Bild: Nils Wagner
Nils Wagner, 23, erklärt es uns.

Berufe so erklärt, dass auch deine Eltern sie verstehen

Als wir klein waren, fragten unsere Eltern, was wir werden wollen. Feuerwehrmann vielleicht? Oder Lehrerin? Traditionsberufe, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann. Nun haben wir Berufe mit Namen wie Data Scientist oder Junior SEO Analyst. Und unsere Eltern fragen ratlos: Was machst du eigentlich? In dieser Reihe erklären wir es ihnen.

Dieses Mal: Nils Wagner, 23, Business Development Manager bei einem Unternehmen für Telekommunikation.

bento: Nils, was sagen deine Eltern zu deinem Beruf?

Nils Wagner: Für sie ist er schwer zu verstehen, weil es den Job in dieser Form ja noch nicht lange gibt. Mit der Digitalisierung ist er immer wichtiger geworden. Früher hätte man meinen Job vielleicht "Zukunftsanalyst" genannt und belächelt.

bento: Und was machst du nun genau als Business Development Manager?

Nils: Ich schaue mir in unserem Unternehmen interne Arbeitsabläufe an, aber auch, wie wir extern mit Kunden und anderen Unternehmen zusammenarbeiten. Und dann frage ich mich: Was können wir noch besser machen? Was ist auf dem Markt los? Gibt es neue Technologien? Neue Arbeitsweisen und Partner, mit denen wir zusammenarbeiten sollten? Das Ziel ist immer, wirtschaftlich noch erfolgreicher zu werden. Daraus erarbeite ich Konzepte, die ich dem Management vorstelle.

bento: Warum ist dein Job wichtig?

Nils: Weil die Welt sich ständig wandelt. Es gibt neue Technologien, neue Apps, neue Start-ups. Gerade in der Telekommunikationsbranche gilt es, nicht abgehängt zu werden. Als Business Development Manager muss ich darauf achten, dass wir immer mithalten können.

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bento: Also du kommst morgens ins Büro. Und dann? Wie sieht dein Alltag aus?

Nils: Erst mal gibt es einen Kaffee, ist klar. Dann schaue ich, wie die Projekte laufen, die ich angeleiert habe. Funktioniert das, was ich mir überlegt habe? Gibt es Handlungsbedarf? Als nächstes recherchiere ich, was auf dem Markt los ist. Ich schaue zum Beispiel auf Preisvergleichsseiten, ob die Konkurrenz ihre Preise verändert oder neue Angebote bewirbt.

Auch was sich außerhalb der Telekommunikationsbranche tut, kann für uns interessant sein: Nehmen wir die E-Scooter als Beispiel. Noch vor wenigen Monaten hat niemand darüber gesprochen, jetzt sieht man sie in den Großstädten überall. Also frage ich mich: Sollten wir einsteigen? Können wir vielleicht in Verbindung mit einem unserer Mobilfunkprodukte ein spannendes Angebot entwickeln? Dem würde ich dann nachgehen.

bento: Wie sieht das genau aus?

Nils: Ab diesem Moment geht es viel um Zahlen. Ich habe zwar keine große Leidenschaft für Tabellenkalkulationen, aber die müssen sein. Die SWOT-Analysen kennen sicherlich noch viele aus ihrem Studium. In meinem Job kommen diese Stärke-Schwäche-Chancen-Risiken-Abwägungen oft zum Einsatz. Das Ziel ist es, zu berechnen, ob sich die Projekte auch finanziell lohnen.

bento: Also besteht dein Alltag größtenteils aus Excel-Tabellen?

Nils: Nicht nur. Es ist auch wichtig, sein Netzwerk sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Unternehmens zu erweitern. Ich bin oft in Meetings und Konferenzen.

bento: Was hast du gelernt, um Business Development Manager zu werden?

Nils: Ich habe Medien- und Kommunikationsmanagement im Bachelor studiert. Die meisten meiner Kollegen haben sich für Wirtschaftsstudiengänge wie BWL entschieden. Wir arbeiten in einem sich ergänzenden Team, jeder hat von allem etwas Ahnung, hat aber seine Kernkompetenz: Ich selbst bin spezialisiert auf Marketing. Man sollte schon ein bisschen Berufserfahrung gesammelt haben, bevor man Business Development Manager wird.

bento: Du bist 23. Woher hast du die Berufserfahrung?

Nils: Zum einen habe ich während des Studiums zahlreiche Praktika und Werkstudentenjobs gemacht. Zum anderen habe ich während meines Studiums eine Firma im Bereich Immobilienmanagement gegründet. Dabei hast du dann schnell mit Finanzen, Personalwesen und Recht zu tun.

bento: Braucht man als Business Development Manager besondere Fähigkeiten?

Nils: Kommunikationsstärke ist wichtig, denn du bist ja mit allen Abteilungen in Kontakt. Du musst überzeugen können – selbst wenn dein Konzept ganze Abteilungen umkrempeln könnte.

bento: Wie viel verdient man?

Nils: Ein Einstiegsgehalt von etwa 45 000 Euro brutto im Jahr ist normal. Nach oben hin gibt es keine Grenzen, ich habe auch schon von sehr erfahrenen Kollegen mit 150 000 Euro Jahresgehalt gehört.

bento: Macht es Spaß?

Nils: Erst im Job habe ich richtig verstanden, wie komplex die Zusammenhänge und das Aufgabenfeld sind. Letztlich hat mich der Job noch mehr begeistert, als ich vorher dachte.


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