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Drei Menschen erzählen, warum es erleichternd war – und was sie jetzt machen.

146 000 Lehrlinge haben 2016 ihre Ausbildung abgebrochen. Das ist jeder vierte – und damit die höchste Abbrecherquote seit mehr als 25 Jahren. (SZ) Die Zahl sei alarmierend, hieß es von allen Seiten. Also verspürten ziemlich schnell ziemlich viele Leute das Bedürfnis, sich zu den Gründen zu äußern. Azubis verdienen zu wenig, sagte der Deutsche Gewerkschaftsbund. Ungünstige Arbeitsbedingungen, Konflikte mit den Vorgesetzten sind Schuld, meint das Bildungsministerium. Aber was sagen die jungen Leute, die ihre Ausbildung abgebrochen haben? Drei Menschen erzählen anonym, wie es dazu kam – und was sie jetzt machen. 

Louisa, 24, gärtnern statt kochen

Ich bin in der Ausbildung zur Köchin jemand geworden, der ich nicht mehr sein wollte. Eigentlich bin ich ein total lebensfroher, lebensbejahender Mensch – der war ich einfach nicht mehr. In meiner Ausbildungsküche hat sich mindestens die Hälfte der Belegschaft ständig irgendetwas eingeworfen, um den Job durchzuhalten – die Schichten, der wenige Schlaf, kaum Zeit für Essenspausen. Das alles war mit Gras oder Pillen leichter durchzuhalten. Irgendwann habe ich auch damit angefangen, habe viel gekifft und kaum noch gegessen. Das tat mir nicht gut. 

Auch Geld hat eine Rolle gespielt. Das war viel zu wenig! Ich habe es mal in einem Monat ausgerechnet und bei den ganzen Überstunden bin ich auf ungefähr 35 Cent Stundenlohn gekommen.

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Anscheinend hätte ich nach Feierabend zehn Kilo Zwiebeln und Möhren mit nach Hause nehmen und das Schneiden üben sollen – aber wie, nach einer 15 Stunden-Schicht?
Louisa

Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich das, was ich eigentlich in der Ausbildung lernen sollte, schon vorher hätte können müssen. Die Zwiebeln für das Omelette sollten von Anfang an perfekt klein geschnitten sein. Anscheinend hätte ich nach Feierabend zehn Kilo Zwiebeln und Möhren mit nach Hause nehmen und das Schneiden üben sollen – aber wie, nach einer 15 Stunden-Schicht? Ich fragte einmal meinen Ausbilder, wie genau ich die Aufschnittplatten für das Frühstück anrichten sollte – er schaute mich nur an und sagte immer wieder: Das weißt du nicht? Das weißt du nicht? Ich bekam keine Antwort.

Ich habe dann den Betrieb gewechselt, aber da war die Situation ähnlich. Irgendwann fragte mich die neue Chefin, ob der Job wirklich etwas für mich sei. Damit lag das Angebot zum Abbruch quasi vor mir auf dem Tisch - und ich hab’s gemacht.

Bei der Entscheidung geholfen hat mir auch ein Urlaub in Los Angeles, noch vor dem Ausbildungsabbruch. Dort habe ich gemerkt, was ich eigentlich möchte: mehr Lebensqualität, rausgehen, Sauerstoff einatmen und nicht den ganzen Tag im Kellergeschoss in einer Küche ohne frische Luft stehen.

Zur Zeit bereite ich mich in der Abendschule auf die Prüfung zur Heilpraktikerin vor und lege bei meinen Eltern hinter dem Haus mit meinem Opa einen großen Gemüsegarten an. Meine Mutter ist Heilpraktikerin, ich fand ihren Beruf immer interessant und ich glaube, es ist gut, mit der abgeschlossenen Prüfung dann etwas Festes in der Hand zu haben. Und ich habe Anfragen von einigen Kindergärten und Grundschulen, mit den Kindern zu kochen. Dort könnte ich das tun, weshalb ich eigentlich auch mal Köchin werden wollte: Mit frischen, guten Lebensmitteln arbeiten und viele Menschen damit glücklich machen. 

Steffen, 28, spielen statt fräsen

Ich habe eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker angefangen und im dritten Lehrjahr abgebrochen. Das Gehalt war wirklich gut, außerdem gab es zwischendurch Bonuszahlungen, daran lag es also nicht. Der Betrieb hatte mir aber zu Beginn der Ausbildung in Aussicht gestellt, sehr schnell Karriere machen zu können – ich sollte nicht lange fräsen und drehen, sondern im Programmierbüro des Betriebes arbeiten dürfen. Das war auch eigentlich das, was mich interessierte. Dann musste der Betrieb das Programmierbüro aber leider schließen, damit war die Möglichkeit geplatzt. Also wurde ich an die Schleifmaschine versetzt – obwohl das eigentlich nie Teil meiner Ausbildung werden sollte. Die Arbeit war sehr monoton, ich konnte diese Maschine nicht wirklich bedienen, weil keine Zeit war, sie mir zu erklären. Ich wurde depressiv – nicht nur wegen der Ausbildung, aber auf jeden Fall auch deshalb. Mir ging es immer schlechter, ich wurde krankgeschrieben und machte eine Therapie in einer Tagesklinik.   

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Jetzt bin ich wirklich Gamedesigner und überlege, mich selbstständig zu machen
Steffen

Ich hatte zwar Angst, abzubrechen – in meinem Umfeld, von meinen Eltern hörte ich immer wieder: Zieh das doch jetzt durch, mach mal was zu Ende. Ich hatte ja vor der Ausbildung auch schon mein Soziologie-Studium abgebrochen. Also dachte ich auch selbst: Nein, du kannst nicht noch einmal etwas nicht zu Ende machen.

Ich sprach mit meiner Therapeutin darüber, die fragte mich dann: Wenn du dir jetzt aussuchen könntest, was du machen wollen würdest – was wäre das? Hinschmeißen und Gamedesigner werden, antwortete ich. Sie sagte: Dann mach das. Anfangs fand ich noch, das geht nicht, aber irgendwann war ich soweit, ich dachte: Scheiß drauf, ich mache jetzt das, was gut für mich ist, nicht, was die anderen von mir verlangen. Also legte ich meinem Ausbildungsbetrieb den Aufhebungsvertrag vor, sie willigten ein. Jetzt bin ich wirklich Gamedesigner – seit zwei Wochen bin ich fertig mit dem Studium und überlege, mich selbstständig zu machen.

 

Lia, 23, erziehen statt pflegen

Ich habe von meiner Arbeit als Krankenpflegerin viel zu viel mit nach Hause genommen. Als ein Patient starb, hatte ich nachts Albträume. Das passierte immer wieder, mir ging der Tod älterer Patienten sehr nah. Ich konnte nach dem Dienst nicht mehr abschalten. Als ich die Ausbildung dann abgebrochen hatte, war ich erleichtert. Meine Eltern, meine Freunde hatten mich gedrängt, die Ausbildung zu Ende zu machen, aber ich dachte nur: Warum sollte ich weitermachen, wenn ich in dem Beruf sowieso nicht arbeiten will? Es ist ja mein Leben, nicht das der Anderen. 

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Mir ging der Tod älterer Patienten sehr nah
Lia

Ich habe die Sache auch einfach nicht als Niederlage gesehen, sondern als Chance – ich wusste, was ich nicht machen wollte. Es gibt eben nicht für jeden den einen Beruf, den man sein Leben lang ausübt, ich finde das auch ok, wenn man dann mehrere Sachen ausprobiert.

Jetzt mache ich eine Ausbildung zur Erzieherin. Ich wusste zwar, dass ich keine Krankenpflegerin mehr werden möchte, aber im sozialen Bereich wollte ich trotzdem gerne bleiben. Also habe ich dann letztes Jahr ein paar Wochen Praktikum in einer Kita gemacht, das hatte mir wirklich gut gefallen, und ich habe danach dann die Ausbildung angefangen.


Haha

Das sind die witzigsten Tweets zur Zuckerberg-Anhörung

Mark Zuckerberg, der Facebook-Chef, vor einem Haufen US-Senatoren, die ihn stundenlang ausfragen dürfen: Dieser Politiker-Traum ist nun wahr geworden, Zuckerberg musste vor dem US-Senat Antworten liefern – zu Facebooks Privatsphäre-Einstellungen, zur Rolle Facebooks im Russland-Skandal um Donald Trump und zu Cambridge Analytica.

Die wichtigsten Aussagen, haben wir hier für dich zusammengestellt: