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Bürokratie erklärt in weniger als fünf Minuten

Fast jede zweite Neueinstellung von unter 25-Jährigen im Jahr 2018 war befristet. Bei den 25- bis 39-Jährigen waren es immer noch 36 Prozent. Das ergab eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. 

Ein befristeter Vertrag muss an sich erst mal nicht schlecht sein – schließlich gilt die Befristung für beide Seiten: Auch als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin kannst du dir das Ende der Befristung zum Anlass nehmen, einige Punkte nachzuverhandeln oder den Job an sich noch einmal zu überdenken.

Wenn sich aber ein befristeter Vertrag an den nächsten reiht, dann ist man zurecht irgendwann frustriert. 

Sesshaft werden, eine Familie gründen, Kredite aufnehmen – schwierig, wenn man nie sicher weiß, ob man in einem oder zwei Jahren noch genug Geld dafür hat. 

Kleingedrucktes

Früher konnten wir es kaum abwarten, erwachsen zu werden! Endlich Auto fahren, Geld verdienen, bei den Eltern ausziehen. Jetzt sind wir groß und stellen fest: Es gibt Behörden, Regeln und Kleingedrucktes.

Wir unterstützen dich und erklären die bürokratischen Herausforderungen – und zwar in weniger als fünf Minuten Lesezeit!

Warum stellen Betriebe so oft befristet ein?

Arbeitgeber nutzen Befristungen oft als eine Art verlängerte Probezeit oder wenn sie sich noch nicht sicher sind, wie lange sie die Stelle überhaupt besetzen wollen oder können. Anders ist es, wenn ein Sachgrund vorliegt – dazu im nächsten Punkt mehr.

Der Vorteil ist, dass Befristungen den Arbeitgebern Einstellungen erleichtern. Zum Beispiel, wenn die wirtschaftliche Lage gerade schwierig vorhersehbar ist oder sie sich bei einem Bewerber nicht hundertprozentig sicher sind. Dadurch können selbst diejenigen einen Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen, die es sonst schwerer hätten (IAB).

Was ist ein Sachgrund? 

Ein Sachgrund kann sein, dass der Betrieb nur zeitlich begrenzt die zusätzliche Kraft braucht, zum Beispiel aus Saison-Gründen (Weihnachtsgeschäft), oder weil es sich nur um eine Krankheits- oder Elternzeitvertretung handelt. (Finanztip)

Außerdem können Betriebe Berufseinsteiger, die direkt aus dem Studium oder der Ausbildung kommen auch befristet einstellen. (TzBfG §14)

Welchen Regeln befristete Arbeitsverträge folgen müssen, ist im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) vorgegeben. Im TzBfG §14 werden mögliche Sachgründe aufgelistet.

Wie viele Befristungen sind erlaubt?

  • Wenn ein oder mehrere Sachgründe vorliegen, darf ein Arbeitgeber befristet einstellen – immer wieder. Auch nacheinander aus verschiedenen Sachgründen. 
  • Eine zeitliche Grenze gibt es an sich nicht, wenn der Arbeitgeber es aber übertreibt, kann das Gericht einen Missbrauch der Regelung vermuten: In einem Fall, in dem eine Frau in elf Jahren 13 Vertragsverlängerungen hatte, entschied das Gericht zugunsten der Frau (Bundesarbeitsgericht).
  • Wenn aber kein Sachgrund vorliegt, dann darf ein Unternehmen eine Arbeitnehmerin maximal zwei Jahre befristet einstellen – und innerhalb dieser zwei Jahre auch nur drei Mal den Vertrag verlängern. (TzBfG §14)

Beispiel: Arbeitgeber X ist sich bei Mitarbeiter Y noch unsicher. Darum stellt er ihn zunächst für ein halbes Jahr ein, dann verlängert er um ein weiteres halbes Jahr und zuletzt um ein ganzes Jahr. So hatte Mitarbeiter Y drei Verlängerungen, Arbeitgeber X hat die zwei Jahre Maximalbefristung aber erreicht. Entweder muss er jetzt den Vertrag auslaufen lassen oder Y unbefristet einstellen.

  • Außnahmen sind zum Beispiel Tarifverträge (maximal sechs Jahre mit neun Vertragsverlängerungen (Bundesarbeitsgericht), Wissenschaftszeitverträge an Forschungseinrichtungen (maximal zwölf Jahre für promovierte und sechs Jahre für nicht-promovierte Mitarbeiter, WissZeitVG §2), Ärzte in der Weiterbildung (Facharztausbildung zum Beispiel maximal acht Jahre, ÄArbVtrG §1) und Arbeit in einem Start-up (bis zu vier Jahre nach Gründung, TzBfG §14).

Darf mein Arbeitsvertrag in folgenden Situationen (weiterhin) befristet sein?

Wir gehen in den folgenden Fällen immer von einer sachgrundlosen Befristung aus, denn bei einer Befristung mit Sachgrund sind ja theoretisch keine (zeitlichen) Grenzen gesetzt.

1 Ich habe vorher schon mehr als zwei Jahre als Aushilfe, Praktikantin oder Werkstudent in dem Betrieb gearbeitet, und werde jetzt voll übernommen.

Ja, der neue Arbeitsvertrag darf befristet werden. "Praktika, Aushilstätigkeiten oder Jobs als Werkstudent unterliegen nicht der Zweijahresfrist", erklärt Livia Merla, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Berlin. Sie zählten nicht als Arbeitsverhältnis im klassischen Sinne und gelten daher ebenfalls nicht als Vorbeschäftigung im Sinne von §14 Abs.2 Satz 2 TzBfG.

2 Ich bleibe im selben Betrieb, wechsle aber die Abteilung.

Solange der Arbeitgeber der gleiche bleibt, würden auch die üblichen Grenzen einer sachgrundlosen Befristung gelten, so Merla. Also maximal zwei Jahre und innerhalb dieser zwei Jahre drei Verlängerungen. Auch wenn in dieser Zeit die Abteilung gewechselt werde.

3 Ich bleibe im selben Betrieb, auch in der Abteilung, wechsele aber die Position.

Hier gelten die gleichen Regeln wie bei Nummer 2: Solange die Firma die gleiche bleibt, gelte die Zweijahresgrenze.

4 Ich war schon mal mehr als zwei Jahre als Vollbeschäftigte in dem Betrieb, dann x Jahre woanders, und komme jetzt wieder.

  • Bei weniger als drei Jahren: Der neue Vertrag darf nicht befristet werden, wenn kein Sachgrund vorliegt. Eine sachgrundlose Befristung ist nur bei Neueinstellungen erlaubt (TzBfG §14, Absatz 2). Wenn man schon mal bei dem selben Arbeitgeber gearbeitet hat und nur weniger als drei Jahre "pausiert" hat, dann gilt das nicht als Neueinstellung.
  • Bei mehr als drei Jahren: Das sei komplizierter, weil der Gesetzgeber neuerdings keine klaren Grenzen vorgebe, erklärt Merla. Bei unter drei Jahren waren die Urteile eindeutig, bei mehr als drei Jahren wurde zuletzt unterschiedlich geurteilt: Bis zum Jahr 2011 entschied das Bundesarbeitsgericht, dass Beschäftigungen, die länger als drei Jahre zurückliegen, wieder sachgrundlos befristet werden durften. In einem Fall ist aber entschieden worden, dass die sachgrundlose Befristung eines Arbeitsvertrages nicht zulässig ist, wenn zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber bereits acht Jahre zuvor ein Arbeitsverhältnis bestanden hat, das eine vergleichbare Arbeitsaufgabe zum Gegenstand hatte (Bundesarbeitsgericht). In einem anderen Fall, wo das Arbeitsverhältnis bereits 22 Jahre zurück lag, könnte eine weitere sachgrundlose Befristung jedoch wiederum möglich sein (Bundesarbeitsgericht). "Da muss man im Einzelfall gucken", betont Merla.

 5 Die zwei Jahre sind fast rum, ich müsste eigentlich entfristet werden, aber: Jetzt ist Rezession. Wirtschaftlich unsichere Zeiten brechen an und im Betrieb ändert sich einiges. 

Wenn man zwei Jahre lang sachgrundlos befristet beschäftigt war, dann kann man danach nur noch mit einem Sachgrund befristet werden. "Und wirtschaftlich unsichere Zeiten sind kein Sachgrund", betont Merla. (TzBfG §14)



Gerechtigkeit

300.000 Euro Spenden versenkt? Was aus Klaas’ großer Rettungsaktion wurde
Und wie der Verein hinter dem Spendenaufruf jetzt weitermachen will.

Am Anfang klang es wie ein bescheidener Wunsch. "Ich würde mich freuen, wenn wir etwas Geld zusammenbekommen, um ein weiteres oder mehrere Schiffe zu chartern", sagte Klaas Heufer-Umlauf im Juli 2018 in die Kamera

Im Mittelmeer ertrinken täglich Menschen, die auf unsicheren Booten nach Europa flüchten. Europäische Behörden machen den privaten Seenotrettern die Arbeit schwer. 

Also nutzte der Pro-Sieben-Moderator seine Prominenz für einen Spendenaufruf. Jan Böhmermann unterstützte die Aktion, bento berichtete. Er werde "persönlich dafür Sorge tragen, dass das Geld da ankommt, wo es hinmuss", heißt es am Ende des Videos.