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U-Bahnen, Busse, Carsharing – in der Stadt kommt jeder irgendwie voran. Auf dem Land sieht das anders aus. Dort fahren Busse und Bahnen vielleicht gerade einmal jede Stunde – wenn es überhaupt welche gibt. Das eigene Auto ist für viele ein Muss.

Ahmet Cetiner will das ändern. Er hat eine Carsharing-Firma gegründet, die Autos gibt es nur auf dem Dorf. Bisher in Maintal bei Frankfurt, hier hat Ahmet hat er das Projekt gestartet – und er will expandieren. Hier erzählt er, was er bisher erreicht hat.

1. Er hat ein Problem gelöst.

"Ich habe vor neun Jahren meinen Kurierdienst '4xpress' in Frankfurt am Main gegründet. Erst hatte ich einen eigenen Fuhrpark, doch die meiste Zeit blieben die Autos ungenutzt oder wurden für private Zwecke genutzt. Also wies ich meine Fahrer stattdessen an, Carsharing zu nutzen – plötzlich standen uns mehr als 1000 Autos zur Verfügung – und das immer nur dann, wenn wir es brauchen. 

Mir kam das schon immer absurd vor: Das eigentliche Mobilitätsproblem hat doch das Land. In Frankfurt selbst gibt es einen guten ÖPNV – wie in anderen Großstädten auch. Ich selbst komme aus dem Maintal, vor den Toren Frankfurts, dort habe ich mittlerweile auch meinen Firmensitz. Von meinem Büro bis nach Frankfurt in die Innenstadt brauche ich mit der Bahn fünfzehn Minuten, um in einen anderen Stadtteil von Maintal zu kommen, brauche ich 50. Das wollte ich ändern. Nicht für mich, sondern für alle."

Warum wir die Zukunft der Arbeit in einer 8000-Einwohner-Gemeinde in Bayern suchen

Lange galt die Stadt als das Nonplusultra: mehr Menschen, mehr Business, mehr Forschung, mehr Kultur. Wer Karriere machen oder sich selbst finden und ausprobieren wollte, musste in die Stadt. Doch die Freiräume verschwinden, Zeit für Zukunftsvisionen hat kaum noch jemand.

Ganz anders auf dem Land: Hier gibt es Ruhe, viel Platz und durch die Digitalisierung ist man trotzdem nah dran – so zumindest die romantische Vorstellung.

Ist das wirklich so? Katharina verbringt eine Woche im Coworking-Space "Woidhub" in Viechtach im Bayerischen Wald, wo sich junge Pioniere Großstadtfeeling in die 8000-Einwohner-Gemeinde geholt haben. Was sie dort erfährt, berichtet sie diese Woche auf bento.

2. Er hatte sein Ziel klar im Blick.

"2016 habe ich damit begonnen, ein Elektromobilitätskonzept für meinen Wohnort zu entwickeln. Mit Ladestationen mitten in der Stadt. Ausgestattet mit dem Landesförderungsprogramm Hessen war der ursprüngliche Plan, 36 Ladestationen zu bauen und 18 Autos zu betreiben. 

Meine Motivation ist das Ziel, dass Menschen sich auf dem Land bewegen können – sauber und ohne eigenes Auto. Schnell zum Arzt oder abends mal ins Kino. Ich denke auch an die jungen Bewohner, für die ein Auto nur ein Klotz am Bein ist, das viel Geld kostet. Die wollen immer das aktuellste Smartphone, haben aber nur dann ein Auto, wenn sie es auch wirklich brauchen. Das ist also eher unwichtig. Kein Wunder, dass viele in die Stadt ziehen."

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3. Er war vorbereitet auf das Unerwartete.

"Als ich damit anfing, mich mit der konkreten Umsetzung zu beschäftigen, habe ich gemerkt, dass man nicht mal eben so Ladestationen bauen kann. Du brauchst mehrere Unterstützer: Jemand muss bereit sein, dass so ein Ding auf seinem Grund und Boden entsteht. Dann brauchst du die Stadtwerke, die die Stromleitungen besitzen und betreiben. 

Mittlerweile haben wir zehn Ladestationen und sechs Autos im Maintal. In Zukunft wollen wir noch mehr Gemeinden vernetzen, ich bin im Gespräch mit 26 Bürgermeistern.

Doch der Stadtrat in Maintal hat mich gerade in eine Zwangspause versetzt. Die SPD hat beantragt, dass erst geprüft werden muss, ob ein Carsharing-Konzept nicht öffentlich ausgeschrieben werden muss. Ich habe daraufhin ein wütendes YouTube-Video gedreht. Wie die Abstimmung ausgeht, ist noch offen."

4. Er sah das Dorf als Chance.

"In einer Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern war ich nur ein kleines Licht. Da gibt es dann gleich ein Dutzend Unternehmen wie das eigene. Doch hier in Maintal mit etwa 40.000 Einwohnern kennen dich gleich viel mehr Menschen.

Der Bürgermeister redet mit mir, andere Unternehmer auch. Wenn du einer der wenigen bist, der was gegen das Mobilitätsproblem unternimmt, dann wirst du auch gehört. Ich denke, wenn man etwas bewegen will, sollte man erst einmal im Kleinen anfangen. Die Welt kann ich nicht revolutionieren, Maintal schon."

5. Er denkt groß.

"Meine Vision ist es, die ganze Region wiederzubeleben. Im April öffnet wieder meine Sommergastronomie und an den Ladestationen will ich auch kostenloses W-Lan einführen. Infrastruktur schaffen, für den Verkehr, die Digitalisierung und auch die Freizeit. 

Wenn das alles nicht klappen sollte, habe ich ja trotzdem noch meinen Kurierdienst. Trotzdem glaube und kämpfe ich sehr für meine Idee. Der Bedarf ist doch schließlich da."


Gerechtigkeit

Russland blockiert Telegram
Es geht um ein Antiterrorgesetze und verschlüsselte Nachrichten.

Was ist passiert?

Die Verhandlung dauerte gerade einmal 18 Minuten, dann fiel die Entscheidung vor dem Moskauer Bezirksgericht: Der Messengerdienst Telegram soll in Russland verboten werden.

Warum?

  • Seit Anfang des Jahres müssen Provider in Russland die Kommunikation der Nutzerinnen und Nutzer speichern.
  • Diese Entscheidung wird mit Terrorbekämpfung begründet.
  • Der Geheimdienst soll Zugriff auf die Kommunikation erhalten, um so potenzielle Terrorlagen beobachten zu können. (Handelsblatt)