Heute: Maik, 33
Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Saurierforscher. Mit sechs Jahren haben mich Saurier total fasziniert, ich konnte die lateinischen Namen der Tiere alle auswendig und jeder war beeindruckt davon, wie sehr ich dafür gebrannt habe.

Mit 12 Jahren wollte ich Zahnarzt werden. Ich fand die Besuche beim Zahnarzt angenehm und spannend, hatte nie Angst davor. Als es aufs Abi zuging, wuchs dann mein Interesse für die Bundeswehr. Diese Illusion von Abenteuer und Abwechslung, dieses Outdoor-Feeling. Ich wollte keinen Schreibtischjob und dachte sehr romantisch: Die Bundeswehr ist aufregend.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Was hast du gelernt?

Mit 18 ging ich zum Bund, Wehrpflicht. Und anfangs war es dort genauso, wie ich mir das vorgestellt hatte: Wir waren viel draußen, der Truppenalltag hat mir gefallen, wir waren in allen 16 Bundesländern unterwegs. Noch während des Dienstes habe ich mich für die Offizierslaufbahn beworben.

Noch mehr Queraufsteiger – alle Texte zum Klicken:
1/12

Den Aufnahmetest bestand ich, es konnte also losgehen. Um Leutnant zu werden, lernten wir, eine Truppe zu führen, sie unter Kontrolle zu haben, wir lernten Kampfstrategien. Und wir setzten uns mit politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinander.

Warum hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Ich merkte schnell: Das hier passt nicht zu mir. Die Bundeswehr tat mir nicht mehr gut. Der raue Umgangston, der Druck von Vorgesetzten. Wir lernten, Verantwortung für Untergebene zu übernehmen – mir lag das nicht. Ich bin ein sensibler Mensch, da ging es mir nahe, dass ständig geschrien wurde.

Wenn jemand einen Fehler machte, sprachen wir selten konstruktiv darüber – es wurde immer gleich laut. Natürlich gehört das beim Militär dazu, aber ich bin eben sehr harmoniebedürftig.

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Im Studium, das zur Offizierslaufbahn gehört, kamen wir nach langer Zeit mal wieder richtig raus. Wir hatten einen echten Feierabend. Ich hatte völlig vergessen, dass es außerhalb der Kasernentore ja auch noch eine Welt gibt. Und die gefiel mir. Immer mehr in mir wehrte sich gegen den künftigen Job beim Bund.

In dieser Phase fiel ich durch eine wichtige Prüfung im Studium. Es kam mir gelegen: Diese Chance nutzte ich, endlich auszubrechen. Ich sehnte mich nach Freiheit – und ging.

Ich sehnte mich nach Freiheit
Maik

Zunächst versuchte ich mich als Finanzberater, ich dachte, das könnte passen. Doch ich hatte kaum Erfolg. Dann sah ich das Stellenangebot von Ikea in München. Die suchten noch Mitarbeiter für den Kundenservice. Ich dachte, das könnte ich zur Überbrückung ja einfach mal ausprobieren, halbtags.

Jetzt bin ich seit fünf Jahren da.

Woher wusstest du, was du wolltest?

Ich habe einfach einem inneren Druck nachgegeben. Der Körper und die Seele zeigen einem schon, was man will.

Maik, 33
Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Ich musste erst mal lernen, dass alle, die Freiheit wollen, sich in Verzicht üben müssen. Weil ich nur halbtags arbeite, kann ich mir kaum mehr leisten, als die Miete und mein Essen. Ich habe kein Auto, mache keine Fernreisen und kann nie schick ausgehen. Stattdessen koche ich selbst und habe eine Mitbewohnerin.

Ich könnte vielleicht auch Vollzeit arbeiten, aber mir ist die neu gewonnene Freiheit zu wichtig. Meine Schicht beginnt um 16 Uhr, vorher habe ich den ganzen Tag für mich. Genau das hat mir beim Bund gefehlt, da war ich eingeengt in Strukturen.

Sich das einzugestehen und nun ohne großen Konsum zu leben, das war schwierig.

Wie geht es geht es dir heute?

Es geht mir perfekt! Ich bin unabhängig, so gut es geht. Ich kann leidenschaftlich meinen Hobbys nachgehen, Mountainbike fahren, in der Natur sein, Musik hören, Schlagzeug spielen.

Es tut so gut, zu wissen: Nichts hält mich hier. Ich kann jederzeit die Zelte abbrechen und sie woanders aufbauen. Dieser Lebensstil verlangt viel Organisation, eben weil ich oft aufs Geld achten muss – aber er macht mich wahnsinnig glücklich.

Was denkst du?

Fühlen

Du findest diese Löcher wahnsinnig eklig? Dann geht es dir wie mir

Vor einigen Tagen konnte ich nicht einschlafen – weil ich die ganze Zeit an einen Brokkoli denken musste.

Klingt psycho. Ist es womöglich auch.

Aber es war nicht irgendein Brokkoli. Es war dieser hier: