Bild: privat
Marie Baur ist angehende Veranstaltungskauffrau und gerade in Kurzarbeit. Denn ohne Veranstaltungen gibt es nichts zu tun.

Sie hatten einen Plan für ihre Zukunft, dann kam Corona: Menschen zwischen 20 und 30 treffen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie härter als jede andere Altersgruppe, Jobs und Ausbildungsplätze brechen weg. In unserer Serie "Generation Corona" berichten einige von ihnen, was die Krise für sie bedeutet. In dieser Folge: Marie Baur, 21, will im Winter ihre Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau abschließen. Doch ohne Veranstaltungen könnte das schwierig werden.

Generation Corona

Im Alter zwischen 20 und 30 sortiert sich für viele Menschen das Leben: Ausbildungen werden abgeschlossen, erste und zweite Jobs ausprobiert, man investiert Geld in Wohnungen, Autos oder Aktien, findet Freunde oder Partner fürs Leben. Was bedeutet es für eine Generation, wenn dieser Prozess dramatisch verlangsamt wird – weil Corona das Leben lahmlegt? 

In unserer Serie "Generation Corona" beschäftigen wir uns mit dieser Frage. Wir lassen Betroffene zu Wort kommen, sprechen mit Expertinnen und analysieren politische Entscheidungen. Du hast einen Hinweis? Dann schreib uns an redaktion@bento.de.

"Als im März Veranstaltungen mit mehr als tausend Personen verboten wurden, dachte ich das erste Mal: Oh shit! Ich arbeite bei einem Eventveranstalter in Berlin, wir machen alles von großen Gartenpartys über Betriebsversammlungen bis hin zu Sportveranstaltungen. Einzelne Kunden hatten schon vor dem Verbot abgesagt, aber diese Nachricht war ein harter Schlag für mich. Kurz darauf wurden auch die ersten Events abgesagt, die ich betreut hatte, ein Volleyball- und ein Eishockeymatch.

Wie stark sich die Coronakrise auf mich und meine Ausbildung auswirken würde, war mir damals aber überhaupt nicht klar. Am Anfang dachten ja alle, dass nach ein paar Wochen wieder Normalität herrschen würde. Mein Chef versicherte uns Azubis noch, dass Corona keine Auswirkungen auf uns haben werde. Aber dann wurden die Einschränkungen immer heftiger: Erst wurde die erlaubte Personenzahl bei Veranstaltungen auf 50 herabgesetzt, dann wurde alles komplett abgesagt.

„Irgendwann sind auch alle Papiere sortiert.“
Auszubildende Marie

Die Festangestellten hat meine Firma schon Mitte März in Kurzarbeit geschickt. Bei Azubis geht das nicht so leicht, und am Anfang hatten wir auch noch genug zu tun – ich musste zum Beispiel den Technikern Bescheid sagen, damit sie nicht zu einem abgesagten Event fahren. Aber seit Mitte April sind auch wir in Kurzarbeit, auf null Prozent. Was will man in der Veranstaltungsbranche auch groß arbeiten, wenn keine Veranstaltungen stattfinden? Klar kann man Kleinkram erledigen, für den sonst keine Zeit ist, aber irgendwann sind auch alle Papiere sortiert.

Meine Firma hat sich sehr gut um die Mitarbeiter gekümmert, finde ich. Im Betrieb eines Berufsschulkollegen wurden schon Leute entlassen. Bei uns wurden schnell Maßnahmen wie die Kurzarbeit eingeführt, damit alle ihre Jobs behalten können. Uns Azubis wurde sogar gesagt, wir sollen uns melden, wenn wir finanziell in eine Notlage kommen.

Mit 60 Prozent der ohnehin geringen Ausbildungsvergütung auszukommen, ist schwierig. Ich habe beim Jobcenter eine Ausbildungsbeihilfe beantragt, aber noch keine Antwort bekommen. Trotzdem ist mir die Kurzarbeit lieber als dass die Firma nicht überlebt und ich meine Ausbildung gar nicht zu Ende machen kann. Glücklicherweise wohne ich in einer WG, zahle also nicht so viel Miete, und hatte einen Puffer auf dem Konto, weil ich recht gut mit Geld umgehen kann. Ich kaufe jetzt eben nichts, was ich nicht wirklich brauche – ein neues Kleid zum Beispiel wäre momentan ein unnötiger Luxus für mich.

Wie lange die Kurzarbeit noch weitergeht? Keine Ahnung. Niemand weiß, wann wieder Veranstaltungen stattfinden können und es wieder Arbeit gibt.

Auch während der Kurzarbeit habe ich zwei Mal pro Woche Schule, jetzt eben online. Ansonsten versuche ich, das schöne Wetter zu genießen, ich gehe spazieren, treffe mich mit Freunden. In der Firma haben wir inzwischen ein Azubi-Projekt gestartet, wir planen eigenständig ein Konzert: Wie bauen wir die Bühne, welche Technik brauchen wir, wie können wir die Beschränkungen einhalten? Stattfinden wird das Konzert nicht, es geht nur darum, unsere Skills auszuprobieren und zu gucken, was wir gelernt haben und woran wir noch arbeiten müssen.

Ich mache eine auf zweieinhalb Jahre verkürzte Ausbildung und sollte eigentlich Ende Januar fertigwerden. Jetzt, wo die Schule nur online läuft und die Ausbildung nicht wie normal stattfinden kann, mache ich mir Sorgen, dass sich mein Abschluss verzögert. Die Firma hat uns vorgewarnt, dass das passieren könnte. Dann müsste ich noch länger mit dem Azubi-Gehalt auskommen – und wenn man so kurz vor dem Ziel steht und dann heißt es, tja, leider doch nicht, das wäre natürlich ärgerlich. Eine Lehrerin an meiner Berufsschule sagte aber, sie könne sich nicht vorstellen, dass wir verlängern müssen.

Ob ich nach der Ausbildung in der Firma bleibe, hätte sich ohnehin erst später entschieden. Uns wurde aber versichert, dass Corona keinen Einfluss auf unsere Übernahme haben werde. Bleibe ich nicht, wird es in der aktuellen Lage sicher schwierig, einen Job zu finden – im schlimmsten Fall müsste ich in eine andere Branche wechseln. Aber darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Jetzt ist mein Ziel erst mal, meine Ausbildung fertigzumachen."


Gerechtigkeit

DNA-Diät oder Datenklau? Was die Stoffwechsel-Analysen wirklich bringen
Co Gap, Lykon, DNA for me: Gen-Anbieter versprechen maßgeschneiderte Antworten auf Fitness und Gesundheit. Doch die Tests sind fragwürdig.

Seit Kurzem ist meine Welt endlich wieder ein bisschen normaler. Meine Neigung zu Übergewicht? Normal. Mein Hungergefühl? Auch normal. Neigung zum Jo-Jo-Effekt? Stoffwechseltyp? Sporttyp? Normal, normal, normal. 

Zumindest, wenn ich meinem im Internet bestellten DNA-Test glaube. 

Immer mehr Anbieter frei verkäuflicher Gentests locken junge Menschen mit großen Versprechen: Wer ihnen Speichelproben schickt, soll etwas über seine "tatsächliche Herkunft" erfahren, kann seine Gesundheit testen lassen oder angeblich rausfinden, ob man "Dickmacher"-Gene in sich trägt – und mit welcher Ernährung man sie austricksen kann. 

Der größte Anbieter solcher Gentests, Ancestry.com, hat nach eigenen Angaben bereits 16 Millionen Kundinnen und Kunden weltweit. In Deutschland heißen die Anbieter Co Gap, Lykon oder DNA for me. In Onlineforen empfehlen sich Nutzerinnen die Angebote weiter, Influencer preisen die Testkits auf YouTube. Die Titel lauten "Ich dachte, ich wäre zu 100% DEUTSCH und DANN DAS..." oder "Stoffwechselanalyse - Gut oder schlecht?"