Bürokratie erklärt in unter 5 Minuten

Ob als Barista im nächsten Café oder als BWL-Student im Controlling eines Auto-Konzerns: Das Studium ist die perfekte Zeit, um sich in der Arbeitswelt auszuprobieren. Im Nebenjob kannst du das anwenden, was dir dein Professor in den Vorlesungen erklärt. Oder der Job lenkt dich von deinem Uni-Alltag ab – und füllt nebenbei dein Konto.

Viele haben nicht nur einen Nebenjob, sondern beziehen auch eine Bafög-Förderung – denn eines alleine reicht oft nicht aus, vor allem wenn man in einer der großen Studentenstädten lebt

Doch was für Regeln gelten, wenn man Bafög erhält und sich zusätzlich einen Nebenjob sucht? Was müssen Studierende beachten, damit das Bafög nicht gekürzt wird?

Kleingedrucktes

Früher konnten wir es kaum abwarten, erwachsen zu werden! Endlich Auto fahren, Geld verdienen, bei den Eltern ausziehen. Jetzt sind wir groß und stellen fest: Es gibt Behörden, Regeln und Kleingedrucktes.

Wir unterstützen dich und erklären die bürokratischen Herausforderungen – und zwar in weniger als fünf Minuten Lesezeit!

Wie viel darf ich in meinem Nebenjob verdienen?

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat einen Freibetrag von 451,36 Euro brutto im Monat festgesetzt. So viel darf man in einem Nebenjob verdienen, ohne dass der Bafög-Satz gekürzt wird. Man kann also einem 450-Euro-Minijob nachgehen, ohne sich Sorgen machen zu müssen.

Hierbei geht es um das durchschnittliche Monatsgehalt. Bei Nebenjobs auf Stundenbasis kann das Gehalt jeden Monat anders ausfallen. Wenn du mal in einem Monat zum Beispiel auf 500 Euro kommst, ist das für deinen Bafög-Satz nicht schlimm, solange du in einem anderen Monat entsprechend weniger verdienst.

Wer neben der Uni arbeitet und Bafög beantragt, muss im Formblatt 1 das zu erwartende Gehalt für den Bewilligungszeitraum – also für gewöhnlich ein Jahr – angeben. Das darf 5400 Euro (also zwölf mal 450 Euro) nicht überschreiten, damit sich das Bafög nicht verändert, erklärt Thorsten Wagner. Er ist Abteilungsleiter der Abteilung Ausbildungsförderung des Studentenwerks Hannover.

Was passiert, wenn ich doch mehr verdiene?

Was zu viel verdient wurde, wird vom Bafög-Satz abgezogen. Wie viel genau, ist etwas komplizierter zu berechnen.

Das Bafög-Amt rechnet wie folgt: Von dem angegebenen Bruttoeinkommen zieht das Bafög-Amt erst eine Werbungskostenpauschale von 1000 Euro (bei einem Bewilligungszeitraum von zwölf Monaten) ab und vom Rest noch eine Sozialpauschale von 21,2 Prozent. Was dann übrig bleibt, wird durch die Anzahl der Monate geteilt, für die man Bafög beantragt (also im Normalfall zwölf Monate). 

Wenn dabei mehr als 290 Euro pro Monat übrig bleiben, dann wird das, was im Schnitt mehr verdient wird, vom monatlichen Bafögsatz abgezogen. (Bafög)

Ein Beispiel: Leonie studiert BWL und hilft in der Marketing-Abteilung eines großen Unternehmens aus. 

  • Sie verdient dabei im Jahr 5600 Euro. 
  • Zuerst wird die Werbungskostenpauschale abgezogen:
    5600 Euro - 1000 Euro = 4600 Euro 
  • Von dem Ergebnis werden eine Sozialpauschale von 21,2 Prozent abgezogen: 
    4600 Euro - 975,20 Euro = 3624,80 Euro 
  • Das wird wiederum durch 12 Monate geteilt, um das anrechenbare durchschnittliche Monatseinkommen von Leonie zu ermitteln: 
    3624,80 Euro : 12 = 302,67 Euro 
  • Alles, was Leonie mehr als 290 Euro verdient, wird von ihrem Bafög-Satz abgezogen:
    302,67 Euro - 290 Euro = 12,67 Euro. 

Damit verringert sich ihr Bafög-Satz um 12,67 Euro im Monat. 

Gibt es eine Grenze, wie viele Stunden ich arbeiten darf?

Die Bafög-Regelungen sehen keine Stunden-Grenze vor, erklärt Wagner.

Wenn man allerdings zu oft mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, kann sich das auf die Sozialversicherung auswirken. Man könnte den Studentenstatus verlieren – und müsste dann entsprechend höhere Steuern und Sozialabgaben zahlen.

Muss ich meinen Nebenjob immer dem Bafög-Amt melden?

Jede Änderung der wirtschaftlichen Lage muss dem Bafög-Amt sofort gemeldet werden, betont Wagner. Das beinhaltet auch das geplante und letzlich erzielte Einkommen. 

Wer einen Nebenjob erst im Laufe des Bewilligungszeitraumes beginnt, kann dem Bafög-Amt einfach Bescheid sagen: Ein formloses Schreiben mit der Förderungsnummer und dem voraussichtlichen Gehalt genügt fürs Erste. Das Bafög-Amt fragt dann eventuell noch nach Verdienstnachweisen.

Bringt es mir irgendetwas, wenn ich einen Nebenjob annehme, der etwas mit meinem Studium oder meiner Berufsrichtung zu tun hat? 

Für den beruflichen Werdegang vielleicht, auf das Bafög hat die Wahl des Nebenjobs allerdings keine Auswirkungen, erklärt Wagner. Es ist egal, ob du kellnerst, Zeitungen austrägst. Auch wenn du schon im Büro deines zukünftigen Arbeitgebers jobbst, werden dir keine höheren Freibeträge oder mehr Stunden erlaubt.



Trip

"Work and Travel"-Tipps: "Ich habe dann irgendwann gar nicht mehr geplant"
Was junge Leute bei "Work and Travel" gelernt haben

Noch einmal, bevor es im Leben anstrengend wird, die Freiheit des Reisens spüren. Neue Kulturen kennen lernen, Menschen aus aller Welt treffen und dazu beeindruckende Landschaften entdecken.

Wenn das Geld nach Schule, Ausbildung oder Studium knapp ist, entscheiden sich viele für eine Kombination aus Reise und Arbeit und planen ein “Work and Travel”-Abenteuer.