Studentenwohnheime kennt jeder, Azubi-Wohnheime sind dagegen seltener. Dabei brauchen Auszubildende mindestens genau so sehr bezahlbaren Wohnraum wie ihre studentischen Altersgenossen. 

Die Stadt Düsseldorf hat das Problem erkannt und ihr erstes städtisches Wohnheim für Azubis eröffnet. Aber sind sie damit wirklich Vorreiter? Wie sieht es in anderen Städten aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum ist günstiger Wohnraum für Azubis wichtig?

Auszubildende bekommen zwar im Vergleich zu Studierenden ein Gehalt – allerdings ist dies meist sehr niedrig. So verdienten Azubis in Deutschland 2017 im Schnitt zwischen 750 und 1000 Euro brutto im Monat, je nach Standort und Lehrjahr (Statista). 

Wenn man davon noch Steuern und Sozialabgaben abzieht, bleibt nicht viel übrig. Vor allem, wenn die Ausbildung nicht in der Heimat absolviert wird, wo man noch bei den Eltern wohnen könnte. In teuren Großstädten ist bei dem wenigen Geld oft nicht mal ein WG-Zimmer drin. Das ist ein Problem und mit ein Grund, warum sich junge Menschen gegen eine Ausbildung entscheiden. Für die Industrie bedeutet das den oft beklagten Fachkräftemangel.

Wie hat die Stadt Düsseldorf auf das Problem reagiert?

Zunächst mit vielen Gesprächen. Die finanziellen Schwierigkeiten der Azubis sind seit Langem bekannt. Während es für Studierende in Düsseldorf rund 1000 Wohnungen gab, betrag die Zahl derer für Azubis genau: null (NRZ). Vor zwei Jahren gründete die Stadt daher einen Beirat, der Lösungen finden sollte (DGB). 

Am 1. August wurde dann das erste städtische Wohnheim nur für Auszubildende eröffnet. Ein Gebäude des Jugendamtes wurde extra dafür umgebaut. Dort können nun zwölf – bald 16 – Auszubildende zwischen 18 und 25 Jahren leben und zahlen für die zwölf bis 16 Quadratmeter großen Wohnungen plus Gemeinschaftsräumen 250 Euro monatlich. (Stadt Düsseldorf)

Verglichen mit dem restlichen Mietmarkt in Düsseldorf ein top Angebot – deshalb waren die Plätze auch sofort belegt. 

In den kommenden Jahren will die Stadt Düsseldorf insgesamt bis zu 200 Wohnungen für Azubis schaffen. Denn: "Düsseldorf ist eine attraktive Stadt, aber der Arbeitsmarkt ist derzeit größer als die Nachfrage", sagt Jugendamtsleiter Johannes Horn. "Man muss also auf der Suche nach Arbeitskräften auch im Umland schauen und die Stadt für diese Menschen attraktiver machen". Dafür sei nun zumindest ein Schritt gemacht.

Die Stadt ist sehr stolz auf ihre Azubi-Wohnungen und nennt es schon das "Düsseldorfer Modell" (NRZ). Doch ist es wirklich ein Alleinstellungsmerkmal? 

Welche Möglichkeiten haben Azubis in anderen Städten?

Viele private Initiativen bieten schon lange günstige Wohnungen für Azubis an. Die Stiftung Azubiwerk hat es sich beispielsweise zur Aufgabe gemacht, mit Hilfe öffentlicher Förderung günstige Wohnheime für Auszubildende zu bauen. Doch viele fragen sich: Warum muss die Privatwirtschaft diese Aufgabe übernehmen? Wieso hält sich der Staat bei der Förderung von Wohnraum für Azubis so sehr zurück, während es in jeder Stadt öffentlich geförderte Wohnheime für Studierende gibt?

Wir haben bei den größten deutschen Städten nachgefragt und tatsächlich gibt es bisher in sehr wenigen städtisch geförderten Wohnraum für Azubis. So ist die Lage:

  • Dresden: Bislang gibt es kein städtisches Wohnheim für Azubis. 
  • Hamburg: Hier ist zwar nicht direkt eine Behörde in der Verantwortung, doch einige städtische Unternehmen bieten Wohnplätze für Azubis, beispielsweise das Studierendenwerk oder das Berufsförderungswerk. Insgesamt sind es rund 220 städtische Plätze. Weitere Angebote sind in Planung.
  • Frankfurt am Main: Bisher kein städtischer Wohnraum speziell für Azubis. Über entsprechende Wohnheime werde aber diskutiert, so ein Sprecher der Stadt.
  • Köln: Hier gibt es gar keinen von der Stadt finanzierten Wohnraum speziell für Auszubildende.
  • München: Dort entsteht gerade ein erstes städtisches Azubi-Wohnheim, das im April 2019 mit 124 Plätzen bezugsfertig sein soll. Die Mieten sollen zwischen 290 und 375 Euro kosten, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt.

Also ist Düsseldorf beim Azubi-Wohnen tatsächlich recht weit vorn.

Warum tun sich Städte aber so schwer damit, bezahlbaren Wohnraum für Azubis zu schaffen?

Der Düsseldorfer Jugendamtsleiter Horn sieht das Problem darin, dass man mit den geförderten Wohnungen keinen Gewinn macht. 

Der Vorteil des "Düsseldorfer Modells" sei, dass man Immobilien verwende, die bereits im Besitz der Stadt seien – beispielsweise Jugendzentren, die geschlossen werden. Die Gebäude würden dann lediglich umgebaut, die späteren Mieten decken nur die Kosten: "Wir haben keine Gewinnmargen in die Miete einbezogen. Dazu ist nicht jeder bereit", sagt Horn zu bento, "Aber wir wollen zeigen, dass es geht."

Wäre es nicht sinnvoller, wenn Auszubildende einfach mehr verdienen?

"Auch das haben wir als Notwendigkeit erkannt", sagt Horn, sieht die Verantwortung dafür aber nicht bei der Stadt, sondern bei den Unternehmen. 

"Wenn ein Arbeitgeber Bedarf an Personal hat, muss er bestimmte Anreize bieten – zum Beispiel die Lehrkräfte bei den Mietkosten unterstützen. Wer Fachkräftemangel hat, muss sein Angebot attraktiver machen", meint Horn.


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Die AfD startet Meldeplattform für Lehrer – und bekommt nun Pizzabestellungen

In mehreren Bundesländern ist die AfD gerade dabei, sogenannte Meldeplattformen einzurichten, wo Schülerinnen und Schüler melden sollen, wenn ihre Lehrerinnen oder Lehrer die AfD kritisieren. Am Montag startete die Plattform auch in Berlin und die Menschen machen sich einen Spaß daraus, absurde Vorfälle einzutragen – oder einfach ihre Pizzabestellung an die AfD zu schicken.

Was hat die AfD mit den Plattformen vor?

In Hamburg und Baden-Württemberg startete die Partei schon in den vergangenen Wochen mit der Meldeplattform, vor wenigen Tagen folgte Brandenburg, nun gibt es sie auch in Berlin. Als Anlass bezeichnet die Partei angebliche Hinweise auf mutmaßliche Verstöße gegen das Neutralitätsgebot von Lehrern. 

Im Grunde handelt es sich bei der Plattform lediglich um ein Kontaktformular, über das Schülerinnen Lehrer melden sollen. Sollte ein "begründeter Anfangsverdacht" bestehen, dass tatsächlich ein Verstoß vorliege, werde man die Nachricht an die Schulbehörde weiterleiten, schreibt die AfD. 

Was sagen Lehrer?

Die Deutsche Lehrergewerkschaft GEW kritisierte das Vorgehen der AfD scharf. Die Portale seien ein Aufruf zur Denunziation, wo man sich anonym eintragen und Lehrkräfte ungeprüft beschuldigen könne, sagte Ilka Hoffmann vom GEW-Vorstand. (tagesschau.de)

Sollten Lehrerinnen an den Pranger gestellt werden, werde die Gewerkschaft auch Rechtsschutz gewähren. "Wir rufen die Kollegen auf, dass sie sich nicht einschüchtern lassen sollen und dass sie auch damit kreativ umgehen sollen", sagte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann dem rbb. Er schlug vor, das Portal auch ruhig für eine Pizzabestellung zu nutzen – oder für eine Spaßmeldung, dass das Kind aus dem Kunstunterricht wieder "ganz rot-grün-versifft" nach Hause komme.

Und wie reagieren Menschen?

Genau so, wie es der Berliner GEW-Vorsitzende vorgeschlagen hatte und noch drastischer. Die baden-württembergische Meldeplattform, wofür ein AfD-Abgeordneter die Domains "meinlehrerhetzt.de" und "meinprofhetzt.de" angemeldet hatte, ging bereits nach kurzer Zeit offline – dahinter steckt möglicherweise ein Hackerangriff. (Stuttgarter Zeitung)

Auch das Berliner Portal ist seit dem Start am Montag nicht immer erreichbar. Schuld daran könnten die vielen Anfragen sein, die aber wohl selten im Sinne der AfD sind. Auf Twitter starteten Userinnen und User die #meldechallenge und suchen damit nun die kreativsten Einsendungen. So wie diese: