Bild: ROMAN PAWLOWSKI / DER SPIEGEL
Robin Ewald macht eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, doch gerade ist kaum Zeit zum Lernen.

Sie hatten einen Plan für ihre Zukunft, dann kam Corona: Menschen zwischen 20 und 30 treffen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie härter als jede andere Altersgruppe, Jobs und Ausbildungsplätze brechen weg. In unserer Serie "Generation Corona" berichten einige von ihnen, was die Krise für sie bedeutet. In dieser Folge: Robin Ewald, 19, macht in einem Supermarkt in der Nähe von Bielefeld eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann – eigentlich, denn in den vergangenen Wochen war kaum Zeit dafür.

Generation Corona

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL geht ein Autorenteam der Frage nach, was die Coronakrise für Auszubildende, Studentinnen und Berufseinsteiger bedeutet. Auf bento.de erzählen einige der Protagonisten und weitere junge Menschen ihre ganze Geschichte. Du hast auch etwas zu sagen? Dann schreib uns an uniundarbeit@bento.de

Den SPIEGEL-Text findest du hier.

"Meine Ausbildung sollte eigentlich schon zu Ende sein, ich bereite mich seit Wochen auf die Abschlussprüfung vor. Doch Corona hat alles durcheinandergebracht. Meine schriftliche Prüfung wurde von Ende April auf Ende Juni verlegt, wann die mündliche Prüfung stattfindet, weiß ich noch nicht. Momentan ist die Unsicherheit ziemlich groß.

Für uns als Auszubildende im Einzelhandel ist das doppelt ärgerlich. Einerseits wissen wir nicht, wann wir endlich unseren Abschluss machen können, andererseits haben wir kaum Zeit, uns richtig darauf vorzubereiten. Schließlich arbeiten wir im systemrelevanten Bereich und müssen uns um die Versorgung der Menschen kümmern.

„Je länger sich meine Prüfung nach hinten verschiebt, desto länger verdiene ich weniger als normale Arbeitnehmer.“
Azubi Robin Ewald

Schwierig war es vor allem in den ersten Wochen: Während die Supermärkte von Hamsterkäufern gestürmt wurden, fiel unsere Ausbildung komplett aus, das war bitter. Wir Azubis saßen fast nur noch an der Kasse und räumten Waren ein. Diese Routinearbeiten sind zwar ein kleiner Teil unserer Ausbildung, der ganze Rest kam dafür aber zu kurz. Wie Bestellungen funktionieren, mussten wir uns teilweise selbst zu Hause beibringen, weil im Betrieb keine Zeit mehr dafür war.

Inzwischen hat sich die Situation wieder ein bisschen entspannt, der Kundenandrang ist nicht mehr so krass wie noch vor einigen Wochen. Die Leute haben Vorräte gebildet. Ich bin gespannt, wie das weitergeht, die Zahlen sollen ja angeblich wieder steigen.

Freunde von mir wurden in Kurzarbeit geschickt, die sind natürlich noch schlechter dran. Aber sie sind dafür einer geringeren Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Wir tragen Mundschutz während der Arbeit und wissen nie, ob wir eine erkrankte Person vor uns haben. Bei etwa 1000 Kunden pro Tag ist das gerade für ältere Kolleginnen und Kollegen ein Risiko. Niemand weiß, wie hoch die Dunkelziffer ist.

In meinem dritten Ausbildungsjahr bekomme ich rund 1000 Euro brutto im Monat, plus eine Corona-Prämie. Ich muss mir keine großen Sorgen um meinen Job machen, im Einzelhandel werden Leute gebraucht. Aber je länger sich meine Prüfung nach hinten verschiebt, desto länger verdiene ich weniger als normale Arbeitnehmer. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, ich weiß das, aber es gibt Grenzen. Ich wünsche mir mehr Anerkennung für das, was wir leisten. Ich wünsche mir, dass die Unternehmen auch darauf achten, wie es uns Jungen geht."


Gerechtigkeit

Solidarische Kliniken in Griechenland: Wo die Gesundheitsversorgung von Freiwilligen abhängt
Ein Gespräch über ein gescheitertes Gesundheitssystem und das Verantwortungsbewusstsein von Medizinern.

Schon Ende Februar, einen Tag nach dem ersten bestätigten Covid-19-Fall, wurde in Griechenland der Lockdown vorbereitet: Veranstaltungen wurden abgesagt, Ausgangssperren verhängt. Bisher zeigten die Maßnamen großen Erfolg. Zum Glück. Denn die Griechen wissen, dass ihr Gesundheitssystem einer Ausbreitung des Virus nicht standhalten würde. (DER SPIEGEL)

Seit der Griechenlandkrise, die 2010 begann, wurde das Gesundheitsbudget drastisch gekürzt. Das System war damals so marode, dass sich parallel zum staatlichen Gesundheitssystem Apotheken und Kliniken gegründet haben, die komplett auf Spendenbasis und bis heute von freiwilligen Helferinnen und Helfern organisiert werden. (DER SPIEGEL)

Sie versorgen diejenigen, die vom staatlichen Gesundheitssystem ausgeschlossen wurden, darunter vor allem Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten, in der Hochzeit der Krise aber auch griechische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ohne Krankenversicherung.