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Berufe so erklärt, dass auch deine Eltern sie verstehen

Berufe so erklärt, dass auch deine Eltern sie verstehen

Als wir klein waren, fragten unsere Eltern, was wir werden wollen. Feuerwehrmann vielleicht? Oder Lehrerin? Traditionsberufe, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann. Nun haben wir Berufe mit Namen wie Data Scientist oder Junior SEO Analyst. Und unsere Eltern fragen ratlos: Was machst du eigentlich? In dieser Reihe erklären wir es ihnen.

Sebastian Sproß, 30, arbeitet als Cloud Architect bei einem internationalen Software-Entwickler.

bento: Sebastian, wie haben deine Eltern reagiert, als du gesagt hast, dass du Cloud Architect wirst?

Sebastian Sproß: Mein Vater arbeitet selbst in der IT-Branche, mein großer Bruder auch. Sie kannten den Job. Meiner Mutter habe ich erklärt, dass ich Unternehmen dabei helfe, neue Software-Projekte umzusetzen. Das reichte ihr.

bento: Was machst du als Cloud Architect genau

Sebastian: Ich unterstütze Unternehmen dabei, ihre Online-Angebote so auf- oder umzubauen, dass sie Menschen auf der ganzen Welt nutzen können – und zwar mithilfe einer Cloud. Viele denken bei dem Begriff an einen virtuellen Speicherplatz für private Fotos. Eine Cloud kann aber viel mehr sein und auch Software oder ganze Internetseiten betreiben. Die Firma, für die ich arbeite, bietet eine solche an. Meine Aufgabe ist es, unseren Kunden zu erklären, was sie an ihren Angeboten verändern müssen, damit sie auf unserer Cloud optimal funktionieren.

bento: Hast du dafür ein Beispiel?

Sebastian: Wenn du Apps wie Facebook oder Instagram nutzt, liegen deine Daten auf Servern in einem Rechenzentrum in deiner Nähe – in Frankfurt oder Berlin zum Beispiel – aber auch in einer Cloud. Deshalb kann auch ein Nutzer oder eine Nutzerin in Indien deine Bilder sehen. Und du kannst in den Urlaub nach Indien fliegen und dort deine Instagram-Bilder aus Deutschland anschauen. Dass das funktioniert, ist die Arbeit von Cloud Architects.

bento: Wie machen sie das?

Sebastian: Wenn du nach Indien reist – und das GPS-Tracking an deinem Handy aktiviert hast –, bemerkt das beispielsweise der Betreiber der Instagram-Cloud und lädt vorsorglich die ersten 30 Bilder aus deinem Instagram-Feed von der Cloud in ein Rechenzentrum in Indien. Wenn du dann dort die App öffnest, sind die Bilder schnell auf deinem Handy. Auf solche Lösungen zu kommen ist meine Aufgabe als Cloud Architect. Ich entwerfe die Infrastruktur, damit die Daten weltweit schnell fließen.

bento: Warum ist das wichtig?

Sebastian: Wenn ein Unternehmen Menschen weltweit erreichen möchte, muss die eigene Software überall gut funktionieren. Gerade in der aktuellen Corona-Lage merkt man, wie wichtig es ist, auch bei überraschend auftretender hoher Nachfrage einen guten Datenaustausch zu ermöglichen: Weil viele im Homeoffice arbeiten, werden Anwendungen wie Skype, Zoom oder Teams viel mehr genutzt – und das funktioniert. Da haben Cloud Architects im Vorfeld gute Arbeit geleistet.

bento: Du sprichst es an: Gerade wird wegen der Coronakrise sehr viel digital gearbeitet. Hast du jetzt mehr zu tun?

Sebastian: Zum Teil. Viele unserer Kunden kommen aus der Maschinen- und Autobranche. Da haben wir jetzt leider weniger zu tun. Dagegen zum Beispiel in den Bereichen Pharmaindustrie und Chemie mehr. So gleicht sich das für uns aus. 

bento: Wie kann ich mir deine alltägliche Arbeit vorstellen?

Sebastian: Nehmen wir an, ein Onlineshop möchte unsere Cloud nutzen. Ich ermittle als Erstes, was genau sich das Unternehmen wünscht und was es dafür braucht. Dann plane ich, was an der Software des Unternehmens angepasst werden muss, damit sie weltweit und flexibel funktioniert. Danach folgt die sogenannte Architecture Design Session, in der ich in einem Dialog mit den Entwicklern und Managerinnen des Onlineshops meine Ideen vorstelle und wir die Anpassungen planen und umsetzen.

So ein Projekt kann Monate oder sogar ein Jahr dauern. Und selbst wenn der Shop schon längst auf der Cloud liegt, können sich die Bedürfnisse des Unternehmens oder die Situation auf dem Markt verändern – und wir müssen wieder etwas anpassen.

bento: Und wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Sebastian: Ich stecke immer in mehreren Projekten gleichzeitig, die alle auf einem anderen Stand sind. Manchmal beginnt mein Tag mit dem Kennenlernen eines neuen Kunden, dann wechsle ich zum Abschlussgespräch mit einem anderen Kunden, danach zur Architecture Design Session beim nächsten. Zwischendrin entwerfe ich am Schreibtisch – oder auch im Zug auf dem Weg zum Kunden ­– neue Ideen, wie die Leistung einer Software verbessert werden kann. Typische Tage gibt es bei mir eigentlich nicht.

bento: Was hast du gelernt, um Cloud Architect zu werden?

Sebastian: Ich habe in Aachen Technik-Kommunikation studiert. Während des Studiums hatte ich mehrere Nebenjobs im Informatik-Bereich, ich habe zum Beispiel an der Uni als Java-Entwickler und UX-Designer gearbeitet und bei einem Unternehmen Android-Anwendungen programmiert. Nach meinem Studium habe ich dann bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen. Auch wenn ich in meinem aktuellen Job nicht so viel selbst programmiere, bin ich froh, dass ich es kann. Denn so kann ich meine Ideen den Entwicklerinnen und Entwicklern in den Unternehmen viel besser näherbringen.

bento: Welche besonderen Fähigkeiten braucht man in deinem Job?

Sebastian: Man sollte ein gutes technisches Verständnis besitzen. Außerdem passiert jeden Tag etwas Neues, spannende Ideen werden bekannt, neue Tools entwickelt, neue Plattformen gelauncht – dafür sollte man stets offen bleiben. Außerdem sollte man in dem Job kommunikativ sein und gut erklären können.

bento: Arbeiten Cloud Architects überall gleich – oder in anderen Unternehmen anders?

Sebastian: Ich habe viel Kundenkontakt, bin also quasi ein Techie im Vertrieb. Das ist bei anderen Cloud-Anbietern ähnlich, denke ich. Ein Unternehmen, das eine Cloud nutzt, kann aber auch eigene Cloud Architects beschäftigen. Sie programmieren mehr selbst.

bento: Wie viel verdient man in deinem Beruf?

Sebastian: Als Einsteiger ist ab 55.000 Euro brutto im Jahr alles möglich.

bento: Welcher Aspekt macht dir am meisten Spaß?

Sebastian: Im Prinzip werde ich für mein Hobby bezahlt. Ich habe schon immer gern über neue technische Möglichkeiten nachgedacht und sie programmiert – jetzt darf ich das jeden Tag machen, bei immer anderen Projekten und Kunden mit ganz unterschiedlichen Ausgangssituationen.


Gerechtigkeit

Warum werden Pflegekräfte eigentlich so schlecht bezahlt?
Hohe Verantwortung, großer Druck, Pflegenotstand, Systemrelevanz: Warum Pfleger trotzdem nicht viel verdienen.

"Da lag jemand im Sterben", berichtet Elif. "Und ich stand so unter Zeitdruck, dass ich die Patientin den ganzen Tag nicht mit Essen versorgen konnte. Danach hatte ich ein unglaublich schlechtes Gewissen und hätte am liebsten geweint." Elif ist 21 Jahre alt und schließt im September ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin ab. Den Beruf möchte sie erlernen, um Menschen zu helfen. "Da ich auch medizinisch und naturwissenschaftlich interessiert bin, war das die richtige Wahl für mich", sagt sie. Wie lange sie den Druck, der aufgrund des Pflegenotstandes auf Pflegekräften lastet, aushält, weiß sie nicht. 

In Deutschland gibt es einen Pflege-Fachkräftemangel. Über die gerechte Bezahlung von Pflegekräften wird schon seit Jahren gestritten. 

Seit der Coronakrise applaudieren Bürgerinnen und Bürger auf Balkonen und Politiker im Bundestag für die Pflegerinnen und Pfleger – doch schon jetzt fragen sich junge Pflegende, ob Politiker sie "für dumm halten" (bento). Denn sie gelten als notorisch unterbezahlt. Warum ist das eigentlich so? Und was müsste sich für Berufseinsteiger ändern? Eine Spurensuche.

1. Wie ist die vergleichsweise niedrige Bezahlung in Pflegeberufen entstanden?

Menschen, die Hilfe brauchten, wurden in Europa innerhalb ihrer Familien versorgt – und das meist von Frauen. Das christliche Konzept der Nächstenliebe verlieh dem Pflegen zwar Ansehen, es galt aber auch als eine Selbstverständlichkeit, sich um Angehörige zu kümmern. 

Erst im 19. Jahrhundert entwickelten sich Strukturen, die die Pflege professionalisierten. Fähigkeiten wurden den Frauen dabei allerdings weniger zugetraut, wichtiger war: "Es muss von der guten Krankenschwester ein wahrhaft schwesterlicher, ja ein mütterlicher Hauch ausströmen." (Journal für Pflegewissenschaft) Obwohl mit Florence Nightingale eine Frau den Gedanken des westlichen Gesundheitswesens vorantrieb, das Bild von Pflegenden blieb lange trotzdem das Klischee der sich "natürlicherweise" kümmernden und aufopfernden Frau. Die Folgen spüren wir bis heute. 

2. Wie werden Pflegekräfte heute bezahlt?

Die Verdienstmöglichkeiten innerhalb der Branche variieren. In der Altenpflege sind die Gehälter bis zu 30 Prozent niedriger als in der Krankenpflege. Hinzu kommen Unterschiede nach Bundesländern, privater oder öffentlicher Trägerschaft, ambulantem oder stationärem Dienst (Hans Böckler Stiftung).

In der Krankenpflege verdient man, im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen, durchschnittlich oder leicht darüber. Dabei sind Nacht- und andere Sonderzuschläge einberechnet (Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege). Am schlechtesten verdienen Helfer in der Krankenpflege, mit durchschnittlich 1.850 Euro brutto monatlich in Vollzeitanstellung (Hans Böckler Stiftung). 

Bei der Vergütung geht es immer auch um die Frage, ob der Verdienst im Vergleich zur Leistung angemessen ist. Die physische und psychische Belastung ist in der Pflege überdurchschnittlich hoch (Universität Mannheim). 

"Von unseren Entscheidungen hängen Menschenleben ab. Wir arbeiten im Schichtdienst und erfahren täglich eine große körperliche und psychische Belastung", sagt Anna Schmidt, 28, von der Lenkungsgruppe Junge Pflege im DBfK. "Die Ausbildungsgehälter sind gut, doch nach dem Staatsexamen steigt die Verantwortung enorm an – das Gehalt nicht. Und die Aufstiegsmöglichkeiten sind gering."