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Wir haben Menschen gefragt, die es wissen müssen

Eine Einladung ins Assessment Center ist eigentlich eine gute Nachricht: Die Bewerbungsunterlagen haben überzeugt, dein Lebenslauf gefällt. Aber jetzt geht der Stress erst richtig los: Manchmal dauert ein Assessment Center mehrere Tage. Man sitzt mit Unternehmensvertretern und den anderen Bewerbern in einem Raum und wird bewertet. Wie bereitet man sich am besten darauf vor? Was für Aufgaben erwarten einen? Und gibt es Tricks, um die Nerven zu bewahren?

Dazu haben wir uns sechs Beispielaufgaben, die oft in Assessment Centern vorkommen, näher angeguckt. Außerdem berichten uns zwei junge Menschen, wie sie den Tag erlebt haben, welche Aufgaben dran kamen und wie sie sich vorbereitet haben.

Hier sind sechs beispielhafte Aufgaben, die sehr oft in Assessment Centern vorkommen:

Das Online-Assessment

Gerade Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger erhalten oft Aufgaben für zu Hause, bevor das eigentliche Assessment Center losgeht. Das ist oft ein Online-Test, den man zu Hause am Rechner macht, erklärt Michael Denzer vom Geva-Institut, das für Unternehmen Bewerbertests durchführt und Assessment Center konzipiert. 

  • Das passiert: Im Online-Assessment werden Fragen zu deinen beruflichen Interessen und Zielen, zu deinen Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen gestellt – und auch ganz klassische Text- und Rechenaufgaben, sowie Aufgaben zum logischen Denken oder räumliches Vorstellungsvermögen.
  • Was soll das? Den Unternehmen geht es darum, ein Bild vom "Wollen und Können" ihrer Bewerber zu bekommen, erklärt Denzer. Es ist also wichtig, dass schon beim Online-Test herauskommt, dass du zum Einen den Job wirklich willst – und zwar um des Jobs willen, weil du mit deinen Interessen und Kompetenzen genau passt. Zum Anderen, ob du wichtige Leistungsanforderungen wie zum Beispiel Rechnen oder räumliches Vorstellungsvermögen mitbringst.  Du solltest dich also nicht sich auf irgendeinen Job bewerben, zum Beispiel weil das Unternehmen zum Beispiel zufälligerweise in deiner Nachbarschaft liegt und du nicht zu Hause ausziehen möchtest.
  • Tipp: Gerade im Leistungstest, wie den Text- und Rechenaufgaben, läuft für gewöhnlich eine Uhr mit, sagt Denzer. "Das sind mehr Aufgaben, als die meisten Teilnehmer in der Zeit lösen können. So kann das Unternehmen auch noch eine gute von einer sehr guten Leistung unterscheiden." Am besten sollte man also schon vorher solche Leistungsaufgaben online üben.

Die Fallstudie (Case Study)

  • Das passiert: Bei einer Fallstudie bekommt der Bewerber einen komplexen Fall aus der Branche vorgelegt und muss eine Lösung finden. Meist geht es dabei um sehr praxisnahe Aufgaben, die genau so oder ähnlich im echten Arbeitsalltag passieren können.
    Diese Aufgabe hängt also sehr vom Job ab. Zum Beispiel: "Ein neues Produkt kommt auf den Markt, entwickeln Sie in 20 Minuten eine Strategie zur Markteinführung und entscheiden Sie sich für drei mögliche Marketingmaßnahmen" oder der Bewerber bekommt eine Reihe (fiktiver) Information und muss danach entscheiden, ob das Unternehmen zum Beispiel eine Fusion eingehen sollte.
    Der Fall muss in einer vorgegebenen Zeit meistens als Einzelaufgabe, manchmal aber auch in der Gruppe bearbeitet und danach präsentiert werden. 
  • Was soll das? Es geht darum, das fachliche Wissen des Bewerbers zu ermitteln und seine Problemlösungskompetenz. Wenn die Fallstudie als Gruppenaufgabe ausgelegt ist, wird dabei auch auf die Teamfähigkeit der Bewerber geachtet. 
  • Tipp: Achte auf die Zeit, verliere dich nicht in Details und denk daran, dass du am Ende deine Entscheidungen begründen musst. (Karrierebibel)

Die Postkorbübung

  • Das passiert: Für gewöhnlich ist es eine Einzelaufgabe, für die du etwa 60 Minuten Zeit hast. Es kann sich dabei tatsächlich um einen Korb voller Zettel, also "Post", handeln oder um ein E-Mail-Postfach oder auch etwas ganz Anderes. Auf jeden Fall geht es darum, einen Haufen Aufgaben zu priorisieren, delegieren und dann im besten Fall auch abzuarbeiten.
  • Was soll das? Man will damit schauen, wie gut Bewerber sich organisieren können. Oft sind Postkorbübungen so konzipiert, dass man in der vorgegebenen Zeit gar nicht alles schaffen kann oder dass man während der Bearbeitung des "Korbes" gestört wird (Anrufe, neue Briefe, Mitarbeitergespräche) – dann geht es auch darum, wie gut du mit Stress umgehen kannst. (Absolventa)
  • Tipp: Schau dir die Aufgaben nach und nach an und sortiere dann: Ist die Aufgabe...
    ... wichtig und dringend: dann lege sie oben auf deinen To-Do-Haufen.
    ... wichtig, aber nicht so dringend: dann priorisiere sie nach hinten.
    ... nicht so wichtig, aber dringend: dann delegiere sie an einen Mitarbeiter.

Die Gruppendiskussion

  • Das passiert: Du sollst mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Assessment Centers über ein vorgegebenes Thema oder eine These diskutieren. Manchmal wird die Aufgabe erschwert, indem den Teilnehmern ihre Meinung (die von der eigenen abweichen kann) vorgegeben wird. Meistens ist ein Zeitrahmen von 20 bis 40 Minuten vorgegeben. 
  • Was soll das? Es wird auf dein Verhalten in der Gruppe geachtet: Zeigst du eher Ellenbogen, bootest die anderen Teilnehmer aus, übernimmst die Diskussionsführung? Oder bist du eher still und passiv, sprichst nur, wenn man dich fragt? Unterstützt du deine Mitredner, motivierst du sie?
  • Tipp: Es kommt gut an, wenn du die Diskussionsleitung übernimmst (aber nicht krampfhaft), die Beiträge der anderen Diskussionsteilnehmer zusammenfasst, stille Teilnehmer integrierst und die Zeit im Blick behälst. Bleibe lösungsorientiert. Wenn ein Diskussionsteilnehmer aggressiv wird, lass dich nicht provozieren und versuche ihn wieder in die Diskussion einzubeziehen. (Staufenbiel Institut

Das Rollenspiel

  • Das passiert: Bei einem Rollenspiel übernehmen die Trainerinnen und die Kandidaten ihnen zugewiesene Rollen. Je nach Job wird ein Mitarbeiter-, ein Kunden- oder ein anderes typisches Gespräch aus dem Berufsalltag simuliert. Und ja, selbstverständlich geht es in den seltensten Fällen um Small Talk, eher um Konflikte
  • Was soll das? Es wird unter anderem die Konfliktfähigkeit getestet – dabei kann es auch vorkommen, dass das Gegenüber extra ausfallend wird. Es geht um die Kommunikationsfähigkeit und eine gute Lösungsorientierung. Das Ziel ist es, am Ende eine zufriedenstellende Lösung für den fiktiven Kunden zu finden oder den unmotivierten fiktiven Mitarbeiter wieder zu motivieren. 
  • Tipp: Wichtig ist, das Spiel ernst zu nehmen und sich auf die Situation einzulassen. Man sollte seinem Gegenüber unbedingt gut zuhören, sich vielleicht auch Notizen machen, und vor allem: ruhig und höflich bleiben. (Jobware)

Das Interview

  • Das passiert: Das Interview findet meist am Anfang oder am Ende des Assessment Centers statt, dauert etwa eine halbe Stunde und ähnelt einem typischen Vorstellungsgespräch. Allerdings gehen die Fragen meist tiefer, denn man kennt sich ja schon ein wenig: sei es durch das Online-Assessment oder die Selbstpräsentation, oder da man ja schon den ganzen Tag des Assessment Centers miteinander verbracht hat. Gesprächsthemen sind vor allem deine Stärken und Schwächen sowie deine Motivation.
  • Was soll das? "Das Unternehmen möchte noch ein genaueres Bild von der Bewerberin oder dem Bewerber", erklärt AC-Experte Denzer. "Zum Beispiel Hintergründe von Entscheidungen erfahren, Motivationen zu den einzelnen Stationen im Lebenslauf und Nachfragen zu relevanten Ergebnissen aus dem (Online-)Assessment. Außerdem ist hier die Gelegenheit auch kritische Punkte aus dem Lebenslauf und dem AC-Tag zu erläutern."
  • Tipp: Bereite dich darauf vor, dass du nicht nur Antworten auf die Fragen nach deinen Stärken, Schwächen und deiner Motivation hast, sondern auch Beispiele für Erfahrungen, die du im Studium oder in Praktika gemacht hast, die deine Stärken und Schwächen belegen. Und wenn es um Schwächen geht, dann lass nicht unerwähnt, was du daraus gelernt hast. (Absolventa.de)

Wir haben mit zwei Menschen gesprochen, die gerade ihre Jobs bei großen Unternehmen bekommen haben, weil sie ihre Assessment Center gemeistert haben.

Sie verraten uns ihre ganz persönlichen Tipps, wie sie sich vorbereitet haben und in der Situation selbst locker geblieben sind.

Anna Le Assessment Center Tipps
(Bild: privat)

Anna Le, 27, ist "Digital Trainee New Digital Business" bei der Deutschen Bahn

"Wenn du weißt, was du kannst – und vielleicht auch nicht kannst –, bist du viel besser und selbstsicherer. Was bringe ich dem Unternehmen und welche Chancen habe ich im Gegenzug? Die Erkenntnisse aus dieser Selbstreflexion wirst du das ganze AC über brauchen.

Zunächst sollte ich in einem Video begründen, warum ich bei der Deutschen Bahn arbeiten will. Sich selbst vor der Kamera zu sehen fühlte sich ungewohnt an.

Meine Vorbereitung für das AC selbst sah so aus:

  • Ich habe mir meinen Lebenslauf angesehen und mit Mentorinnen, Professoren aber auch Kolleginnen und Freunden über meine Stärken und Schwächen gesprochen. Anschließend habe ich für mich selbst nochmal reflektiert, welche Fähigkeiten ich durch einige meiner Praktika erlangt oder verbessert habe.
  • Dann habe ich mich über den Konzern und seine Strategien informiert. Wie ist die DB aufgestellt, wofür steht sie, was macht sie? Das ist ja mehr als Züge fahren. Dafür habe ich auf der Unternehmenswebsite das Unternehmensprofil und verschiedene Reports wie 'Die Agenda für eine bessere Bahn' und den Nachhaltigkeitsreport gelesen. Außerdem habe ich geschaut, was Journalisten derzeit über die Bahn berichten. Dokus, Werbevideos und Social Media-Kanäle sind auch wichtige Quellen – besser noch ist es auf LinkedIn zu schauen, wer aus dem eigenen Netzwerk bereits bei der Bahn arbeitet.
  • Und dann habe ich mich speziell mit der Abteilung beschäftigt, für die ich mich bewerbe.  Die Deutsche Bahn entwickelt bei New Digital Business neue Geschäftsmodelle und arbeitet viel mit Start-Ups aus dem Bereich Mobilität zusammen. Also habe ich mich auch über diese Startups informiert. Außerdem passte mein Master-Studium des 'Internationalen Managements mit Vertiefung in Innovation und Entrepreneurship' sehr gut in diesen Bereich. Ich konnte mir einfach meine Uni-Unterlagen nochmal angucken.

Gegen die Nervosität hat mir persönlich dann etwas geholfen, was eine Freundin zu mir sagte. Sie sagte zu mir 'Anna, auf diese Stelle haben sich wahrscheinlich Tausende Menschen beworben. Es wird einen Grund geben, dass das Unternehmen unter all diesen Menschen dich ausgesucht hat, dich ins AC einzuladen. Du bist schon gut.' Das hat mir Mut gemacht."

Am Tag des Assessment Centers selbst waren wir insgesamt neun Teilnehmer. Gestartet sind wir mit einer lockeren Vorstellungsrunde. Ich fand es sehr angenehm, dass wir uns von Beginn an auch mit den Beteiligten der Deutschen Bahn geduzt haben.

Unsere Aufgaben waren: 

  • Als erstes mussten wir eine Einzelübung machen: Jeder von uns musste eine Fallstudie bearbeiten, in der wir eine neue Geschäftsidee für die Deutsche Bahn bewerten sollten. Dazu hatten wir 20 bis 30 Minuten Zeit für die Vorbereitung, mussten dann unsere Ergebnisse präsentieren und anschließend Fragen dazu beantworten.  
  • Danach gab es eine Gruppenübung, in der wir die Geschäftsideen weiter evaluiert haben und in einer Videokonferenz einem Investment Manager der Deutschen Bahn pitchen durften. Dabei wurde es in unserer Gruppe zum Ende ziemlich hektisch, da wir unter Zeitdruck standen. Einige Teilnehmer sind heute schließlich meine Kolleginnen und Kollegen, da fühlt man sich in einer gewissen Weise auch verbunden, weil man so ein AC zusammen durchlebt hat. 
  • In einem Rollenspiel musste ich dann meinen Geschäftsbereich mit guten Argumenten davon überzeugen, dass ein bestimmter Mobilitäts-Anbieter ins Portfolio der Deutschen Bahn aufgenommen werden sollte. 
  • Zuletzt gab es dann noch Einzelinterviews. Man fragte mich, was mich persönlich antreibt und was ich in dem zwölfmonatigen Traineeprogramm lernen möchte. 

Zwischendurch kamen sogar ehemalige Trainees vorbei, um den Bewerbern von ihren Erfahrungen im Unternehmen zu erzählen – die Führungskräfte sind währenddessen rausgegangen, damit das Gespräch ganz offen stattfinden konnte.

Am Ende des Tages gab es ein sehr detailliertes Feedbackgespräch. 30 Minuten für jeden Teilnehmer. Im Job denke ich noch oft daran. Zum Beispiel: 'Achten Sie darauf, in Präsentationen selbstbewusster aufzutreten.' Man hat ja nicht oft die Gelegenheit, von echten Profis Feedback zu bekommen. Es hätte mir auch geholfen, wenn ich den Job nicht bekommen hätte."

Conny Haß (24) ist Trainee im Bereich "Finance" bei Coca-Cola European Partners Deutschland

"Mit der Einladung zum Assessment Center kam auch die erste Aufgabe: eine fünfminütige Präsentation vorzubereiten, bei der ich begründen sollte, wieso ich mich auf das Trainee-Programm bei Coca-Cola beworben habe. Ein paar Leitfragen waren bei der Aufgabenstellung auch mit dabei, wie 'Worauf sind Sie besonders stolz in ihrem privaten oder Berufsleben?' Ich habe in der Präsentation dann damit angefangen zu erzählen, wo ich aufgewachsen bin und habe mich ansonsten auf das konzentriert, was nicht so ausführlich im Lebenslauf steht – Nebentätigkeiten zum Beispiel. 

Am Tag des Assessment Centers hatten wir dann volles Programm: Wir waren zehn Teilnehmer, alle aus dem Bereich Finance. 

  • Nach einer Begrüßung und einer Vorstellungsrunde ging es gleich mit den Selbstpräsentationen los. Zu Hause dachte ich noch 'Oh je, fünf Minuten, ganz schön kurz.' Aber wenn man aufgeregt ist, redet man ja schneller. Letztendlich war ich nach 4:30 Minuten fertig. Ich war echt nervös, aber als ich gesehen habe, dass meine Zuhörerinnen und Zuhörer lächeln, bin ich schnell lockerer geworden.
  • In der Fallstudie mussten wir eine Aufgabenstellung aus dem Bereich Finance lösen: Eine simple Profitabilitätsrechnung. Ich habe sie bestimmt noch fünf Mal gelesen, weil ich immer nach der Falle gesucht habe, nach der versteckten Fangfrage. Aber da war nichts. 
  • In der Gruppendiskussion musste ich mit vier anderen im Team eine Produkteinführung diskutieren. Wir konnten uns kurz in das Thema einlesen, dann diskutieren und dann am Ende auch in fünf bis zehn Minuten ein Ergebnis präsentieren. 
    Ich habe mich an dem Tag sehr gut mit den anderen Teilnehmern verstanden. Natürlich sind wir zwar eigentlich Konkurrenten, aber letzlich sitzen wir doch alle im selben Boot und sind alle aufgeregt. Warum sich das Leben schwer machen? So war auch das Klima im Team gut.
  • Vor dem Rollenspiel hatte ich am meisten Angst. Es ging um ein Mitarbeitergespräch, doch ich bin nicht so der Typ für Rollenspiele, ich wäre keine gute Schauspielerin. Und dann guckt auch noch jemand zu! Ich habe so gut es geht versucht, die Zuschauer auszublenden.
  • Bei dem abschließenden Interview haben mich dann die Mitarbeiter gefragt, wie ich den Tag empfunden habe. Da habe ich das Rollenspiel angesprochen, weil ich das als meine größte Schwäche empfunden habe. Die Führungskräfte waren aber anderer Meinung.

Rückblickend habe ich mir einiges schlimmer ausgemalt, als es letztendlich war. Wer zu einem AC eingeladen wird, hat die erste Hürde schon genommen und sollte sich auf seine Stärken verlassen. Denn nur wer authentisch ist, kann sein Gegenüber von sich überzeugen." 


Gerechtigkeit

BMW den Besitzern wegnehmen: So will Kevin Kühnert raus aus dem Kapitalismus
Ran ans Eigentum

Juso-Chef Kevin Kühnert ist dafür, Autokonzerne wie BMW zu kollektivieren, also zum Beispiel der Belegschaft oder dem Staat zu übertragen. In einem Interview mit der "Zeit" sprach er darüber, wie er den Kapitalismus überwinden möchte. Es soll vor allem den Reichen ans Eigentum gehen.

Kühnert stört sich daran, dass einige wenige große Profite einstreichen, etwa als Besitzer von Autokonzernen oder von Mietwohnungen, während der Staat das Versagen des Arbeits- und Mietmarkts auffangen muss.