Und grillen?

Wenn die Wohnung mitten in der Stadt liegt, eine Wiese nicht in Sicht ist – dann wird der Balkon zum privaten Mallorca. Grillen, mit Freunden Bier und Cocktails trinken, Musik hören, oder auch: nackt die Sonne genießen. 

Aber ist es eigentlich erlaubt, all das auf dem Balkon zu tun? Wie viel Rücksicht auf die Nachbarn muss man nehmen? Und was kann der Vermieter verbieten? Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund erklärt, was auf dem Balkon okay ist und was nicht.    

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also googlen wir unsere Probleme. Die Antworten der Suchmaschine sind nur leider manchmal unbefriedigend. Deshalb klären wir mit Hilfe von echten Experten Fragen, die Google uns vorschlägt, wenn wir bestimmte Begriffe eingeben. Zum Beispiel Plastikflaschen – oder Kopfhörer.

Ich zahle doch Miete – warum darf ich nicht einfach selbst entscheiden, was ich auf meinem Balkon mache?

Weil die persönliche Freiheit dort ihre Grenzen hat, wo die der anderen beeinträchtigt wird - das gilt auch auf dem Balkon. „Im Grunde darf zwar jeder auf dem Balkon machen, was er möchte", sagt Ropertz. „Er ist mitgemietet und genau wie im Wohnzimmer kann ein Mieter entscheiden, was er dort macht." Aber: „Geräusche und Gerüche bekommen andere Bewohner natürlich viel eher auf dem Balkon mit, als wenn die Party im Wohnzimmer mit geschlossenen Fenstern stattfindet." 

Eine weitere Einschränkung: Der Vermieter kann im Mietvertrag und in der Hausordnung klare Regeln vorgeben – an die muss sich jeder Mieter halten. Und wenn ein Streit um Lärm oder Gestank auf dem Balkon eskaliert, entscheidet am Ende schlimmstenfalls der Bundesgerichtshof. (Spiegel Online)

Simple Dinge wie Wäsche aufhängen sind immer erlaubt. Oder? 

In der Sonne auf dem Balkon trocknet die Wäsche häufig viel schneller als im Keller. Darf der Vermieter dabei reinreden? "In manchen Häusern gibt es den Ansatz: Je nachdem, wohin der Balkon ausgerichtet ist, darf Wäsche nur bis zur Höhe der Brüstung aufgehängt werden – damit die Optik nicht verschandelt wird." 

Das ist aber meistens nur in edlen Wohnvierteln mit schicken Fassaden der Fall. Genauso ist es mit dem knallpinken Sonnenschirm oder den extrem ausladenden Blumenkästen: Erst einmal alles okay – solange der Vermieter keinen Wert auf einen einheitlichen Look legt. Das wird meist im Mietvertrag festhalten.

Darf ich auf meinem Balkon nackt sein? 

Der Mythos, dass es verboten sein soll, nackt auf dem eigenen Balkon zu stehen, hält sich hartnäckig. Stimmt er? "Theoretisch darf ich mich auf meinem Balkon auch nackt bewegen", sagt Ropertz. "Das Problem ist: Balkon ist nicht gleich Balkon", sagt Ropertz. Wenn er von der Straße aus komplett einsehbar ist, und der nackte Mieter möglicherweise ein Verkehrschaos verursacht, dann kann das als "Belästigung der Allgemeinheit" oder "Erregung öffentlichen Ärgernisses" gelten.

Die Belästigung ist nur eine Ordnungswidrigkeit – so wie ein Knöllchen. Die Erregung kann nach §183a StGB mit einer Geldbuße oder sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

Sind es "nur" die Nachbarn aus einem höheren Stockwerk, die einen möglicherweise im FKK-Modus beobachten, muss man selbst entscheiden, ob es stört – verboten ist es nicht. "Wenn ich damit die Gefühle eines Nachbarn verletzte, dann hat er Pech gehabt", sagt Ropertz.

Wie ist es mit Sex?

"Grundsätzlich gibt es keine Vorschriften, nach denen ich mich als Mieter beim Geschlechtsverkehr aufs Schlafzimmer beschränken muss", sagt Ropertz. "Ob ich das dafür nun das Wohnzimmer oder den mitgemieteten Balkon nutze, bleibt mir überlassen." Zumindest in der Theorie. 

Denn auch hier gilt wieder: Ist der Balkon von außen frei einsehbar? Ist es fast so, als würde man es auf dem Bürgersteig tun? Dann sollte man es besser lassen. "Wenn der Balkon komplett einsehbar ist, ist es Exhibitionismus, wenn sich zur Rush Hour dort ein Pärchen vergnügt." 

Es gibt keine Vorschriften, nach denen ich mich als Mieter beim Geschlechtsverkehr aufs Schlafzimmer beschränken muss.
Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund

Rauchen darf man aber so viel man will auf dem Balkon, oder?

"Es gibt eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs: Wenn sich Nachbarn durch permanenten Zigarettenrauch gestört fühlen, dann können sie zeitlich befristete Rauchverbote beim Vermieter einfordern", erklärt Ropertz. Dann gibt es "Raucherzeiten" und "Nichtraucherzeiten." 

Wenn aber der Qualm nicht Richtung der Nachbar-Wohnung wandert, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Sache eskaliert. 

Darf ich auf meinem Balkon eine Party schmeißen?

Der Balkon (oder – was ein Traum! – die Dachterrasse) ist groß genug für 20 Leute? Bei einer Party können sich die Nachbarn wegen Lärmbelästigung beschweren, das Risiko ist deutlich größer, wenn alles draußen stattfindet, und nicht in der Küche oder im Wohnzimmer. Denn eigentlich müssen die Ruhezeiten eingehalten werden. Die variieren von Bundesland zu Bundesland zwar, bewegen sich aber meist zwischen 22 und 6 Uhr. In dieser Zeit gilt: Zimmerlautstärke. 

Aber einen Versuch ist es wert, vielleicht sind die Nachbarn ja kulant. Ein Gesetz, das die Balkonparty verbietet, gibt es zumindest nicht – und in den meisten Fällen auch keine entsprechende Klausel im Mietvertrag.

Und was ist mit Grillen?

Ein Blick in den Mietvertrag hilft: Steht hier nichts, darf gegrillt werden. "Problematisch wird es, wenn Qualm produziert wird, der in Nachbarwohnungen zieht. Dann ist die Grenze des Erlaubten überschritten." 

Mit einem Kohlegrill ist das eigentlich nie zu vermeiden – deshalb sieht’s mit dieser Variante auf dem Balkon eher schlecht aus. "Ein Elektrogrill verringert das Risiko, aber auch hier kann Qualm entstehen, der Nachbarn in ihren Wohnungen stört", sagt Ropertz. 

Wenn Grillen im Mietvertrag verboten wird, sind alle Arten gemeint. Ansonsten: Am besten vorher checken, dass der (Elektro-)Grill nicht unter dem Fenster der strengen Nachbarn von obendrüber steht – und erst dann Würstchen, Kotelett und Grillkäse auspacken. 

Korrektur: Beim Thema Nacktheit hatten wir zunächst von Exhibitionismus geschrieben. Richtig sind jedoch die nun verlinkten Straftatbestände.


Tech

Google löscht heimlich sein internes "Sei nicht böse"-Motto
Das Imperium schlägt zurück?

Vielleicht ist das der Moment, an dem eines Tages der Terminator aus der Zukunft anreist, um Schlimmeres zu verhindern. Google hat sein internes Mitarbeiterhandbuch umgeschrieben – und einen entscheidenden Satz gestrichen.

Bislang galt bei dem Tech-Konzern das simple Motto: "Don't be evil", sei nicht böse.

Nun gilt dieser Satz nicht mehr. Im "Code of Conduct" stand der Satz zuletzt Ende April, danach wurde er irgendwann entfernt. Das hat die US-Seite  Gizmodo nun herausgefunden.