Bild: Ralph Peters/ Imago
Wir haben eine Studentin gefragt, warum sie sich für den neuen Master eingeschrieben hat.

Wer an Bayern denkt, hat vielleicht erst einmal Maßkrüge, Trachten und Horst Seehofer vor Augen. Seit dem Start des Münchner Oktoberfests am vergangenen Wochenende kommen noch Riesenräder und Bierzelte hinzu. Und Menschen, die ihren Rausch auf der Theresienwiese ausschlafen. Dieses Bundesland samt seiner altmodischen Traditionen hat nun seinen eigenen Studiengang bekommen. 

17 Studierende haben am Dienstag an der Westböhmischen Universität Pilsen mit dem Master "Bayern-Studien" begonnen.

Der Inhalt der Vorlesungen: bayerische Kulturwissenschaft, Geschichte, Politologie, Archäologie, Wirtschafts- und Rechtswissenschaft. Auch der bayerische Dialekt soll ein Inhalt des Studiums sein.

Die Idee erscheint trotzdem erst mal absurd – warum konzentriert man sich als junge Europäerin in einem Studiengang auf Bayern?

Wir haben mit einer Studentin über den Inhalt des Studiums, die bayerische Kultur und die politische Einstellung junger Tschechinnen und Tschechen gesprochen.

Michaela studiert "Bayern-Studien" in Tschechien

Michaela, 28, startet in diesem Wintersemester mit dem Master "Bayern-Studien" in Pilsen. Sie erhofft sich von dem neuen Studium, dass ihr die Inhalte bei ihrer täglichen Arbeit bei einer deutsch-tschechischen Jugendorganisation helfen.

Das offizielle Ziel der Uni ist es, die Studierenden mit den "Bayern-Studien" fachlich, sprachlich und interkulturell auf eine berufliche Tätigkeit im Bereich Wirtschaft, Tourismus und Kultur vorzubereiten. Dabei ist im Studienverlauf ein Praxissemester an einer bayerischen Hochschule oder ein Praktikum bei einer bayerischen Firma verpflichtend. Die Konzeption des Angebots dauerte in Kooperation mit der Uni Regensburg fünf Jahre. Das Projekt wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

bento: Trinkst du gerne Bier?

Michaela: Klar, Pilsen ist eine Bierstadt.

bento: Okay, dann Hand aufs Herz: Wo gibt es das bessere Bier? In Bayern oder in Böhmen?

Michaela: Natürlich in Böhmen.

bento: Warst du schon mal auf dem Oktoberfest?

Michaela: Ja, in der Grundschule. Ich erinnere mich nicht an viel. Immerhin ist mir das Symbol des bayerischen Löwen auf den Flaggen im Gedächtnis geblieben.

bento: Warst du später noch mal in Bayern?

Michaela: Ich bin regelmäßig dort. Ich arbeite bei einer Organisation, die sich für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch einsetzt. Unser Partnerbüro ist in Regensburg, von wo aus ich auch häufiger arbeite. Deshalb hat mich auch der Studiengang angesprochen.

bento: Wäre es für einen Master denn nicht sinnvoller, wenn er sich mit dem gesamten Land Deutschland beschäftigen würde? Wieso macht dieser regionale Bezug für dich Sinn?

Michaela: Bayern ist nun mal unser Nachbarbundesland und ein wichtiger Handelspartner. "Deutschland" würde ich aber auch studieren. Wenn ich zum Beispiel etwas über die bayerische Geschichte lerne, geht es ja immer auch um Deutschland an sich.

Wirtschaftsbeziehungen zwischen Tschechien und Bayern

Pilsen liegt weniger als eine Stunde von der tschechisch-bayerischen Grenze entfernt. Für Tschechien ist Bayern der wichtigste wirtschaftliche Partner unter allen deutschen Bundesländern. Umgekehrt ist auch Tschechien für Bayern der Handelspartner Nummer zwei in Mittel- und Osteuropa. (Delegation der Bayerischen Wirtschaft in der Tschechischen Republik)

bento: Bayern sind oft als besonders stolz und traditionsbewusst verrufen. Wie siehst du das von außen?

Michaela: Dass die Menschen so stolz auf ihre Kultur sind, ist doch ein Vorteil. So können sie ihre Traditionen auch besser vermitteln und weitergeben. Für mich wecken die Begriffe "Tradition" und "Stolz" keine negativen Assoziationen. 

bento: Wie unterscheiden sich Bayern und Böhmen?

Michaela: Da gibt es fast keine, wir sind uns sehr ähnlich. Wir haben den gleichen Humor und erzählen die gleichen Witze. Das Essen ist auch sehr ähnlich, überall gibt es zum Beispiel Knödel. Wir trinken außerdem alle gerne Bier und sind sogar stolz darauf.

bento: Bayern ist das deutsche Bundesland mit dem höchsten Bierkonsum, die Tschechen gelten darin sogar als Weltmeister. Ist das nicht ein komisches Bild, das die Welt von Tschechinnen und Tschechen hat?

Michael: Ich glaube, die meisten Tschechen sind stolz darauf, zumindest in einer Sache weltweit an der Spitze zu stehen. Und das auch völlig zurecht. Es ist doch toll, dass die Pilsener Biere grenzübergreifend immer noch ein Vorbild für viele Brauereien sind.

Vor allen geht es dabei eher darum, dass die Tschechinnen und Tschechen nicht mehr als ängstlich und verschlossen dargestellt werden, wie das aufgrund ihrer Geschichte oft der Fall ist. Wir sind alle sehr offen und tolerant.

bento: Nach dem Zweiten Weltkrieg sind etwa eine Million Sudetendeutsche aus Böhmen nach Bayern gekommen und haben dort viel aufgebaut. Ist die damalige Abwanderung noch in den Köpfen der jungen Bevölkerung verankert?

Michaela: Es ist natürlich ein Thema in der Schule, aber nicht in privaten Gesprächen. Es ist Geschichte. Wenn junge Tschechen an Bayern und Deutschland denken, dann geht es meist eher um die Zukunft und die beruflichen Möglichkeiten, die sie dort haben.

bento: Was für Möglichkeiten sehen junge Leute denn in Deutschland?

Michaela: Sie sehen vor allem Gelegenheiten auf dem Arbeitsmarkt. Viele pendeln täglich für die Arbeit aus Tschechien nach Deutschland, manche bleiben sogar direkt von Montag bis Freitag.

bento: Der Drogenhandel an der bayerisch-tschechischen Grenze ist ein großes Problem. Es kommen viele chemische Drogen wie Crystal Meth nach Deutschland. 

Michaela: Auf politischer Ebene ist es durchaus ein Thema. Aber persönlich komme ich mit der ganzen Szene überhaupt nicht in Kontakt. 

bento: Wie wird an der Uni darüber gesprochen?

Michaela: Es liegen bei uns ein paar Informationsflyer mit Warnungen aus – mehr nicht. Es gibt bestimmt Leute, die etwas konsumieren, aber darüber nicht sprechen – wie so oft, wenn es um Drogen geht. 

bento: Kennst du eigentlich ein paar regionale Ausdrücke von deinen bisherigen Aufenthalten in Bayern? Ihr sollt nun im Studium ja auch den bayerischen Dialekt lernen.

Michaela: Puh, das ist wie eine eigene Fremdsprache für mich. Ich habe in der Schule Deutsch gelernt. Dort wird natürlich erst mal nur Hochdeutsch unterrichtet. Ein paar bayerische Arbeitskollegen wollten mir mal etwas beibringen. Aber es blieb bei dem Versuch.


Grün

Schlampe, dumm, Teil der Weltverschwörung: Wie eine FFF-Aktivistin mit dem Hass im Netz umgeht

"Here we go again...", begann Greta Thunberg am Mittwoch einen Twitter-Post. Sie reagierte darin auf den Hass, der ihr in den vergangenen Tagen entgegenschlug. Über die 16-Jährige kursieren die absurdesten Verschwörungstheorien, Fotomontagen, Morddrohungen. Nachdem sogar US-Präsident Donald Trump sie verspottete, schrieb Greta den Post.

In Deutschland sammelten sich die Gegnerinnen und Gegner von "Fridays for Future" in den vergangenen Tagen in einer Facebook-Gruppe namens "Fridays for Hubraum". In nur drei Tagen waren knapp 400.000 Mitglieder beigetreten. Schnell tauchten Posts mit rechter Hetze auf. Die Gruppe "DieInsider" dokumentierte die Hasskommentare in der Gruppe, darunter auch Morddrohungen.

Nach Bekanntwerden der ausfälligen Posts in "Fridays for Hubraum" archivierten die Administratoren die Seite. Seitdem können keine neuen Mitglieder hinzugefügt und auch keine Beiträge oder Kommentare mehr gepostet werden. 

Der Hass in der Facebook-Gruppe richtete sich vor allem gegen Greta Thunberg. Aber auch deutsche "Fridays for Future"-Aktivistinnen und -Aktivisten bekommen ihn zu spüren. Über Carla Reemtsma, 21, "Fridays for Future"-Organisatorin aus Münster,  kursieren sogar Verschwörungstheorien im Internet – weil sie den Namen eines bekannten Zigarettenherstellers trägt.

Wie geht die Aktivistin mit dem Hass und den Verschwörungstheorien um? Wir haben mit Carla darüber gesprochen.