Die Unternehmenskultur spielt eine wichtige Rolle.

Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kündigen nicht ihren Job, sondern ihrem Chef oder ihrer Chefin – sie sind so unzufrieden mit dem Vorgesetzten, dass sie das Unternehmen lieber gleich verlassen als noch länger mit ihr oder ihm zusammenzuarbeiten.

In einer weltweiten Befragung sagte jeder Zweite, dass er schon einen Job wegen eines schlechten Vorgesetzten gekündigt habe. (Gallup Report) Und viele Chefs sind dann völlig überrascht, weil sie angeblich nicht geahnt haben, wie unzufrieden ihr Team ist und sich selbst für eine gute Führungskraft halten.

Soweit muss es nicht kommen, wenn alle Beteiligten ansprechen, was sie aneinander stört. Aber kann ich meinen Chef einfach so kritisieren? Wird er es mir nachtragen, wenn ich an seinem Führungsstil etwas auszusetzen habe? Oder das Feedback von mir als Berufseinsteiger sowieso nicht ernstnehmen?

Wir haben drei Personalprofis gefragt: Darf ich meinen Chef kritisieren?

Diese drei kennen sich mit Chefinnen und Chefs aus:

Karin Lausch ist Beraterin für Führungskräfte- und Organisationsentwicklung.

Thomas Egenter ist als Vice President Human Resources beim Armaturenhersteller Hansgrohe für 4700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig.

Armin Trost ist Professor für Industrial and Organizational Psychology und Human Resource Management an der Business School der Hochschule Furtwangen.

Das sagt Armin Trost:

"Ob man einen anderen Menschen kritisieren darf, hängt grundsätzlich davon ab, welches Verhältnis man zu dieser Person hat. Manche Beziehungen lassen dies zu, andere wiederum nicht. Dies gilt eben auch bei dem Verhältnis, das man zu seinem Chef hat. Du solltest hier sehr sensibel vorgehen.

Findest du, dass man dich auch kritisieren darf? Und wie würdest du dir das wünschen? Grundsätzlich würde ich niemals unaufgefordert kritisieren, sondern nur, wenn ich gefragt werde. Unaufgeforderte Kritik ist riskant, weil man nie weiß, ob der Gegenüber im jeweiligen Moment wirklich offen dafür ist.

Gegebenenfalls würde ich fragen, ob Kritik erwünscht ist. 'Entschuldige bitte, aber darf ich dir hierzu Feedback geben?'. Wichtig ist, dass dies gerade gegenüber dem Chef niemals in Anwesenheit Anderer stattfindet. Du solltest wirklich vermeiden, deinen Chef öffentlich in ein negatives Licht zu rücken.

Wenn du kritisierst, dann niemals die Chefin oder den Chef als Person, sondern immer das Verhalten. Sag auf keinen Fall 'Ich finde, du bist absolut unfähig' sondern, 'wenn du dich so verhalten würdest, wäre das vielleicht wirksamer'."

Harvard Business Manager

Der Harvard Business Manager zeigt jeden Monat, wie sich die neuesten Erkenntnisse aus der Managementforschung in der Praxis nutzen lassen – und das seit 40 Jahren. Zum Jubiläum lassen wir drei unserer Experten auf Fragen zu Job und Karriere antworten.

Das sagt Karin Lausch:

"Diese Frage wird heutzutage je nach Unternehmenskultur unterschiedlich bewertet. In tradierten Unternehmen ist das sicherlich noch ein großes und nicht immer gern gesehenes Thema. Moderne und zukunftsfähige Unternehmen begrüßen es allerdings inzwischen.

Kritisieren? Ich sage: unbedingt! Wir brauchen eine Arbeitswelt, in der jeder von jedem lernen kann. In manchen Unternehmen gibt es inzwischen sogar die Pflicht zur Kritik. Alle Mitarbeitenden müssen sich verpflichten, Feedback offen und ehrlich zu geben. Gerade auch der Führungsetage gegenüber.

Allerdings gilt: der Ton macht die Musik. Wichtig ist konstruktives Feedback, das der Chef gut annehmen kann. Dazu gehört der richtige Moment, nämlich unter vier Augen. Wichtig ist auch Ich-Botschaften zu senden, statt Vorwürfe zu machen. Statt zu sagen: 'Sie haben vergessen auf meine E-Mail zu antworten!' empfehle ich folgende Ich-Botschaft: 'Ich hätte an der Stelle Ihre Rückmeldung gebraucht.'"

Das sagt Thomas Egenter:

"Natürlich darf ich meinen Chef kritisieren, sofern die Kritik berechtigt ist und nicht persönlich wird. Der eigene Chef ist auch 'nur ein Mensch' und Menschen können Fehler machen. Aus eigener Erfahrung weiß jedoch jeder, Kritik ist nicht immer leicht zu akzeptieren. Daher ist es wichtig, konstruktiv und sachbezogen zu bleiben.

Und Kritik fällt ausgewogener aus, wenn man sich vorher gedanklich in die Rolle des Vorgesetzen versetzt und versucht, seine Beweggründe zu verstehen.

Wähle einen positiven Einstieg in das Vier-Augen-Gespräch. Bleibe sachlich und ruhig. Verdeutliche deine Kritik an konkreten Beispielen. Gebe dem Gesprächspartner Raum, seine Sicht der Dinge darzustellen.

Mache lösungsorientierte Vorschläge, wie in ähnlichen Situationen zukünftig Konflikte vermieden werden können. Baue im Gespräch Brücken und suche Konsens.

Sicher wird jeder Chef anders auf Kritik reagieren, aber mit dem richtigen Fingerspitzengefühl, sprich Empathie, kommt man auch in schwierigeren Gesprächen gemeinsam zu guten Lösungen."


Fühlen

Nach Halle: Hinsehen! Gedenkstätten sind nicht nur für Schulklassen
Auseinandersetzung mit den Verbrechen an Jüdinnen und Juden tut weh, ist aber unumgänglich.

Als wir in den Bunker kommen, scheint mir Kunstlicht ins Gesicht. Es regnet schon den ganzen Tag hier in Berlin. Drinnen ist die Luft kühl und trocken, zwei Mitarbeiterinnen unterhalten sich leise hinter der Kasse. Eine Freundin und ich besuchen heute eine Dauerausstellung im Story-Bunker Berlin. Alles, was wir heute sehen werden, steht unter einer einzigen Frage: Wie konnte das geschehen? "Das" ist Hitler. Der Nationalsozialismus. Der zweite Weltkrieg. Der Holocaust. Zerstörte Städte. Zerstörte Familien. 55 Millionen Tote.

Wir zahlen 13,50 Euro für ein Kombiticket inklusive Audioguide und schließen unsere feuchten Rucksäcke in einem Schließfach ein.

Ich weiß, dass ich in dieser Ausstellung keinen Spaß haben werde.

Stattdessen wird sie mich aufwühlen. Ich werde gleich immer stummer werden. Ich werde fassungslos sein. Ich werde auf einer der Bänke sitzen und nicht bemerken, dass ich weine.