Bild: Andrea Warnecke/dpa
Bürokratie erklärt in unter 5 Minuten

Wer Bafög bekommt, kann erst mal froh sein: Für eine finanzielle Grundlage ist gesorgt. Doch im Hinterkopf schwirrt immer der Gedanke: Irgendwann muss das Geld auch zurückgezahlt werden.

Was es dabei zu beachten gibt, vor allem nach der Reform des Bafögs im August, haben wir uns genauer angeschaut – und beim Bundesverwaltungsamt nachgefragt.

Kleingedrucktes

Früher konnten wir es kaum abwarten, erwachsen zu werden! Endlich Auto fahren, Geld verdienen, bei den Eltern ausziehen. Jetzt sind wir groß und stellen fest: Es gibt Behörden, Regeln und Kleingedrucktes.

Wir unterstützen dich und erklären die bürokratischen Herausforderungen – und zwar in weniger als fünf Minuten Lesezeit!

Wann beginnt die Bafög-Rückzahlung?

Auf deinen Bafög-Bescheiden findest du immer den Hinweis, wie lange du maximal die Ausbildungsförderung erhältst. Etwa viereinhalb Jahre nach dem Ende bekommst du dann einen sogenannten Feststellungs- und Rückzahlungsbescheid zugeschickt. Darauf steht genau, wann und wie viel Geld du zurückzahlen musst. In der Regel hast du nach dem Erhalt etwa ein halbes Jahr Zeit, um mit der Zahlung zu beginnen. Deine Rückzahlung beginnt also fünf Jahre nach dem Ende deiner Förderungshöchstdauer. (Bafög.de)

Ein wichtiger Hinweis: Achte darauf, dass das Bundesverwaltungsamt (BVA) in Köln immer deine aktuelle Anschrift kennt – wenn es die oder deinen neuen Namen erst noch ermitteln muss, fällt eine Kostenpauschale von 25 Euro an (Bafög.de). Ja, das ist nicht die Welt, aber einfach unnötig und sehr leicht zu vermeiden: Auf dieser Seite des BVA kannst du deine neue Adresse oder eine Namensänderung melden. 

Wie hoch fällt die Rückzahlung aus?

Das Studierenden-Bafög wird zur Hälfte als Darlehen und zur Hälfte als Zuschuss gewährt. Das heißt: Du musst nur die Hälfte des erhaltenen Bafögs zurückzahlen.

Wenn du dein komplettes Studium hindurch den Höchstsatz bekommen hast, wäre das aber immer noch ein großer Schuldenberg. Darum ist das wiederum für alle Studiengänge gedeckelt auf 10.000 Euro (wenn du dein Studium nach dem 28. Feburar 2001 begonnen hast, wovon wir hier ausgehen) (BVA). Also, egal wie viel Ausbildungsförderung du während deines Studiums bekommen hast, musst du am Ende maximal 10.000 Euro zurückzahlen. Nach der Reform sind es 10.010 Euro, aber dazu kommen wir weiter unten.

Du kannst das Bafög auf verschiedene Arten zurückzahlen:

1 In Raten

Auf deinem Bescheid steht ein genauer Tilgungsplan (BVA). "Das Bafög gibt aktuell eine zu leistende Mindestrate von monatlich 105 Euro vor. Die Zahlung muss jedoch erst zu Ende eines Drei-Monats-Zeitraumes erfolgen, also entsprechend 315 Euro", erklärt Birgitt Paschke vom Bundesverwaltungsamt in Köln. 

Ab April 2020 wird die Mindestrate auf 130 Euro angehoben, also 390 Euro alle drei Monate (Bafög.de). Du bekommst rechtzeitig einen neuen Tilgungsplan zugestellt.

Du kannst die Raten auch freiwillig erhöhen, wenn du schneller mit der Bafög-Rückzahlung fertig sein willst. Am Betrag, den du zurückzahlen musst, ändert sich dadurch aber nichts.

2 Alles auf einmal

Du kannst dein Bafögdarlehen nach Erhalt des Bescheids auf einen Schlag zurückzahlen. Vorher nicht. Für viele ist es günstiger – für einige ganz besonders.

Wer sein Bafög auf einmal zurückzahlt, bekommt einen Nachlass (hier beim BVA tabellarisch aufgeführt). "Dieser errechnet sich an den Darlehensgesamtschulden, ohne die 10.000-Euro-Deckelung", erklärt Paschke. "Wenn es zum Beispiel um ein 13.000 Euro Darlehen geht, ergibt sich mit dem Nachlass ein zu zahlender Betrag von 8.645 Euro." Hier würde es sich also lohnen, das Darlehen auf einen Schlag zurückzuzahlen. 

Wenn du aber zum Beispiel 22.000 Euro Bafög-Schulden hast, bekommst du zwar bei einer Einmalzahlung einen Nachlass von 47 Prozent, damit bleiben aber immer noch Schulden in Höhe von 11.660 Euro. Mit der Deckelung von 10.000 Euro wäre also der Vorteil gegenüber der Ratenzahlung weg. Doch auch in diesem Fall musst du nur die Maximalsumme zurückzahlen.

Ab April 2020 wird es geänderte Nachlasssätze geben, die wirst du dann ebenfalls hier finden.

3 Erst in Raten, dann den Rest auf einen Schlag

Wenn sich deine finanzielle Situation verbessert, kannst du deine Restschulden auch vorzeitig zurückzahlen. 

Also du zahlst zum Beispiel das erste Jahr normal deine Raten. Dann bekommst du einen richtig gut bezahlten Job, verdienst plötzlich sehr viel mehr Geld. Paschke: "Dann kann es sich rechnerisch lohnen, innerhalb des Rückzahlungszeitraumes die restlichen Schulden auf einmal zurückzuzahlen." Denn der Nachlass aus Punkt 2 wird dann auf deine Restschulden angerechnet. 

"Dazu kann man beim BVA einen Antrag auf 'Vorzeitige Rückzahlung' stellen. Die Antwort enthält dann den konkreten Zahlbetrag – nach Abzug des Nachlasses – und den spätesten Einzahlungstermin", erklärt Paschke. Oder man beantrage die Rückzahlung online bei BAföG-Online. Nach einer Authentifizierung über den Personalausweis bekommt man sofort ein Angebot.

Was, wenn ich nicht so gut verdiene, wenn die Bafög-Rückzahlung fällig wird?

Dann kannst du einen Antrag auf eine einjährige Freistellung von der Rückzahlung stellen. "Ab dem 1. September 2019 gilt ein Einkommensfreibetrag von 1225 Euro", erklärt Paschke. Wenn du also weniger als 1225 Euro anrechenbares Einkommen (von deinem Nettoeinkommen werden noch Pauschalbeträge abgezogen) im Monat verdienst, kannst du also ein Jahr schieben. (BVA)

Der Freibetrag verändert sich, wenn du Kinder hast, alleinerziehend bist, oder wenn du verheiratet bist und deine Ehefrau oder dein Ehemann noch studieren. Hier (BVA) findest du einige Rechenbeispiele für Freibeträge in verschiedenen Lebenssituationen.

Was, wenn ich in der Zeit, während ich das Bafög in Raten zurückzahle, arbeitslos werde?

Wenn sich deine finanzielle Situation verschlechtert, dann kannst du jederzeit einen Antrag auf Freistellung von der Rückzahlung stellen. Voraussetzungen sind die gleichen: Du musst weniger als 1225 Euro anrechenbares Einkommen im Monat haben.

Was, wenn ich zwar ganz in Ordnung verdiene, aber noch weitere Kredite neben dem Bafög zurückzahlen muss?

Wer sein Studium während der Regelstudienzeit nicht schafft oder wenn das Bafög alleine nicht ausreicht, nehmen viele Studierende Bildungskredite auf. Die müssen voll zurückgezahlt werden. 

Für die Bafög-Rückzahlung ist es wichtig, was für einen Kredit du aufgenommen hast: "Wenn zusätzlich ein sogenanntes Bankdarlehen der KfW-Bank bezogen wurde, kann das zuerst abgetragen werden. Die Rückzahlung des Bafögs wird dann erst einmal ausgesetzt", erklärt Paschke. Aber: "Das gilt nur, wenn es um ein Bankdarlehen der KfW-Bank nach § 18c BaföG geht. Andere Kredite der KfW-Bank oder anderer Banken können nicht berücksichtigt werden."   

Ich zahle aktuell mein Bafög zurück: Ändert sich jetzt mit der Reform etwas für mich?

Ja, du hast jetzt zwischen dem 1. September 2019 und dem 29. Februar 2020 die Wahl, ob du weiter nach dem alten System zurückzahlen möchtest, oder ob du zum neuen System wechselst. (Bafög.de)

Wenn du im alten System bleibst, ändert sich erst einmal nichts. Da sich aber ja im April 2020 die Tilgungsraten auf 390 Euro erhöhen, wirst du dann einen neuen Tilgungsplan bekommen.

Wählst du das "neue Recht", wird es komplizierter: Bis zum 31. August 2019 hattest du inklusive aller Freistellungen insgesamt 30 Jahre Zeit, dein Bafög zurückzuzahlen. Ab dem 1. September 2019 sind es nur noch 20 Jahre – inklusive aller Freistellungen. (Bafög.de)

Frau Paschke erklärt ein Beispiel: "Nehmen wir an, jemand lässt sich seit 18 Jahren zurecht von der Bafög-Rückzahlung freistellen: Nach altem Recht wären noch 12 Jahre Rückzahlungszeit vorhanden. Bei neuem Recht verblieben nur noch zwei Jahre bis zum Ablauf der 20 Jahre. Wenn dann zum Beispiel noch 10.0000 Euro zurückzuzahlen wären, würde die monatliche Rate auf 416 EUR erhöht werden, sodass die restlichen 10.000 Euro in 24 Monaten voll zurückgezahlt werden. Vorausgesetzt, derjenige verdient genug." 

Wenn du aber noch immer zu wenig Geld verdienst, also dich weiterhin freistellen lässt, hat das neue Recht den Vorteil, dass dir nach 20 Jahren deine Restschulden erlassen werden können. Dazu gibt es aber bestimmte Voraussetzungen.

Für Neu-Bafög-Empfänger gelten mit der Reform andere Rückzahlungsregelungen:

Wer nach dem 1. September 2019 erstmals Bafög bezieht, zahlt generell nach dem "neuen Recht" zurück: Das Darlehen muss fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer in 77 Monatsraten in Höhe von 130 Euro (also 390 Euro alle drei Monate, das wären 10.010 Euro) zurückgezahlt werden. (Bafög.de)

Wer später nicht so gut verdient und sich immer wieder freistellen lässt, dem werden nach 20 Jahren die Restschulden erlassen. Voraussetzung ist dabei, dass man in den 20 Jahren wirklich bemüht war, sein Darlehen zurückzuzahlen und mit dem BVA kooperiert hat: also zum Beispiel alle Freistellungsanträge rechtzeitig gestellt wurden, alle Unterlagen fristgerecht eingereicht und die zahlbaren Raten pünktlich gezahlt wurden (Bafög.de). Außerdem muss die Berechtigung auf eine Freistellung zukünftig genauer nachgewiesen werden, schlimmstenfalls bis zur Eidesstattlichen Versicherung (BVA).


Gerechtigkeit

"Alltag, dass man bepöbelt wird": Lucie ist 22 und Sachsens jüngste Abgeordnete

Sachsen und Brandenburg haben gewählt – und in beiden Ländern haben fast alle Parteien Verluste hinnehmen müssen. Hinzugewonnen hat vor allem die AfD, aber auch die Grünen erreichten in beiden Ländern ihr bislang bestes Ergebnis. Die Rechtspopulisten kommen auf 27,5 Prozent, die Grünen auf 8,6 Prozent. (SPIEGEL ONLINE)

In Sachsen gelang Lucie Hammecke auf Anhieb der Sprung in den Landtag – mit 22 Jahren wird sie künftig die jüngste Abgeordnete sein. 

Lucie ist damit eine Newcomerin. Vor zwei Jahren war sie politisch noch gar nicht aktiv, erst nach der Bundestagswahl 2017 trat sie der Grünen Jugend bei, die sie im vergangenen Jahr zur Wahl aufstellte. Zuvor hatte Lucie sich bei der "Generationenstiftung" für eine generationengerechtere Politik eingesetzt. Erst kurz vor dem Wahlkampf hat sie ihre Bachelorarbeit in Politikwissenschaft abgegeben. 

Wir haben mit Lucie über das Wahlergebnis gesprochen und weshalb junge Politik für Sachsen so wichtig ist. 

Zunächst einmal: Glückwunsch zum Einzug in den Landtag! Aber kannst du dich bei 27,5 Prozent für die AfD so richtig über das eigene Ergebnis freuen?

"Für uns Grüne ist es ein krass gutes Ergebnis in Sachsen. Aber ich bin sehr geschockt von den vielen Stimmen für die AfD. Ich glaube, das werden schwierige Jahre im Landtag und im Land. Aber ich bin natürlich trotzdem glücklich über das gute Ergebnis der Grünen."