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We feel you.

Die Vorlesung beginnt um 10 Uhr und wenn du da nicht gerade mit Kaffee im Bett liegend "Breaking Bad" gucken solltest, dann tust du das in der Vorlesung (meist sitzend), während der Prof leidenschaftlich über die Vorzüge von Statistik doziert – hach, das Studentenleben kann so herrlich sein!

Okay, das ist vielleicht ein bisschen überspitzt und nicht alle Klischees, die es über Studenten gibt, stimmen wirklich. Mancher quält sich monatelang mit dem Antrag auf Bafög herum und klaut am Monatsende das Klopapier aus der Toilette im Audimax, das während der Klausurenphase dann praktischerweise zum Tränen trocknen dient.

Aber irgendwann hast du es geschafft, das Studium gemeistert (oder auch einfach nur hinter dich gebracht) und die Welt wartet auf dich! 

Was für ein Gefühl! 

Und dann hast du als fleißiges Mitglied der Gesellschaft natürlich möglichst schnell einen Job gefunden, der nicht nur dich, sondern auch dein Konto (er)füllt. 

Es sollte also alles prächtig sein. 

Aber stattdessen sitzt du apathisch auf der Arbeit, versuchst mit Kaffee deinem Schlafmangel entgegen zu wirken, während auf deinem Handy die Urlaubsbilder von Freunden aufploppen. Du teilst auf einmal die Meinung deiner Großeltern, dass früher wirklich alles besser war und wenn der Chef kommt, schließt du schnell den Tab mit der bereits zur Hälfte ausgefüllten Bewerbung für "Love Island". Und immer ist da diese Frage im Hintergrund: Geht es anderen genauso? Oder bin ich einfach unfähig? 

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Laut einer Jobstudie von Ernst and Young aus dem Jahr 2017 sind nur 50 Prozent der 21- bis 30-Jährigen zufrieden mit ihrer Arbeit, gerade einmal 29 Prozent sind dabei motiviert – das ist deutlich weniger als in anderen Altersgruppen. Andrea Weik ist Coach in Berlin und berät Jugendliche und junge Erwachsene in der Berufsfindung. bento hat sie verraten, wie man als Berufseinsteiger die Umstellung vom Studium zur Vollzeitbeschäftigung meistert und dabei sein Privatleben bewahrt. 

1 Haben viele Berufseinsteiger den Eindruck, das Leben nicht richtig zu meistern? Oder geht das nur mir so?

Nein, Sätze wie "Wo ist mein Leben hin?" höre ich immer wieder. Viele Berufseinsteiger haben hohe Erwartungen an sich selbst, sie wollen im Job perfekt sein und 120 Prozent geben. Dabei sind schon 100 Prozent eigentlich zu viel. Niemand muss perfekt sein, erst recht nicht am Anfang einer Karriere. 

Man muss sich klarmachen, dass der Schritt in die Berufswelt ein sehr großer ist. Man braucht einfach ein bisschen Zeit, um anzukommen. 

Die Frage ist außerdem: Welche Erwartungen an den neuen Job sind wirklich realistisch? Nette Arbeitskollegen, gutes Gehalt, ein cooler Chef, nicht immer trifft das alles sofort zu. Da muss man sich zurechtfinden. 

Viele junge Menschen wollen alles sofort und machen sich selbst viel Druck in allen Bereichen, oft sogar mehr, als erwartet wird – und diesen Druck gilt es, rauszunehmen.

2 Warum ist der Wechsel vom Studium in den Job so hart?

Jede Umstellung ist naturgemäß anstrengend, sowohl physisch als auch psychisch. Eine neue Situation fordert alle Sinne und Fähigkeiten. 

Man darf einfach nicht vergessen, dass man nicht nur sehr viel weniger Zeit hat, wenn man vollzeitbeschäftigt ist, sondern dass ein neues Arbeitsumfeld zwischenmenschlich herausfordernd sein kann. Man muss ja erst mal rausfinden: Wer kann mit wem, welche Fettnäpfchen gibt es, wen kann man um Rat fragen?

Häufig ist einem bei neuen Jobs außerdem gar nicht klar, was der eigene Zuständigkeitsbereich und wer der Ansprechpartner ist. Man darf ruhig die Unterstützung einfordern, die man braucht – und sich vor Augen halten, dass man gar nicht alles von Beginn an können kann.

3 Was kann man denn machen, wenn man trotz dieses Stresses noch Energie fürs Privatleben haben will?

Ganz grundsätzlich kann ich jedem empfehlen, sich Gelassenheit und Humor zu bewahren, und das schon im Berufsalltag. Nicht alles so streng nehmen. 

Außerdem ist es wichtig, am Arbeitsplatz gut für sich selbst zu sorgen. Das fängt bereits morgens an: 

  • Nehme ich mir die Zeit für ein Frühstück, oder schminke ich mich auf dem Weg zur Arbeit im Rückspiegel des Autos? 
  • Wie möchte ich meine Mittagspause verbringen? Möchte ich wirklich immer mit den Kollegen Essengehen, oder tut mir ein Spaziergang gerade gut? 

Für das Privatleben selbst gilt: Prioritäten setzen - und sich für die nicht schuldig fühlen! Man muss wissen, was einen entspannt, was einen glücklich macht und was man auf gar keinen Fall aufgeben will: Das kann wöchentlich feiern und abgehen sein, aber auch das schöne Abendessen mit Freunden oder einfach nur ein Buch in der einen und einen Tee in der anderen Hand. 

4 Ist es denn sinnvoll, einfach die Zähne zusammenzubeißen, ganz nach dem Motto "Augen zu und durch?"

Es ist immer gut, ein gewisses Maß an Geduld und Vertrauen aufbringen, dass es mit der Zeit besser wird, denn das wird es in den meisten Fällen tatsächlich. 

Es kann natürlich trotzdem hilfreich sein, mit anderen Leuten über die eigene Unzufriedenheit zu reden. Häufig sind Gespräche sehr hilfreich, um zu klären, wer man ist und wohin man will.

5 Ab wann macht es Sinn, darüber nachzudenken, ob der neue Job tatsächlich nicht zu einem passt?

Grundsätzlich gilt, drei bis sechs Monate zu warten, bevor man einen Entschluss fasst. Wenn sich nach dieser Zeit herausstellt, dass der Job nichts für einen ist – entweder weil man überfordert oder unterfordert ist, oder die Tätigkeit einfach nicht der eigenen Ausbildung entspricht – dann kann man dazu stehen und anfangen, sich neu zu orientieren. 

Trotzdem würde ich abraten, den Job zu häufig zu wechseln. Schließlich durchläuft man diesen Prozess jedes Mal aufs Neue, das kann auf Dauer sehr anstrengend sein. Um das zu vermeiden, empfiehlt es sich, sich bereits im Vorhinein intensiv mit dem angestrebten Unternehmen und Berufsbild zu befassen und sich die Frage zu stellen, ob dieses lediglich eine Übergangslösung ist, oder man sich dort langfristig sieht.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Und wenn du jetzt gerade beim Lesen dieses Artikels bei der Arbeit sitzt und wirklich gar nichts mehr geht: Pinguin-Dokus. Die helfen einfach immer.


Trip

Wie gut kennst du dich mit den Bräuchen anderer Länder aus?

Travel addicts aufgepasst: In manchen Ländern gibt es durchaus schräge Gewohnheiten und ungewöhnliche Vorschriften. Schafft ihr es, bei eurem nächsten Trip ein paar Fauxpas zu vermeiden? 

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