Bild: Massimo Rinaldi/Unsplash

Heterosexuelle Kolleginnen und Kollegen erzählen bei der Arbeit wie selbstverständlich von ihren missratenen Dates, romantischen Ausflügen zu zweit oder dem bevorstehenden Pärchen-Urlaub. Queere Menschen zögern oft: Oute ich mich am Arbeitsplatz? Oder lasse ich es lieber sein?

Tatsächlich verschweigen viele queere Menschen bis heute ihre Identität im Job: In einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2017 waren es etwa ein Drittel der befragten Lesben und Schwulen und mehr als die Hälfte der trans- und bisexuellen Befragten. Kein Wunder: 

Drei von vier Teilnehmenden der Studie gaben an, im Job bereits Diskriminierung erlebt zu haben. Offen queer bei der Arbeit? Das ist noch immer eine Grundsatzentscheidung.

Wer im Büro oder der Werkstatt mit der eigenen Identität offen umgeht, muss leider immer noch mit unangenehmen Nachfragen und Kommentaren rechnen.

  • "Wer ist bei euch denn die Frau?"
  • "Schminkst du dich als Lesbe eigentlich?"
  • "Triffst du dich privat eigentlich nur mit Leuten, die auch so sind?"

Oft ist es vielleicht nicht einmal böse gemeint, überschreitet aber dennoch eine persönliche Grenze. Wie kann man damit umgehen? Das Jobtrio sucht Antworten.

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Bebrufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 

Heute: Wie kann ich bei der Arbeit offen queer sein, ohne ständig auf meine sexuelle Identität reduziert zu werden?

"Frage dich, was genau nervt" – das sagt Chef Lasse Rheingans:

Ich finde es total richtig, klare Grenzen zu ziehen – auch wenn man offen mit seiner Identität umgeht. Es geht schlicht um Respekt. Den haben wir alle verdient – egal ob wir queer sind oder hetero. Auch nicht-queere Menschen haben vielleicht schon erlebt, wie sie sich für Privates rechtfertigen sollten. Das kann verbinden und für Verständnis sorgen. Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal Vater wurde, sollte ich plötzlich erklären, wie ich mit Familie eigentlich künftig noch Hundert Prozent für die Firma geben wolle. Für mich war das grenzüberschreitend.

Nicht immer muss man so weit gehen. Wenn du dich manchmal zu wenig respektiert oder unangenehm angesprochen fühlst, würde ich mich deshalb fragen: 

  • Geht es um eine Person, die unpassende Nachfragen stellt oder stören dich auch die anderen, die dabei neugierig zuschauen?
  • Versteht ihr euch ansonsten eigentlich gut oder habt ihr ein schwieriges Verhältnis? 

Wenn ihr sonst eigentlich keine Probleme habt und es dir vor allem in der Gruppe unangenehm ist, sprich es am besten vor allen an. In solchen Situationen helfen Ich-Botschaften, die eigene Situation verständlich zu machen: "Auch wenn ich es schätze, dass es für euch so interessant ist, was ich von Jens Spahn halte, finde ich es unangenehm, nur wegen meiner sexuellen Identität ausgefragt zu werden." 

Wenn du merkst, dass es eine eher schwierige Auseinandersetzung mit einzelnen Teammitgliedern ist, würde ich es in Ruhe ansprechen. Das erhöht für euch beide die Chance, dass niemand das Gefühl hat, sich spontan rechtfertigen zu müssen. Falls du dich dennoch unwohl fühlst, kannst du noch eine dritte Person dazuziehen, die sich mit euch beiden versteht und gegebenfalls vermittelt. Egal ob hetero oder queer: Niemand muss sich auf der Arbeit für sein Privatleben rechtfertigen.“

"Mal mitkommen" – das denkt Kassiererin Dagmar Prüter:

Entscheidend ist doch, dass du deine Arbeit gut machst und dich bei der Arbeit wohlfühlst! Zu meiner Jugendzeit konnte man noch nicht so offen darüber reden, wen man gut fand und wie man orientiert war. Aber natürlich gab es auch da schon Menschen, die schwul oder lesbisch waren. 

Als ich in den Sechzigerjahren eine Zeit lang in einer Herrenboutique arbeitete, erkannte ich die schwulen Männer oft daran, dass sie mehr Wert auf schicke Unterwäsche legten. Viele kauften sich bei uns Tangas und Strings. Den anderen Männern war ansprechende Unterwäsche wohl egal. Mit manchen schwulen Kunden sprach ich auch darüber und natürlich fand ich das interessant. Nachgefragt hätte ich aber nie, sie erzählten von sich aus. Alles andere gehört sich nicht. 

So sollte man es auch mit den Kollegen und Kolleginnen halten. Wie es in dir drin aussieht, das geht nur dich was an. Wenn es andere so brennend interessiert wie du zum Beispiel auf dem CSD feierst, sollen sie eben mal nett fragen und mitkommen. Das kannst du ihnen ja vorschlagen. Dann sieht man schnell, wie offen sie sind und ob sie wirklich Vorurteile haben.

"Nicht stumm bleiben" – das meint Handwerkerin Johanna Runge:

Einer meiner besten Freunde aus der Berufsschule ist schwul. Auch er wollte nicht, dass das ein Thema ist, zu dem er ständig ausgefragt wird. Zum Glück war es auch nie so. Stattdessen musste ich mir viel anhören. Weil ich gerne Motorrad fuhr, eine Lederjacke trug und eben Rock-Musik mag. Manche Jungs hielten das bereits für lesbisch – oder mich für unweiblich.

Irgendwann habe ich das Thema selbst angesprochen und den lautesten Typen ins Gesicht gesagt, wie sehr er mich nervt. Ich hätte kein Problem damit, wenn ich lesbisch wäre, sagte ich ihm. Eine schwarze Lederjacke sei genauso weiblich wie ein Minirock. 

Das ich mich gewehrt habe, hat die Jungs überrascht. Sie dachten wohl nicht, dass ich sie so direkt vor der Klasse anspreche. Tatsächlich war es danach besser. Einige meinten sogar plötzlich, dass sie meine Interessen eigentlich ganz gut fänden. Das war mir nicht so wichtig. Aber für mich war die klare Ansage eine große Erleichterung. Für mich ist das der beste Weg, sich nicht mehr hilflos zu fühlen.


Gerechtigkeit

Wir geben bekannt: Die AfD gehört zu Deutschland!
Was am Hashtag #AfDgehoertnichtzuDeutschland problematisch ist.

Sie sind integrationsunwillig und verhalten sich oft so, als stünden sie über unserer demokratischen Kultur. Einige von ihnen verachten unsere Werte und pfeifen auf unser Grundgesetz. Trotzdem leben ihre Anhängerinnen und Anhänger nun mal hier, manche schon seit mehreren Generationen.

Die Frage muss also erlaubt sein: Gehört die AfD zu Deutschland?

Viele Nutzerinnen und Nutzer beantworten sie gerade mit einem kategorischen: Nein!

Unter dem Hashtag #AfDgehörtnichtzuDeutschland beschreiben Menschen auf Twitter, warum die Rechtspopulisten in ihren Augen nicht Teil Deutschlands sind oder sein dürfen. Der Hashtag selbst ist angelehnt an die immer wieder aufkeimende Frage, ob "der Islam" zu Deutschland gehört. Doch wie auch für diese nervige Debatte gilt allerdings auch für die Anti-AfD-Aktion: Doch, die AfD gehört zu Deutschland. Ob es euch passt oder nicht.