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Wenn sich plötzlich die Überstunden häufen und zwei Kollegen immer besonders lange im Büro bleiben, wird irgendwann getuschelt: Läuft da was? Kann schon sein: 20 Prozent der Berufstätigen in Deutschland haben sich schon einmal am Arbeitsplatz verliebt. Und jeder Siebte fand dort sogar die große Liebe. Das ergab vor einiger Zeit eine repräsentative Forsa-Umfrage.

Doch wie soll man mit den Gefühlen am Arbeitsplatz umgehen? Verdrängen? Oder offen dazu stehen? 

Auch viele Berufseinsteigerinnen und -einsteiger, die im ersten Job jemanden kennenlernen, stellen sich diese Frage. 

Wir haben unser Job-Trio um Rat gefragt:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Bebrufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 

Heute: Mein Kollege und ich haben uns ineinander verliebt. Ist es sinnvoll, das offiziell zu machen?

Das sagt Chef Lasse Rheingans:

"Ob das sinnvoll ist oder nicht, möchte ich als Vorgesetzter nicht entscheiden. Ich bin der Meinung, dass sich Privates und Berufliches sowieso immer mehr vermischt. Es gab tatsächlich schon einen Fall, bei dem zwei meiner Mitarbeitenden zusammen waren, ohne dass ich es wusste. Ich habe es nur zufällig erfahren, als die beiden zusammengezogen sind. Das war es dann aber auch, ich schnüffele niemandem hinterher.

Wenn du dir unsicher bist, frage dich am Besten: Fühlt es sich gut an, die Beziehung offiziell zu machen? Was würde sich dadurch ändern?

Wenn es sich für euch richtig anfühlt, die Beziehung offiziell zu machen, gut! Und wenn nicht, dann ist das ebenso in Ordnung. In kleinen Teams wird es ohnehin irgendwann öffentlich, in größeren spielt es in meinen Augen meistens eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist am Ende, wie ihr den Job macht."

Das meint Kassiererin Dagmar Prüter:

"Liebe ist etwas Schönes – das war schon immer mein Lebensmotto. Wenn du glaubst, dass ihr euch wirklich gerne habt, dann verschweige es nicht. Wenn du dir aber nicht sicher bist oder insgeheim denkst, dass dir dein Job wichtiger ist als die Beziehung, dann lass es lieber. Ich rede jeden Tag mit hunderten Menschen. Da kriegt man irgendwann ein Gespür dafür, wer offen ist und wer nicht. Wer ehrlich zu sich ist, hat es leichter im Leben.

Am Ende musst du dir überlegen, was dich glücklich macht. Ich selbst würde es vermutlich für mich behalten. Das mag vielleicht komisch klingen. Aber ich finde, wie es in mir selbst aussieht, das geht niemanden was an. So bin ich erzogen worden und so denke ich heute noch, mit 76 Jahren."

Das denkt Handwerkerin Johanna Runge:

"Puh, ganz ehrlich? Ich habe selbst schon die Erfahrung gemacht. Er war ein Jahr weiter in der Ausbildung und ich fand ihn einfach gut. Wir haben aber niemandem erzählt, dass wir zusammen sind. Oft sind wir mit verschiedenen Verkehrsmitteln zur Arbeit gekommen, damit es niemand merkt. 

Für uns hatte die Beziehung viele Vorteile: Wir mussten nach der Arbeit nie erzählen, was tagsüber los war. Jeder wusste, wie es dem anderen den Tag über ging. Aber als es zu Ende ging, war es für uns beide schwer, bei der Arbeit die Gefühle auszublenden. 

Natürlich kann man sich nicht immer aussuchen, in wen man sich verliebt. Wenn du dir aber noch nicht sicher bist, würde ich eine Beziehung komplett vermeiden. Das klingt vielleicht krass. Aber am Ende ist es doch einfacher, wenn man ein Privatleben neben der Arbeit hat."


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