Bild: dpa/Jens Wolf; Bearbeitung: bento

In Deutschland werden die Geldautomaten abgebaut. Bis 2015 gab es noch 61.100 Automaten in Deutschland – Ende 2017 waren es nur noch 58.400. Der schleichende Abbau klingt zunächst nach einem Sieg für Fans von bargeldlosem Bezahlen. (Chip)

Tatsächlich stecken verschiedene Ursachen hinter dem fortschreitenden Automaten-Aus:

1. Der Online-Handel

Immer mehr Menschen kaufen online ein – und nicht mehr in echten Geschäften. Entsprechend brauchen sie seltener Bargeld, die Automaten werden überflüssig.

2. Die Kosten

Einen Automaten zu betreiben, ist nicht billig. Bargeld muss sicher durchs Land transportiert werden, regelmäßig müssen die Automaten befüllt und gewartet werden. 

Jürgen Gros, Chef des Bayerischen Genossenschaftsverbands, sagt: "Wir haben die Daumenregel, dass das Betreiben eines Geldautomaten in etwa zwischen 20.000 und 25.000 Euro (im Jahr) kostet." Wenn die Nachfrage sinkt, wird das Betreiben eines Automaten zum Minusgeschäft.

3. Die Bankräuber

Auch wenn die Überfälle auf Bankautomaten zurückgehen, bleiben sie ein Problem: Oft werden Automaten aus der Verankerung gerissen, die Kosten für die Reparatur und die Versicherung sind entsprechend hoch. Auch das ist ein Grund, auf Bankautomaten zu verzichten.

4. Die Konkurrenz

Längst kann man Geld nicht mehr nur am Automaten sondern auch direkt an der Kasse von Geschäften abheben. Die Sparda-Bank bietet zum Beispiel einen Bargeld-Service an den Ladenkassen von Rewe, Penny, dm oder Real an. (Welt)

Zahlen wir also bald alle bargeldlos?

Noch nicht. Es gibt immer noch genügend Automaten in Deutschland. Aber: "Die deutsche Kreditwirtschaft geht davon aus, dass die Zahl der Geldautomaten in den kommenden Jahren weiterhin leicht rückläufig sein wird", sagt ein Sprecher.

Schon jetzt nimmt allerdings der Einkauf mit Kreditkarten und EC-Karte zu. Und auch immer mehr Handy-Dienste kommen hinzu, die bargeldloses Zahlen ermöglichen. 

(Mit Material von dpa)


Gerechtigkeit

Warum es kaum jemanden interessiert, wenn Boko Haram Jungs entführt

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ist berüchtigt für eine grausame Praxis: Regelmäßig entführen die Islamisten in Nigeria Minderjährige. Oft bleiben die Schülerinnen und Schüler dann über Jahre verschwunden.

In die Medien schaffen es meist nur Meldungen von jungen Mädchen, die von Boko Haram gekidnappt werden. 

  • Im April 2014 wurden etwa 270 Mädchen aus ihrer Schule im Ort Chibok entführt, die internationale Kampagne "Bring Back our Girls" macht jahrelang auf ihr Schicksal aufmerksam.
  • Zuletzt haben die Islamisten im Februar mehr als 100 Mädchen im Ort Dapchi Norden Nigerias entführt (SPIEGEL ONLINE). Die meisten dieser Kinder sind mittlerweile wieder frei.
  • Kaum Beachtung fand hingegen die Entführung von mehr als 300 Schülern, vor allem Jungen, in einer Schule bei Damasak im Jahr 2015. Die nigerianische Regierung versuchte, das Ereignis zu vertuschen. (Huffington Post)

Insgesamt wurden laut Unicef in den vergangenen fünf Jahren mehr als 1000 Kinder entführt. Die Zahlen dürften sich vor allem auf die bekannten Mädchen-Fälle beziehen – und tatsächlich aber noch weit höher sein. Human Rights Watch (HRW) geht von rund 10.000 entführten Jungen allein zwischen 2013 und 2016 aus. "Es gibt fast eine komplette Generation verschwundener Jungs", sagt die HRW-Mitarbeiterin Mausi Segun. (Wall Street Journal)