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Diese Frage beantwortet Chimamanda Ngozi Adichie in ihrem neuen Buch.

Wir bewundern Chimamanda Ngozi Adichie schon lange. Weil sie sich für Frauen und gegen Rassismus einsetzt, weil sie tolle Romane über starke Frauen schreibt und weil sie nicht müde wird zu erklären: Niemand muss Angst vor dem F-Wort haben – Feminismus! Und: Wir alle profitieren von einer Gender-Stempel-freien Welt.

Jetzt hat die 39-Jährige wieder ein feministisches Manifest geschrieben: In "Liebe Ijeawele" gibt sie 15 Empfehlungen, wie Mütter ihre Töchter feministisch erziehen kann. Denn sie findet: Wir als Gesellschaft bringen Mädchen immer noch bei, sich klein zu machen.

(Bild: Giphy )

Das ist Chimamanda Ngozi Adichie

Die Autorin wurde 1977 in Nigeria geboren. Sie studierte später unter anderem an den US-Elite-Universitäten Yale, Princeton und Harvard. Neben diversen Kurzgeschichten (unter anderem eine ganz tolle, ausgedachte zu Donald Trump) hat sie einen der wichtigsten Romane der vergangenen Jahre geschrieben: "Americanah". Darin geht es um eine junge Frau aus Nigeria, die in den USA Rassismus und Sexismus erlebt.

Hier sind ihre wichtigsten Ratschläge an uns:
Sei eine vollständige Person.

Es ist ermutigend, dass der erste Ratschlag in diesem Buch dazu aufruft, sich nicht auf das Muttersein zu reduzieren und sich nicht vorwerfen zu lassen, man sei eine Rabenmutter, wenn man nicht nur Mutter ist. Im Gegenteil, schreibt Adichie: Wie willst du deine Tochter zu einer selbstständigen, vollständigen Person erziehen, wenn du es selbst nicht bist?

Im Video siehst du, was bento-Redakteurin Marlene Borchardt zu dem Thema zu sagen hat:

Bring deiner Tochter bei, dass Geschlechterrollen absoluter Blödsinn sind.

"Die Fähigkeit zu kochen", schreibt Adichie, "ist nicht vorinstalliert in einer Vagina." Und damit ist eigentlich alles zu "typisch Mann" und "typisch Frau" gesagt, was jemals gesagt werden musste. 

Bring ihr bei, Sprache zu hinterfragen.

Sprache ist eine gewaltige und wundervolle und gefährliche Sache. Wer könnte das besser wissen als jemand, der damit sein Geld verdient? Adichie rät: "Bring ihr folgendes bei: Wenn jemand X bei Frauen kritisiert, nicht aber bei Männern, dann hat dieser jemand kein Problem mit X, sondern mit Frauen. Für X setze bitte Ärger, Ehrgeiz, laut sein, Sturheit, Kälte, Rücksichtslosigkeit ein."

Zum Weiterlesen:

Sprich nie von Heirat als Errungenschaft.

Es ist nicht so, dass Adichie ein Problem mit Liebe hat – ganz im Gegenteil. Aber sie weist darauf hin, dass es äußerst problematisch ist, der Hälfte der Welt beizubringen, dass eine Ehe etwas Erstrebenswertes ist – und der anderen Hälfte aber nicht. Einen hervorragenden Vorschlag hat sie auch für das leidige Nachnamen-Dilemma: "Jedes Paar, das heiratet, sollte sich einfach einen komplett neuen Nachnamen zulegen, den sie wie auch immer aussuchen können, solange beide damit einverstanden sind."

Bring ihr bei, nicht nach Beliebtheit zu streben.

Anstatt deiner Tochter beizubringen, liebenswert zu sein, schreibt Adichie: "Bring ihr bei, ehrlich zu sein. Und gütig. Und mutig." Und damit geht einher:

Mach Unterschiedlichkeit normal.

Denn wenn es normal ist, anders zu sein, gibt es auch keinen Grund mehr, auf Teufel komm raus liebenswürdig zu sein, um bei anderen beliebt zu sein. Das wiederum erfordert Mut und Ehrlichkeit. 

Das ist überhaupt das Beste an Adichies Manifest: Alle Tipps unterliegen der Annahme, dass man seiner Tochter nur beibringen kann, was man selbst lebt. 

Wie soll sie offen über Sexualität reden, wenn man es selbst nicht kann? Wie soll sie eine vollständige Person werden, wenn man sich selbst auf seine Mutterrollen limitiert? Wie soll sie lernen, dass es völlig in Ordnung ist, wütend zu sein, wenn man selbst davor zurückschreckt wütend zu sein?

Es ist eine ganze Menge, die Adichie fordert. Und deshalb ist das Buch auch nicht nur für Mütter und solche, die es früher oder später werden wollen. Sondern für alle, die finden, dass das Geschlecht nicht darüber entscheiden sollte, welche Türen einem aufgehalten werden, welche man nur mit viel Kraft für sich öffnen kann, und welche verschlossen bleiben.

Zum Weiterlesen:

Es ist ein Buch für alle, die bereit sind zu hinterfragen, ob sie selbst ihren eigenen feministischen Standards entsprechend leben. Für alle, die wissen wollen, wie sie ihre Töchter zu selbstständigen, starken Menschen erziehen können. 

Und nebenbei: auch ihre Söhne. 

Vieles ist auf die Erziehung aller Kinder übertragbar. Bevor jetzt jemand angelaufen kommt und es diskriminierend findet, dass dies ein Buch über die feministische Erziehung von TÖCHTERN und nicht Kindern ist: Adichie hat die Tipps zusammengestellt, weil eine Freundin gefragt hat, wie sie ihre Tochter feministisch erziehen soll. Und das Buch ist eine ganz persönliche Antwort, ein Brief. 

Er beginnt mit "Liebe Ijeawele". Und endet mit dem Schönsten, was man einem Menschen wünschen kann: "Möge ihr Leben sein, was auch immer sie möchte, dass es ist."


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