Bild: Michael Kappeler/dpa
"Von einer geregelten Ausbildung kann keine Rede sein."

50,6 Prozent. Das ist die Zahl, die Frank Schimmel ärgert. Schimmel ist Vorsitzender im "Fachausschuss Ausbildung" im BDSW, dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. 

Und 50,6 Prozent der Azubis bei Sicherheitsdiensten steigen frühzeitig aus den Ausbildungsverträgen aus - das ist der höchste Wert bei Ausbildungsabbrüchen in Deutschland, wie am Mittwoch bekannt wurde. (bento)

Frank Schimmel leitet selbst eine Fachschule für Sicherheitskräfte in Hamburg. Und er will im Bundesverband dafür sorgen, dass die Sicherheitsdienste den Spitzenplatz bei den Ausbildungsabbrechern wieder loswerden. Die hohe Zahl wundert ihn jedoch nicht:

"Ausbildungszeiten von weit über 200 Stunden pro Monat. Keine Gelegenheit, regelmäßig den Berufsschulunterricht zu besuchen. Kein dauerhafter Ausbildungsleiter. Von einer geregelten Ausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes ganz zu schweigen."

Das sei für viele Azubis in seiner Branche der Alltag.

Natürlich gebe es zum Teil auch sehr gute Ausbildungsbetriebe, "sie machen aber leider die Minderheit aus und die schwarzen Schafe prägen das Image", sagt Frank Schimmel. Seit über 15 Jahren gibt es in der Sicherheitsbranche zwei gesetzlich geregelte Ausbildungsberufe

  • die "Servicekraft für Schutz und Sicherheit" mit zweijähriger Ausbildung
  • und die "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" mit dreijähriger Lehrzeit. 

"Für die Qualität der Ausbildung heißt das nur leider erst mal nicht viel", sagt Schimmel. Eine Einschätzung, die auch Silke Wollmann teilt. "Man muss das klar sagen: Es gibt Unternehmen, die nutzen ihre Auszubildenden als normale Einsatzkräfte aus", so die Sprecherin des BDSW. Da komme es durchaus schon mal vor, "dass ein Auszubildender direkt aus der Nachtschicht in die Berufsschule geht - und dann aus dem Unterricht heraus zum nächsten Einsatz gerufen wird".

Das allerdings, darauf legt Silke Wollmann Wert, passiere vor allem in Unternehmen, die nicht im BDSW organisiert sind - und da wiederum oft bei den zweijährigen Ausbildungsgängen. Trotzdem, daran lässt auch Wollmann keinen Zweifel, sind die Abbrecherzahlen generell zu hoch. Für die Betriebe ist das nicht nur ein Imageproblem, sondern auch eine finanzielle Belastung.

In Hamburg hat die Branche deshalb ein Pilotprojekt gestartet: Bei regelmäßigen Treffen in einer Berufsschule können die Azubis der Sicherheitsfirmen von Mängeln in ihrer Ausbildung berichten. 

Überforderung kommt da ebenso auf den Tisch wie Klagen über zu viele Nacht- und Wochenendschichten. 

"Ab Ende April wird für solche Fälle auch eine Ombudsperson zur Verfügung stehen", sagt Frank Schimmel. Denn es sei wichtig, dass die Auszubildenden einen Ansprechpartner hätten, der nicht ihr Chef sei.

Um den angestrebten Imagewechsel in der Security-Branche zu untermauern, haben sich Hamburger Sicherheitsfirmen darüber hinaus zu einer "Exzellenzinitiative" zusammengeschlossen. Wer mitmacht, verpflichtet sich, seinen Azubis beispielsweise überbetriebliche Ausbildungskurse anzubieten und einen Meister für Schutz und Sicherheit einzustellen, der die Lehrlinge betreut.

Doch die Selbstverpflichtung reicht Frank Schimmel noch nicht. "Ich würde mir für unsere Branche einen Meisterzwang wünschen", sagt er - also die Auflage, nur mit einem Meistertitel auch Nachwuchs ausbilden zu dürfen. Dass er damit bei den Sicherheitsunternehmen mit ihren geringen Gewinnmargen auf Protest stößt, ist Schimmel klar. Er sagt aber auch:

Qualität gibt's nicht umsonst.

Und mit zunehmender Qualität, hofft Frank Schimmel, werde die Abbrecherquote in der Sicherheitsbranche dann irgendwann sinken.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Streaming

Ein Regisseur verklagt die Macher von Stranger Things
Sie sollen einen Teil der Story von ihm geklaut haben.

Als Regisseur arbeitete Charlie Kessler bereits an diversen Netflix-Produktionen mit, unter anderem an "Daredevil" und "Luke Cage". Er hat auch einen Kurzfilm produziert, "Montauk", den er den Brüdern Matt und Ross Duffer angeblich 2014 vorgespielt haben soll. Kessler wollte eigenen Angaben zufolge einen Spielfilm daraus entwickeln.

Das ist nie passiert. Dafür wirft der Regisseur den Brüdern Duffer jetzt vor, Teile eben dieses Films für ihre Serie "Stranger Things" geklaut zu haben. Kessler hat die Macher dafür verklagt. (The Guardian)