Die sechste Folge unserer Serie "Mein erstes Jahr im Job"

Franziska*, 27, hat einen Bachelor in Medizintechnik und einen Master in Maschinenbau. Trotzdem suchte sie neun Monate nach einem Job. Sie sagt: Als Frau Ende 20 ist das im MINT-Bereich nicht so leicht.

Mein erstes Jahr im Job

Der Einstieg ins Berufsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. Man weiß noch nicht, wie eine Gehaltsverhandlung abläuft, ist überfordert von den vielen Aufgaben und neuen Menschen – oder im Gegenteil: langweilt sich schon nach den ersten Wochen. In der Serie "Mein erstes Jahr im Job" sprechen wir mit Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern über ihren Start ins Arbeitsleben. Du hast auch etwas zu erzählen? Dann schreib uns an uniundarbeit@bento.de.

"Ich habe fast sechs Jahre lang studiert, erst Medizintechnik im Bachelor, dann Maschinenbau im Master. Währenddessen sammelte ich Arbeitserfahrung: Ich absolvierte ein Praxissemester bei einem Unternehmen, das Röntgengeräte entwickelt, und schrieb meine Masterarbeit bei einem Automobilzulieferer. Im vergangenen Jahr fragte ich mich oft: Wofür das alles? Denn ich fand einfach keinen Job.

Schon während ich an meiner Abschlussarbeit schrieb, bewarb ich mich auf freie Stellen. Ich schickte insgesamt etwa 30 Bewerbungen an verschiedenste Firmen, mal in der Automobilbranche, mal im Bereich Medizintechnik, aber auch im Schiffbau oder Bauwesen. Siebenmal wurde ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen, sechsmal bekam ich anschließend eine Absage, auf die ich im Schnitt vier bis sechs Wochen warten musste. Meist schob man es auf meine fehlende Praxiserfahrung. Diese Begründung verstand ich nicht. Wie viel Erfahrung ich hatte, konnten die Unternehmen doch in meinem Lebenslauf sehen. Warum luden sie mich dann überhaupt ein? Ich glaube eher, das war eine Ausrede. Denn: Alle Jobs gingen an Männer. So entnahm ich es zumindest den Absagen am Telefon.

„Man fragte mich, wie ich mir mein Privatleben in fünf Jahren vorstellen würde. Bei meinem Freund, ebenfalls Ingenieur, hat das bisher niemanden interessiert.“
Franziska

Auffällig war auch, dass ich bei einigen Bewerbungsgesprächen darauf angesprochen wurde, ob ich zurzeit einen Partner hätte. Oder man fragte mich, wie ich mir mein Privatleben in fünf Jahren vorstellen würde. Bei meinem Freund, ebenfalls Ingenieur, hat das bisher niemanden interessiert.

Endlich Arbeit

Erst beim siebten Bewerbungsgespräch hatte ich Erfolg, nach neun Monaten Jobsuche. Seit März dieses Jahres arbeite ich als Trainee bei einem Maschinenbauunternehmen. Das Team, zu dem ich gehöre, fungiert als Schnittstelle zwischen den Kunden und unseren Entwicklern. Wir schauen also, welche Techniken und Prozesse noch entwickelt werden müssen, um die Bedürfnisse der Auftraggeber zu erfüllen.

Das Traineeship war ein Kompromiss, eigentlich wollte ich gleich richtig in den Beruf einsteigen und nicht noch ein Ausbildungsprogramm absolvieren. Ich entschied mich trotzdem dafür, weil das Gehalt nicht schlecht war: Aktuell verdiene ich im Monat 2300 Euro brutto, bei einer 30-Stunden-Woche. Und ich kann noch dazulernen, zum Beispiel Schulungen im Ausland belegen. Außerdem hatte ich einfach keine Lust mehr, von meinem Umfeld ständig auf meine Arbeitslosigkeit angesprochen zu werden. Bei jeder Party wurde ich gefragt: "Hast du mittlerweile was gefunden?" Ich konnte es nicht mehr hören.

Ein Problem bei den Bewerbungen war vermutlich, dass ich mich nicht so gut verkaufen konnte. Zum Beispiel behauptete ich nicht, etwas zu können, was ich nie zuvor gemacht hatte. Ich zeigte Unsicherheit. Meine männlichen Kommilitonen machten das besser, das war zumindest mein Gefühl. Die sagten eher: Ich bin der Beste für den Job.

Ist Technik was für mich als Frau?

Ich war immer gut in Mathe und Physik und hatte ein Gefühl für Konstruktion, besonders für 3D-Darstellungen. Nach dem naturwissenschaftlichen Abitur machte ich zunächst ein Studium auf Probe: In dem sechsmonatigen Programm "Niedersachsen-Technikum" belegen junge Frauen an einem Tag pro Woche verschiedene MINT-Fächer an der Hochschule und besuchen Vorlesungen. An den restlichen vier Tage schnuppern sie ins Arbeitsleben und machen bezahlte Praktika. So sollen sie herausfinden: Ist Technik was für mich als Frau? Das half mir persönlich total. Denn in der Schule dachte ich, das können nur die richtig Schlauen. Ich hatte aber ein 3er-Abi und traute mir sowas nicht zu.

Trotz solcher Programme sind MINT-Studiengänge aber nach wie vor männerdominiert. Mein Bachelorjahrgang bestand aus 15 Studierenden, nur zwei davon waren Frauen. Im Master waren wir insgesamt 60, fünf davon Frauen. Und wir mussten einiges aushalten: Immer wieder kamen Sprüche über "Weiber", die vor allem shoppen oder unter Stimmungsschwankungen leiden. Damals hatte ich noch die Hoffnung, dass sich das später im Job ändern würde.

„Nur weil ich eine Frau und 27 Jahre alt bin, befürchteten viele Arbeitgeber offenbar, dass ich direkt Kinder bekommen würde.“
Franziska

In meinem ersten Berufsjahr – in dem ich ja kaum gearbeitet habe – habe ich dann aber leider festgestellt, dass das Geschlecht in meiner Branche eben doch eine Rolle spielt. Im Studium hatte mir ein Professor noch versichert, dass man im Maschinenbau schnell etwas fände. Ich habe das anders erlebt. Nur weil ich eine Frau und 27 Jahre alt bin, befürchteten viele Arbeitgeber offenbar, dass ich direkt Kinder bekommen würde. Dabei will ich doch noch gar keine Familie gründen, eher so mit Mitte 30. Da fühle ich mich als Berufseinsteigerin und vor allem als Frau schon benachteiligt."

*Damit unsere Protagonistinnen und Protagonisten offen von ihrem Berufseinstieg erzählen können, ohne Nachteile fürchten zu müssen, bleiben sie hier anonym. Ihre Namen sind der Redaktion bekannt.


Food

"Erfrischungsstäbchen" – was bist du bloß?
Widerstand snacklos: Die Essens-Kolumne

Eine Hülle aus Zucker umschließt einen Kern aus zähflüssigem Zitrusschleim, überzogen ist beides mit einer dünnen Schicht bitterer Schokolade. Auf den ersten Blick erweckt das Stäbchen den Anschein, feste Nahrung zu sein. Nach dem Biss verflüchtigt es sich dann aber innerhalb von Sekunden und wandelt sich zu einem knirschigen Schluck Zuckerwasser.