selbst in der Hand. Jetzt haben wir gelernt, dass wir gewisse Dinge nicht steuern können. Ich versuche, dennoch proaktiv zu denken: Das ist die Situation, damit muss ich arbeiten – wo sind die Stellschrauben, die ich beeinflussen kann?

Anstatt rumzusitzen haben wir jetzt Zeit, um zu lesen und uns weiterzubilden. Ich würde mir wünschen, dass meine Generation weniger Netflix-Abos abschließt und stattdessen mehr Bücher kauft. Jede Krise bietet auch Chancen, vor allem aus der Startup-Perspektive. Airbnb, Uber und Zalando wurden alle während oder kurz nach der Finanzkrise gegründet. Ich glaube: Wer sich jetzt gut positioniert, für den ergeben sich in dieser Situation neue Möglichkeiten – weil es auch sicher wieder bergauf gehen wird."


Gerechtigkeit

Generationenkonflikt in der Pandemie: Jüngere wollen in Zukunft andere Corona-Maßnahmen als Alte
Eine Befragung zeigt, wie sich der Zusammenhalt in der Bevölkerung verändert hat.

Seit zwei Monaten scheint die Welt still zu stehen. Unternehmen haben ihre Mitarbeiter nach Hause geschickt, Schulen und Universitäten bleiben geschlossen, Millionen Menschen arbeiten plötzlich vom Wohnzimmer aus. Die Coronakrise hat unseren Alltag drastisch verändert.

Schon jetzt, so zeigte erst kürzlich eine Studie, leiden junge Menschen besonders unter dieser Situation (Universität Erfurt). Doch was passiert, wenn das Coronavirus in einer zweiten Welle noch einmal stärker zurückkommt? Und wie groß ist der anfangs viel beschworene Zusammenhalt in der Gesellschaft heute noch?

Der Wirtschaftswissenschaftler Matthias Fifka von der Universität Erlangen-Nürnberg hat untersucht, wie die Coronakrise heute wahrgenommen wird. Und was sich die Menschen in Deutschland für den künftigen Umgang mit Corona wünschen.