Die wichtigsten Fragen und Antworten

In Italien wurden wegen des Coronavirus am Donnerstag alle Schulen und Universitäten geschlossen, die Regel gilt vorerst bis zum 15. März. In Deutschland sind gerade Semesterferien, erst Mitte April werden sich die Hörsäle wieder füllen. Trotzdem sitzen viele Studierende gerade in den Bibliotheken und schreiben Hausarbeiten, mittags treffen sie sich mit Kommilitoninnen und Kommilitonen in der Mensa.

Begeben sie sich dabei in Gefahr? Wie bereiten sich die Universitäten in Deutschland auf das Coronavirus vor? 

Wir haben bei der Hochschulrektorenkonferenz und beim Deutschen Studentenwerk nachgefragt und uns bisherige Einzelfallentscheidungen angeschaut. Hier erklären wir, worauf Studierende jetzt achten müssen.

Werden auch in Deutschland bald Unis wegen Corona geschlossen?

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Kultusministerkonferenz halten die bundesweite Schließung von Schulen nach aktuellem Stand nicht für nötig. Laut Hochschulrektorenkonferenz gilt das Gleiche für Universitäten. Sollte sich die Lage in Deutschland in den kommenden Tagen und Wochen dramatisch ändern, könnten Unis aber wie in Italien geschlossen bleiben, sagt eine Sprecherin zu bento. Es gebe bis jetzt allerdings keine einheitliche Regel für alle Hochschulen. Würde ein Coronafall an einer Uni bekannt, müssten Studierende sich nach den Hinweisen vor Ort richten – die lokalen Behörden hätten dann die Handlungshoheit.

Werden die Vorlesungen im Sommersemester also ganz normal stattfinden?

Nach aktuellem Stand ja. Einige Unis behalten sich aber jetzt schon vor, Studierende mit Krankheitssymptomen nach Hause zu schicken, zum Beispiel die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Aber auch hier gilt: Wie die Unis sich verhalten, ist ihnen selbst überlassen.

Was ist, wenn ich aus dem Auslandssemester zurückkomme?

Die Informationen für Reisende des Auswärtigen Amtes und aktuelle Meldungen des Robert Koch-Instituts werden laufend aktualisiert. Wer aus einem Risikogebiet wie Italien oder Asien zurückkommt, sollte beim Hausarzt oder im Krankenhaus anrufen und sich melden. Sofort persönlich in eine Praxis zu gehen, ist nicht empfehlenswert – man könnte sich selbst oder andere anstecken.

Die Uni Hamburg beispielsweise hat ein zusätzliches Hinweisschreiben veröffentlicht. Darin heißt es: Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, darf 14 Tage nicht am Studienbetrieb teilnehmen und sich nicht auf dem Campus, in den Bibliotheken oder Mensen aufhalten.

Und wenn ich ins Ausland gehen will?

Wer aus Deutschland für ein Semester ins Ausland geht, muss die Entwicklung im Gastland beobachten. Wichtig ist laut Rektorenkonferenz, Kontakt zu den Ansprechpartnern und Behörden vor Ort zu halten: Erasmusämter und International Offices informieren die Studierenden.

Einige Unis haben bereits begonnen, Dienstreisen ihrer Angestellten nach Asien und Italien zu verbieten, zum Beispiel die Universität Bielefeld. Generell gilt aber: Universitäten können nicht überwachen, wer in den vergangenen Wochen wie lang wo war. "Wir bauen auf die Verantwortung der Einzelnen gegenüber ihren Mitmenschen, sich vorausschauend und rücksichtsvoll zu verhalten", sagt Stefan Grob, Sprecher des Deutschen Studentenwerks. "Wer krank ist, bleibt zu Hause."

In der Mensa kommen viele Menschen zusammen. Wie schützt man sich dort am besten?

Viele Mensen werden vom Studentenwerk betrieben. Sprecher Stefan Grob sagt: "Wir hängen Schilder mit aktuellen Informationen auf und haben Desinfektionsmittel und -spender aufgestellt, sofern sie verfügbar waren." Generell sehe er aufgrund der strengen Hygienevorschriften in den Mensaküchen aber kein größeres Risiko als in der Küche einer großen WG, die regelmäßig Besuch bekomme. Sollte der Lehrbetrieb an den Unis eingestellt werden, würden voraussichtlich auch die Mensen schließen, sagt Grob.

Einzelne Mensen haben sich derweil weitere Schutzmaßnahmen ausgedacht: An der Uni Bochum zum Beispiel wurden Glasscheiben über den Besteckkästen angebracht, um sie vor Viren zu schützen. Das Glas würde eine Übertragung zwar nicht ausschließen, aber zumidest das Risiko verringern, sagt die dortige Hygienebeauftragte. Wer auf Nummer sicher gehen will, könne sein eigenes Besteck von zu Hause mitbringen.

Und ganz wichtig: Vor dem Essen Händewaschen!

Ich sitze in der Bib und schreibe Hausarbeiten – kann ich mich anstecken?

Theoretisch schon. Auch in Bibliotheken gelten die normalen Schutzhinweise: langes, gründliches Händewaschen oder Desinfizieren, mindestens ein bis zwei Meter Abstand zu anderen Menschen halten, Augen, Nase und Mund nicht mit ungewaschenen Händen berühren, in die Ellenbeuge niesen oder in ein Taschentuch und das sofort entsorgen. Außerdem sollte man regelmäßig lüften.

Im Wohnheim herrscht Corona-Verdacht – müssen alle ausziehen?

Auch viele Wohnheime werden vom Studentenwerk betrieben. Werde bei einer Bewohnerin oder einem Bewohner Corona diagnostiziert, müsse er oder sie in Quarantäne, erklärt Stefan Grob. Bei schwereren Krankheitssymptomen bedeutet das: erstmal im Krankenhaus bleiben. Wer keine oder sehr milde Symptome hat, kommt in häusliche Isolation – sofern räumlich möglich. Aktuell sei nicht geplant, Wohnheime komplett zu schließen, sagt Grob.

Ist jemand in einer WG infiziert, gelten die Quarantänemaßnahmen übrigens für alle Mitbewohner beziehungsweise Menschen, die sich Küche oder Bad teilen.

Sind Partys tabu?

Offizielle Veranstaltungen in den Studentenwohnheimen finden laut Studentenwerk weiterhin regulär statt. Wer eine Hausparty veranstaltet, sollte das Gleiche beachten wie an anderen Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen – zum Beispiel der Bib.


Fühlen

Schluss mit "Bruder vor Luder": Männer, lasst uns endlich gemeinsam gegen Sexisten kämpfen
Ein Kommentar

Deine Mutter, deine Schwester, deine Freundin, deine Tochter – sie alle könnten Opfer sexualisierter Gewalt werden. Oder sind es bereits geworden, und haben dir bloß nie davon erzählt. Weil wir trotz aller Diskussionen der vergangenen Jahre in einem gesellschaftlichen Klima leben, das Opfern grundsätzlich misstraut und Täter in Schutz nimmt. "Rape Culture" heißt das im Englischen, Vergewaltigungskultur.

Auch dadurch bleiben die seit #MeToo und #Aufschrei in den vergangenen Jahren veröffentlichten Fallzahlen sexualisierter Gewalt für viele Männer bis heute unbegreifbar, unglaublich, hanebüchen. Bis man sie in ihrer Empathielosigkeit daran erinnert, dass es eben auch ihre Liebsten treffen kann.

Laut Terre des Femmes ist schon jede Siebte in Deutschland Opfer von strafrechtlich relevanter, sexualisierter Gewalt geworden. Jede Vierte war sogar schon Opfer körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt durch (Ex-)Partner. Statistisch gesehen müsste also nahezu jeder Mann in Deutschland Frauen kennen, die belästigt oder körperlich missbraucht wurden.

Schuld daran:

Dein Vater, dein Bruder, dein Schwager, dein Sohn, dein Kollege, du und dein bester Freund. Alle könnten Täter werden. Oder bereits welche sein. 

Wir haben nur nie darüber gesprochen. Oder?