Bild: Darya Ogurtsova | Unsplash
Die zweite Folge unserer Serie "Mein erstes Jahr im Job"

Alina*, 27, arbeitet als Beauty-Assistentin in einem Verlag und kümmert sich dort um mehrere Frauenmagazine. Trotz Masterabschlusses verdient sie nur 2000 Euro brutto. Und steht deshalb am Wochenende zusätzlich in einer Bar hinter dem Tresen.

Mein erstes Jahr im Job

Der Einstieg ins Berufsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. Man weiß noch nicht, wie eine Gehaltsverhandlung abläuft, ist überfordert von den vielen Aufgaben und neuen Menschen – oder im Gegenteil: langweilt sich schon nach den ersten Wochen. In der Serie "Mein erstes Jahr im Job" sprechen wir mit Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern über ihren Start ins Arbeitsleben. Du hast auch etwas zu erzählen? Dann schreib uns an uniundarbeit@bento.de.

"Ich bin wohl das, was man eine Multi-Jobberin nennt. Montags bis freitags arbeite ich Vollzeit als Beauty-Assistentin in einem Zeitschriftenverlag. Weil ich dort nicht genug verdiene, stehe ich mindestens jeden zweiten Freitag in einer Bar hinter dem Tresen und mixe Drinks. Früher dachte ich, sobald ich mit dem Studium fertig bin, sind die finanziellen Probleme vorbei. Ich glaubte, ich würde genug verdienen und wäre abgesichert. Heute weiß ich, dass es auch ganz anders laufen kann.

Ich habe Politikwissenschaft im Bachelor studiert und danach einen Master in Journalismus gemacht. Am Anfang des Studiums absolvierte ich ein Praktikum bei einer Lokalzeitung, später schrieb ich frei für verschiedene Stadtmagazine. Im Master jobbte ich als studentische Aushilfe bei einem Frauenmagazin und merkte, dass mir die Arbeit dort total Spaß macht. Deshalb habe ich mich nach dem Studium auf die Assistenzstelle beworben.

„Obwohl ich nur Assistentin bin, haben mir die anderen im Team deutlich gezeigt, dass meine Arbeit wichtig ist.“
Alina

Jetzt bin ich für die Beautyseiten mehrerer Frauenmagazine zuständig, wähle also die Produkte aus, schreibe den Vorspann und die Bildunterschriften, manchmal auch den Titel oder kurze Texte. Außerdem bestelle ich die Outfits für Beautyshootings und entwickle das kreative Konzept mit, überlege also, welche Themen und Produkte wir zeigen. Bei den Terminen kümmere ich mich dann um die Models, mache das Styling oder organisiere etwas zu essen. Obwohl ich nur Assistentin bin, haben mir die anderen im Team deutlich gezeigt, dass meine Arbeit wichtig ist: Mir wurde direkt viel Verantwortung übertragen, bei den Shootings war ich zum Beispiel schon nach einem Monat allein für das Styling verantwortlich.

Ich mag meine Arbeit, weil ich kreativ sein kann und mich mit schönen Dingen beschäftigen darf. Nur mein Gehalt habe ich mir mit Ende 20 und zwei Studienabschlüssen anders vorgestellt.

Als Beauty-Assistentin verdiene ich 2000 Euro brutto pro Monat. Damit würde ich zwar knapp über die Runden kommen, müsste aber auf viel verzichten. Allein meine Fixkosten verschlingen monatlich knapp 700 Euro – die Mieten in der Großstadt sind teuer, dazu kommen Versicherungen, Handyrechnung und Fitnessstudio. Mir bleiben zum Leben also ein paar Hundert Euro. Davon zahle ich Lebensmitteleinkäufe, Restaurantbesuche oder auch mal eine Partynacht. Für ein Paar neue Schuhe oder einen Urlaub mit Freunden würde nichts übrigbleiben.

50 Stunden pro Woche

Deshalb habe ich meinen Nebenjob in der Bar nach dem Studium einfach behalten. Damit verdiene ich mir etwa 200 Euro pro Schicht dazu, Trinkgeld eingerechnet. Normalerweise stehe ich von Freitagabend 20 Uhr bis Samstagmorgen 4 Uhr hinter dem Tresen, das ist meine feste Schicht. Seit ich einen Vollzeitjob habe, versuche ich, sie etwa alle zwei Wochen abzugeben – jede Woche acht Stunden zusätzlich, das wäre zu viel. Wenn ich am Freitag Dienst habe, verlasse ich das Büro schon um 16 Uhr, damit ich mich für zwei Stunden hinlegen kann, bevor ich die ganze Nacht in der Bar schufte. Pro Woche komme ich dann auf insgesamt knapp 50 Arbeitsstunden.

„Länger als eineinhalb Jahre möchte ich nicht mehr kellnern müssen, auf Dauer ist das zu hart.“
Alina

Ich arbeite aber nicht nur wegen des Geldes in der Bar: Ich mag es, hinter dem Tresen zu stehen, den Trubel, die vielen Menschen und Gespräche. Meine Barkollegen kenne ich schon seit Jahren, das sind meine Freunde. Manchmal kommen auch andere Freunde vorbei und wir stoßen an, nach Feierabend ziehen wir zusammen weiter. Man könnte sagen, die Arbeit und mein Privatleben mischen sich in der Bar. Hinzu kommt, dass ich das viele Laufen genieße – es ist ein guter Ausgleich zum ständigen Sitzen im Büro. Länger als eineinhalb Jahre möchte ich trotzdem nicht mehr kellnern müssen, auf Dauer ist das zu hart.

Im Vorstellungsgespräch für die Assistenz kam der Barjob gut an. Meine Chefin sagte, in der Gastronomie lerne man wertvolle Kompetenzen: den Umgang mit Stress zum Beispiel, belastbar zu sein, Abläufe zu organisieren oder Prioritäten zu setzen. Und es stimmt: Gerade am Anfang haben mir meine Erfahrungen aus der Bar geholfen.

Ich weiß noch, dass die ersten Wochen im Job sehr aufregend waren. Viele im Verlag sind älter als ich, sie wirkten so erfahren und professionell. Ich wollte keine blöden Fragen stellen oder mich blamieren. In großen Konferenzen wurde ich schnell rot, wenn ich etwas vorschlug, weil ich so nervös war. Das ärgerte mich erst recht, ich wollte schließlich selbstsicher und kompetent wirken.

Ein Versprecher im Meeting ist schnell vergessen

Anfangs hatte ich auch Schwierigkeiten im Umgang mit Führungspersonen wie meiner Chefin. Ich machte mir viele Gedanken darüber, wie ich einen persönlichen Zugang zu ihr finden könnte. Worüber sollten wir in der Kaffeeküche sprechen? Was ist zu privat? In der Bar fiel mir das mit den Gästen nie schwer. Aber weil ich viel Respekt vor meiner Chefin hatte, hatte ich manchmal sogar Blackouts und wusste gar nicht mehr, was ich sagen sollte. Nach ein paar gemeinsamen Mittagessen mit ihr legte sich das aber. Heute albern wir in der Kantine herum. 

Ich nehme mir immer wieder vor, im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen oder in Konferenzen mutiger zu sein. Oft habe ich Angst, dass nur der erste Eindruck von mir hängen bleibt, obwohl ich in Wahrheit ganz anders bin: Ich bin offen, extrovertiert und sage, wenn mich etwas stört. Im Job – und besonders als Berufseinsteigerin – kann ich das auch nach einigen Monaten nicht immer zeigen. Inzwischen ist mir aber klar geworden, dass es nichts bringt, ewig über einen verhaspelten Satz im Meeting nachzudenken. Die anderen haben es nach drei Minuten sowieso vergessen."

*Damit unsere Protagonistinnen und Protagonisten offen von ihrem ersten Berufsjahr erzählen können, ohne Nachteile fürchten zu müssen, bleiben sie hier anonym. Ihre Namen sind der Redaktion bekannt.


Fühlen

Dating unter Kontaktverbot: "Willst du mit mir spazieren gehen?"
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Lola* und Paul* aus Berlin haben sich im Februar auf der Dating-Plattform OkCupid kennengelernt. Weil beide im Ausland im Urlaub waren, haben sie einen Monat nur miteinander geschrieben. Dann mussten beide wegen der Corona-Pandemie überstürzt zurück nach Berlin. "Hätten wir uns während der Krise kennengelernt, hätten wir uns vermutlich nie an ein Treffen gewagt", erzählt die 29-jährige Lola. Doch so hätten sie bereits viel über ihre Einstellungen gesprochen und gewusst, dass beide die Lage ernstnehmen. Nach langem Zögern beschlossen sie, sich zu treffen – Corona-konform zum Spazierengehen und Bärlauchpflücken im Grunewald, und ohne sich dabei auch nur ein einziges Mal zu berühren.

In fast allen Bundesländern (ausgenommen Sachsen und das Saarland) erlauben es die Kontaktbeschränkungen noch, sich so mit einer weiteren Person, die nicht dem eigenen Hausstand angehört, im Freien zu treffen – mit mindestens eineinhalb, besser mit zwei Metern Sicherheitsabstand. Die Kontakte mit Personen außerhalb der eigenen Familie sollten allerdings auf "ein absolut nötiges Minimum" reduziert werden. Wer in der Coronakrise nicht auf persönliche Dates verzichten will, dem bleibt also nur: Spazierengehen, Spazierengehen, Spazierengehen.