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Dominik Fröde hat in den vergangenen Wochen mehrere Dutzend Bewerbungen geschrieben – bis jetzt ohne Erfolg.

Sie hatten einen Plan für ihre Zukunft, dann kam Corona: Menschen zwischen 20 und 30 treffen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie härter als jede andere Altersgruppe, Jobs und Ausbildungsplätze brechen weg. In unserer Serie "Generation Corona" berichten einige von ihnen, was die Krise für sie bedeutet. In dieser Folge: Azubi Dominik Fröde, 27, wartet gerade auf die Ergebnisse seiner Abschlussprüfung. In den vergangenen Wochen hat er mehrere Dutzend Bewerbungen geschrieben – auf eine Zusage wartet er noch.

Generation Corona

Im Alter zwischen 20 und 30 sortiert sich für viele Menschen das Leben: Ausbildungen werden abgeschlossen, erste und zweite Jobs ausprobiert, man investiert Geld in Wohnungen, Autos oder Aktien, findet Freunde oder Partner fürs Leben. Was bedeutet es für eine Generation, wenn dieser Prozess dramatisch verlangsamt wird – weil Corona das Leben lahmlegt? 

In unserer Serie "Generation Corona" beschäftigen wir uns mit dieser Frage. Wir lassen Betroffene zu Wort kommen, sprechen mit Expertinnen und analysieren politische Entscheidungen. Du hast einen Hinweis? Dann schreib uns an redaktion@bento.de.

"Ich stehe kurz vor dem Ende meiner Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, vergangene Woche habe ich die Abschlussprüfungen absolviert. Alles war ziemlich improvisiert: Normalerweise finden die Prüfungen in der Kreishandwerkerschaft statt, diesmal in der Firma eines Prüfers – dort sollte mehr Platz sein. Trotzdem wurden die Mindestabstände teilweise nicht eingehalten. Wenn ich etwas anschraubte, standen 20 Zentimeter entfernt andere Auszubildende und arbeiteten an ihren Prüfungsaufgaben.

Ich war super aufgeregt, aber alles lief gut. Jetzt warte ich auf meinen Gesellenbrief. Mein Ausbildungsbetrieb wird mich aber leider nicht übernehmen. Das haben mir meine Chefs schon vor den Prüfungen mitgeteilt. Vielleicht hat das mit Corona zu tun, ich weiß es aber nicht.

„In den vergangenen zwei Monaten habe ich jede Woche zehn Bewerbungen geschrieben.“
Dominik Fröde, 27, hat gerade seine Ausbildung beendet – und sucht nach einem Job.

Ich muss jetzt schnell etwas Neues finden – das ist während einer Pandemie nicht so einfach. Viele Firmen sind verunsichert und stellen niemanden mehr ein. Einerseits ist die Auftragslage ungewiss, andererseits stellen Fremde ja auch ein Infektionsrisiko dar. In den vergangenen zwei Monaten habe ich jede Woche etwa zehn Bewerbungen geschrieben. Von den meisten Firmen habe ich nicht mal eine Rückmeldung bekommen. Es war ein Gefühlschaos. Manchmal dachte ich, alles liegt nur an der derzeitigen Situation mit dem Coronavirus, dann suchte ich die Schuld doch bei mir selbst. Ich wusste nicht, wie es weitergehen soll.

Vor zwei Wochen meldete sich dann ein großer deutscher Hersteller von Windenergieanlagen auf meine Bewerbung zurück. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch per Skype und traf mich anschließend mit den Verantwortlichen vor Ort bei einer Anlage. Meine Gesprächspartner sagten mir nach dem Treffen, dass sie von mir angetan seien. Ich habe also Hoffnung, dass es mit dem Job klappt.

Mein Hauptziel ist, nicht in die Arbeitslosigkeit zu rutschen. Ich wohne mit meiner Freundin zusammen. Sollte ich gar nichts mehr verdienen, wäre es schwierig für uns, Miete und Lebenshaltungskosten zu stemmen. Auch das Arbeitslosengeld würde dafür wahrscheinlich nicht reichen. Ich würde deshalb lieber für den Mindestlohn irgendwo arbeiten, bis ich etwas gefunden habe, wofür ich tatsächlich ausgebildet wurde.

Das wäre zur Überbrückung kein Problem für mich. Ich bin sehr flexibel, habe schon viele verschiedene Sachen gemacht. Nach dem Abitur versuchte ich sogar erst, ohne Ausbildung ins Berufsleben zu starten. Damals dachte ich, was auf einem Zettel steht, sagt wenig darüber aus, was eine Person wirklich kann. So empfinde ich das auch heute noch manchmal: In meiner Azubiklasse sind einige Leute, die dürfte man eigentlich nicht an elektrischen Anlagen arbeiten lassen, aber sie werden trotzdem durch die Prüfung kommen.

Mein Plan ging anfangs sehr gut auf. Nach dem Abi arbeitete ich erst im Kundensupport bei verschiedenen Technikfirmen, am Telefon und vor Ort. Später wurde ich auch in der Buchhaltung und im Rechnungswesen eingesetzt. Ich lernte schnell, das lief alles. Irgendwann wollte ich dann etwas Handwerkliches machen – etwas, das man am Ende sehen und greifen kann.

Gerade im handwerklich-technischen Bereich bekommt man allerdings nahezu keinen Job, wenn man keine Bescheinigung vorlegen kann, dass man den Beruf gelernt hat. Als Elektroniker macht das auch Sinn. Man muss schließlich wissen, wie Anlagen funktionieren, die Logik dahinter verstehen und vor allem die Sicherheit von sich selbst und anderen garantieren können.

Also habe ich vor drei Jahren doch eine Ausbildung begonnen. Es hat Spaß gemacht, auch wenn ich mich in der Firma vor den älteren Kolleginnen und Kollegen erstmal beweisen musste. Oft schoben sie mir Arbeiten zu, auf die sie selbst keine Lust hatten. Da muss man durch. Aber wenn man seine Arbeit gut macht, bekommt man auch bessere Aufgaben. Auch wenn die Arbeitsmarktsituation gerade schwierig ist, hat sich die Ausbildung gelohnt. Ich konnte mich technisch weiterbilden und habe auch einiges fürs Leben gelernt. Außerdem habe ich mit einer abgeschlossenen Ausbildung zumindest eine Perspektive."


Food

Widerstand snacklos: Dieses Würstchen ist nicht zu stoppen
220 km/h, die linke Spur ist frei, in der Hand eine Minisalami

Geräucherte Mett- und Rohwürste gehören in vielen Ländern zur kulinarischen Tradition und werden mit stolzgeschwellter Brust als Kulturgut exportiert. In Südosteuropa und der Türkei ist es die Sucuk, nördlich davon die Cabanossi, in Spanien die Chorizo. Im kulinarisch-bürokratischen Italien kategorisiert man die unzähligen Salamivariatonen in fünf Qualitätsstufen von "extra" bis "inferiore" – was nicht weniger als "minderwertig" heißt. 

Deutschland hingegen präsentiert ein- und durchreisenden Touristen ein ganz anderes, armes Würstchen zuerst: Im Land der Dichter und Lenker findet man an jeder Raststätte eine in Alu verschweißte "Minisalami" – meist den orange-schwarzen Marktführer "Bifi" – die dank Konservierungsstoffen und trashiger Präsentation wohl nicht einmal die geringsten der italienischen Qualitätsstandards erfüllen würde. Ein Produkt, das schreit: Keine Zeit! Hier wird gefahren, nicht genossen.