Und wie es ist, wenn man in dieser Branche eine Frau ist.


Wegräumen, was andere auf die Straße werfen – bei jedem Wetter. Die Stadt von Müll zu befreien, das ist ein anstrengender, mit vielen Vorurteilen belasteter Job. Wer, der mit ihnen nichts zu tun hat, sagt schon "Straßenreinigungskräfte", die korrekte Bezeichnung, statt "Müllmänner"?

Doch die Arbeit wird besser bezahlt als vergleichbare Jobs im Reinigungsbereich: In Berlin verdient ein Neueinsteiger bei der Straßenreinigung etwa 2800 Euro brutto – inklusive Gedingezulage, eine Art Entschädigung für das ständige Müllanfassen. 

Aber wie fühlt es sich eigentlich an, ständig den Abfall von anderen wegzuräumen? 

Ist die Arbeit so kräftezehrend, wie sie manchmal aussieht? Tonnen herumwuchten, auf Rampen springen, Tiere eintüten: Hier erzählen vier Menschen von ihren Erfahrungen in diesem Beruf.

Erwartung vs. Realität

Manchmal kommen die Dinge anders, als wir dachten – vor allem im Job. Was im Bewerbungsgespräch super klang, kann in der Praxis überhaupt keinen Spaß machen. Oder umgekehrt. Davon erfahren wir aber häufig erst, wenn wir schon mittendrin stecken. Was ist jetzt besser: Geduld haben? Gleich wieder kündigen? Wie fangen Karrieren an – und wie enden sie? In dieser Serie erzählen Menschen davon.

Alex*, 27 

Alex möchte lieber unerkannt bleiben.

(Bild: Unsplash / Hermes Rivera )

Was ich erwartete: Viel Abwechslung und Action. Dass man ordentlich zu tun hat und es in dem Job keine Langeweile gibt. Dazu viel Bewegung und frische Luft.

Wie es wirklich ist: Anfangs habe ich vor allem Straßen gereinigt. Heute kümmere ich mich um den Müll – oder die "Mülle", wie wir Hamburger ihn nennen. Tatsächlich ist die Arbeit so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich bin nur draußen, bewege mich viel und habe immer was zu tun.

Dass ich morgens sogar mit einem Lächeln zur Arbeit gehe, liegt vermutlich auch daran, dass ich mir mit der Müllabfuhr einen Kindheitstraum erfüllt habe. Wollten andere Jungs Feuerwehrmann werden, saß ich am Fenster und sah mit großen Augen zu, wie die Männer mit dem orangefarbenen Auto vorfuhren und den Müll mitnahmen. 

Als ich dann mit der Schule fertig war, traute ich mir den Job allerdings nicht zu.
Alex

Ich dachte: Um mich da zu bewerben, muss ich bestimmt gelernter Handwerker sein. Also machte ich eine Ausbildung zum Friseur. Zehn Jahre lang schnitt und frisierte ich Leuten die Haare und hörte mir ihre Sorgen und Probleme an. 

Mit 26 hatte ich davon genug – und schickte meine Bewerbung für die Stadtreinigung ab.

Freunde fragen mich, ob mich der Müll, dieser Gestank, nicht stört. Nein. Wie man Gerüche wahrnimmt, ist sehr persönlich. Die einen bekommen allein bei der Vorstellung ranziger Milch das Würgen, die anderen bei Chanel-Parfüm – und je öfter man einen bestimmten Geruch riecht, desto weniger nimmt man ihn bekanntlich wahr. 

Für mich hat der Geruch nach verfaultem Obst etwas Beruhigendes. Mein Vater hatte früher einen Großhandel. Ich spielte oft ich in den Gängen, und als ich älter wurde, packte ich mit an, half beim Ausladen der Ware und kümmerte mich um die, die weg musste: Ich sortierte die gammligen Orangen und Kartoffeln aus. Eine Aufgabe, die mich stolz machte. 

Schließlich konnte ich meinem Papa damit helfen.
Alex

Im Gegensatz zum Haareschneiden wird das Entfernen von Müll viel mehr wertgeschätzt. Gerade, wenn wir die Bio- und Plastiktonnen von Kleinfamilien oder älteren Damen abholen, höre ich oft ein ehrliches "Dankeschön!".

Dazu die am Fenster sitzenden Kinder – so wie ich früher eins war. Als Friseur bekam ich für meine Dienstleistung nicht so viel Wertschätzung.

*Name von der Redaktion geändert

Kula, 21

Kula

(Bild: privat)

Was ich erwartete: Vor allem weniger Stress. Nach der Schule machte ich eine Ausbildung bei Aldi, wo ich innerhalb kürzester Zeit zum Filialleiter aufstieg. Gab es Probleme, schickten die Mitarbeiter die Kunden zu mir. Besonders anstrengend fand ich die Einkäufer, die sich darüber beschwerten, dass irgendwas ausverkauft sei. 

Bei der Stadtreinigung dachte ich mir, hört dieser Stress auf und habe ich mit solchen Leuten nichts mehr zu tun.

Wie es wirklich ist: Es stimmt, abgesehen von einem netten "Danke" bekomme ich von unseren Kunden – also den Bürgern – kaum was mit. Dafür musste ich mich an die Arbeitszeiten sehr gewöhnen. Wir fangen um 6 Uhr an, haben um 14 Uhr Feierabend. Mein Wecker klingelt um 4.45 Uhr. 

Und dann sehe ich viele tote Tiere, besonders während der letzten Hitzeperiode.
Kula

Als ich meinen ersten Vogelkadaver auf der Straße sah, wusste ich erst gar nicht, was ich mit dem machen soll. Ein Kollege sagte mir: "Eintüten und ab in die Tonne damit."

Ein Tier einfach so wegzuschmeißen, fühlte sich komisch an. Mittlerweile habe ich mich jedoch daran gewöhnt. Eingetütet werden übrigens nur Vögel, Mäuse und Ratten – also Tiere, die in der Regel keinen Besitzer haben. Tote Hunde und Katzen müssen identifiziert werden. Darum kümmert sich die Polizei.

Als Stadtreiniger mache ich weg, was auf den Gehwegen liegt, außerdem hake ich Unkraut. Mittlerweile kenne ich in meinem Einsatzgebiet jede Ecke und jeden Pflasterstein. Ist es stürmisch, weiß ich, wo der Wind den Müll hinträgt und in welchen Zäunen er sich verfängt. 

Jacqueline, 34

Was ich erwartete: Dass ich Straßen, Parks und Spielplätze sauber mache und viel draußen bin. Als Frau in einem traditionellen Männerberuf zu arbeiten, war für mich kein Problem. 

Ich war früher Briefträgerin und dort als Frau ebenfalls in der Minderheit.
Jacqueline

Wie es wirklich ist: Ich habe nicht damit gerechnet, wie dreist manche Menschen sind. Es gibt Leute, die sammeln ihren Rest- und Verpackungsmüll ganz normal zu Hause, tüten ihn ein und stellen ihn uns dann neben die öffentliche Mülltonne auf die Straße. 

Als ich diese Tüten das erste Mal sah, verstand ich gar nicht, was das für einen Sinn macht. Sie haben ja schließlich eine eigene Tonne im Hof. Dann wurde mir klar: Auf diese Weise sparen sie sich das Geld für die Abholung und werden ihren Abfall trotzdem los.

Ähnlich verhält es sich mit Sperrmüll. Um Geld zu sparen, bringen viele Leute den in den Wald oder laden ihn in der Stadt unter Brücken ab. Dort ist es dunkel und niemand sieht sie. Am nächsten Tag bekommen wir dann einen Anruf von Spaziergängern und müssen das Zeug wegschaffen. 

Pascal, 20

Pascal

(Bild: privat)

Was ich erwartete: Als ich bei der Erfurter Stadtreinigung anfing, war ich gerade mal 16. Das Einzige, was ich wusste, war, dass ich es bald mit sehr viel Müll zu tun bekommen werde. Das hat mich aber nicht gestört. 

Bei solchen Sachen bin ich nicht zimperlich.
Pascal

Wie es wirklich ist: Eingestiegen bin ich bei der Müllabfuhr. Heute kehre ich vor allem die Straßen und zupfe das Unkraut. Manchmal bin ich auch mit der Blasmaschine unterwegs. Am heftigsten ist die Arbeit nach Straßenfesten. Dann türmt sich der Müll. 

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Faszinierend finde ich Silvester. An Neujahr fangen wir um 4 Uhr an. Wir beginnen mit dem Aufräumen, während ein Großteil der Stadt noch am Feiern ist. Mich stört das nicht, schlimmer ist es schon eher, wenn Betrunkene mich anmachen. Die meisten wollen einfach nur pöbeln. Da hilft dann nur Deeskalation und die Tatsache, dass wir in solchen Fällen in der Überzahl sind.

Ich gehe mit meinen Kollegen nicht nur Mittagspause machen, sondern auch nach der Arbeit noch was trinken. Wir Straßenreiniger sind wie eine Familie.


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Was auch immer du gerade tust – halte inne! Es ist etwas Wichtiges passiert: Bibi, ja, die von Bibis Beauty Palace, ist Mutter geworden. Das Baby ist da!

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Bianca "Bibi" Heinicke, bürgerlich Bianca Claßen, und ihr Mann Julian "Julienco" Claßen sind Eltern geworden. Das haben sie auf Instagram bekanntgegeben: