Früher war alles einfach. Mama und Papa haben entschieden, gegen welches Risiko wir uns absichern sollten – und gleichzeitig alles bezahlt. Jetzt müssen wir uns selbst darum kümmern. Haftpflicht-, Hausrat- und Rechtsschutzversicherung: Was davon brauchen wir wirklich? Wir haben Detlef Lülsdorf gefragt, Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes der Versicherungsberater. 

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also googlen wir unsere Probleme. Die Antworten der Suchmaschine sind nur leider manchmal unbefriedigend. Deshalb klären wir mit Hilfe von echten Experten Fragen, die Google uns vorschlägt, wenn wir bestimmte Begriffe eingeben. Zum Beispiel Plastikflaschen – oder Kopfhörer.

Ab wann muss die eigene Versicherung her? 

Grundsätzlich gilt: Solange wir in der ersten Ausbildung sind, deckt die Versicherung der Eltern uns mit ab – danach nicht mehr. Aber was genau als erste Ausbildung gilt, darüber herrscht nicht immer Einigkeit. "Um sicher zu gehen, wie lange man mitversichert ist, sollte man den Versicherer befragen", rät Lülsdorf. "Und sich das schriftlich bestätigen lassen." 


Auch wenn die Auskunft am Telefon noch so freundlich gegeben wird: Passiert wirklich mal etwas, können wir uns darauf nicht verlassen. Wovon wir aber ausgehen können: Wenn Ausbildung oder Uni beendet sind und wir das erste richtige Gehalt bekommen, sind wir bei der Versicherung der Eltern raus

Haftpflicht muss sein, oder? 

"Zu einer Haftpflichtversicherung würde ich eindeutig raten", sagt Lülsdorf. "Sie ist nicht besonders teuer, kostet meistens 40 bis 50 Euro im Jahr – und dafür werden Schäden abgedeckt, die über mehr als zehn Millionen Euro gehen."

Denn bei Haftpflicht geht es nicht nur um das Handy der Freundin, das uns runterfällt. Auch wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs sind, einen Unfall verursachen, dabei Autos beschädigt oder schlimmstenfalls Personen verletzt werden, ist das ein Fall für die Haftpflichtversicherung – und ohne Schutz kann es richtig teuer werden. 


Wichtig dabei: Wenn wir mit unserem Partner in einer gemeinsamen Wohnung leben, können wir eine gemeinsame Haftpflichtversicherung abschließen und so Geld sparen

Und wie sieht es mit Hausrat aus?

Auch hier gilt: Sobald wir mit eigenem Gehalt in der eigenen Wohnung leben, können wir nicht mehr auf die Versicherung der Eltern zählen. Aber brauchen wir eine eigene?

"Hausratversicherungen sind häufig eher nice to have", sagt Lülsdorf. "Man muss immer einschätzen, wie Preis und Leistung im Zusammenhang stehen: Wie hoch kann der Schaden sein – und welche Prämie muss ich dafür regelmäßig zahlen?" Ein Einbruch wäre ein Fall für die Hausratversicherung. Hier sollten wir uns fragen: Was könnte geklaut werden? Und wie teuer wäre es? 

"Am besten legt man klassisch eine Inventarliste an", sagt Lülsdorf. "Hier zählt jeder Löffel und jede Socke und dann rechnen wir aus: Was würde ein Totalschaden bedeuten?" Dann sollten wir uns eine Frage stellen:

Wie wahrscheinlich ist ein Totalschaden?
Detlef Lülsdorf

Einbrecher klauen vermutlich nicht jede Socke, sondern eher nur den teuren Laptop oder die Kamera. Also: Die Höhe der Prämie mit dem Wert der teuersten Gegenstände vergleichen und dann entscheiden. Falls wir uns versichern lassen, ist damit aber nicht alles getan. 

"Ich würde jedem raten, Fotos und Videos der Wohnung zu machen und auf einem separaten Rechner – zum Beispiel bei den Eltern – abzulegen", sagt Lülsdorf. Denn falls wirklich eingebrochen wird, müssen wir vermutlich nachweisen, was vorher wirklich da war – nur so können wir es ersetzt bekommen. 

Brauchen wir eine zusätzliche Krankenversicherung? 

Teurer Zahnersatz, neue Brille, Chefarzt-Behandlung im Krankenhaus: Alles Dinge, die normale Krankenkassen nicht übernehmen. Eine Zusatzversicherung muss trotzdem nicht sein.

"Das sind häufig emotionale Entscheidungen", sagt Lülsdorf. "Wenn man sich dadurch wohler fühlt, kann man jede Versicherung abschließen – auch die zusätzliche Krankenversicherung. Aber nötig ist sie in meinen Augen nicht, denn gesetzliche Kassen bieten ausreichende Leistungen."

Wenn wir nicht genetisch bedingt ganz schlechte Zähne haben: Wie hoch ist die Gefahr, dass wir für einen vierstelligen Betrag Zahnersatz brauchen? 

Oft sind Zahnzusatzversicherungen nur Wetten mit dem Versicherer. Und die gewinnt der Versicherer immer.
Detlef Lülsdorf

Auch bei einem Krankenhausaufenthalt kann es mehr Sinn machen sein, im Ernstfall selbst draufzuzahlen: Die komfortable Unterbringung im Zweibettzimmer (die es dank Zusatzversicherung automatisch gibt) kann man sich für einen gewissen Aufpreis pro Nacht meistens selbst erkaufen. Wenn wir denn wirklich mal im Krankenhaus landen – passiert ja zum Glück auch nicht so oft. 

Berufsunfähigkeitsversicherung: Wirklich nötig?

Wir haben so lange studiert, so viel Geld dafür bezahlt – üble Vorstellung, dass wir irgendwann nicht mehr in unserem Beruf arbeiten und das gewohnte Gehalt verdienen können.

"Viele Versicherer empfehlen, das eigene Netto-Einkommen zu versichern", sagt Lülsdorf. "Aber hier ist die entscheidende Frage: Brauche ich diese Summe wirklich?"

Wenn wir weiterhin unsere 2000 Euro netto verdienen wollen, ist die Prämie entsprechend hoch. Sie hängt auch noch von unserem Gesundheitszustand und dem Risiko unseres Jobs ab und kann deshalb nicht pauschal berechnet werden. Wichtig: Es gibt einen Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit. Wenn wir zwar nicht mehr als Unfallchirurg arbeiten, aber dafür einen normalen Bürojob machen könnten, sind wir nicht erwerbsunfähig. Wir können also weiterhin Geld verdienen – nur anders. 

Jetzt schon fürs Alter vorsorgen? 

Das ist noch echt weit weg: Aber müssen wir jetzt schon Versicherungen abschließen, um als Rentner ein gutes Leben zu haben? "Von einer privaten Rentenversicherung würde ich aktuell entschieden abraten", sagt Lülsdorf. "Aktuell gibt es meist keine oder nur eine sehr geringe Verzinsung, eine Versicherung lohnt sich da einfach nicht." 

Auch wenn es sicher nicht schadet, schon mal an die Zukunft zu denken und was zu sparen: Es muss nicht gleich der teure Vertrag sein – vor allem weil vor allem fondsgebundene Versicherungen in der Regel echt ins Geld gehen. Auch das ist oft ein emotional aufgeladenes Thema: Die Versicherer entwerfen Horrorszenarien von unserer düsteren Zukunft – und schon haben wir den Kuli zur Unterschrift in der Hand. Hier gilt wieder: Wer sich damit besser fühlt, kann es natürlich machen. Aber wir sollten nicht aus Panik bei jedem Angebot zuschlagen.


Fühlen

Was bringen Anti-Kater-Mittel wirklich?
Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss.

"Ich trinke nie wieder Alkohol."

Das ist häufig der erste Satz, den man nach einer durchzechten Partynacht sagt. Vorausgesetzt, man kann überhaupt schon wieder sprechen. Kopfschmerzen, Probleme im Magen-Darm-Bereich, Schwindel – das überschwängliche Gefühl beim Feiern hat sich ins Gegenteil verkehrt. Kater. Sollte man nicht doch besser zum Arzt?