Bild: Unsplash/Tim Gouw
Ich arbeite 25 Schulstunden. Lehrer, bitcheeees!
Wie und vor allem wie lange wollen wir in Zukunft eigentlich arbeiten? 

Acht Stunden am Tag, oder auch mal zehn – und dafür nur sechs am nächsten? Müssen wir am Abend noch unser Diensthandy an haben? Und dürfen dafür am nächsten Tag später starten?

Die Wirtschaft, Arbeitnehmer und Arbeitgeber debattieren über neue Arbeitszeitmodelle. Grund dafür sind zwei Forderungen:

  1. Christoph Schmidt ist Vorsitzender der sogenannten fünf Wirtschaftsweisen, er fordert flexiblere Arbeitszeiten. "Die Vorstellung, dass man morgens im Büro den Arbeitstag beginnt und mit dem Verlassen der Firma beendet, ist veraltet." Er betonte, es ginge ihm nicht um Mehrarbeit, sondern um eine flexiblere Verteilung innerhalb des Tages und der Woche
  2. Die zweite Forderung stellt derzeit die IG Metall auf. Sie will, dass Arbeiter in der Metall- und Elektrobranche vorübergehend ihre Arbeitszeit von 35 auf 28 Stunden verkürzen können.
Wir haben fünf Arbeitnehmer aus unterschiedlichen Branchen um ehrliche Antworten gebeten. Wie lange arbeitet ihr wirklich? Was würdet ihr gerne anders machen?
Malte, 31, selbstständiger Autor
(Bild: Privat)

Ich bin Mitbegründer des Redaktions- und Designbüros "Die Brueder", wir machen Medienprodukte, ein Stadtmagazin oder jährlich eine Magazin-Konferenz. Im Joballtag arbeite ich vor allem als Redaktionsleiter, Organisator und nebenbei als Autor.

Eigentlich höre ich nie auf zu arbeiten. Klar gibt es Arbeiten, die klassische Dienstleistungen sind – die einen Anfang und ein Ende haben. Darüber hinaus verschwimmen meine Grenzen zwischen Privatvergnügen und Job. Egal ob es Schreiben oder Grübeln ist, Planen oder Organisieren. Das Wort Überstunden habe ich gar nicht in meinem Wortschatz. 

Ob ein 40- oder ein 60-Stunden-Job – das ist doch egal. Viel unerträglicher ist doch, Schichten und Stunden zu schrubben, ohne sich selbst zu verwirklichen. Ich glaube nicht an die Formel "Arbeiten, um zu leben" – sondern eher an die eigene Profession und das passende Umfeld. Dann wäre eine 28-Stunden-Woche eher eine Einschränkung.

So dürfen wir in Deutschland derzeit arbeiten:
Wir dürfen gesetzlich 48 Stunden pro Woche arbeiten.
60 Stunden sind auch möglich, aber dann muss es einen Ausgleich geben.
Grundsätzlich gilt der Achtstundentag, möglich sind auch zehn Stunden – wenn es entsprechend wieder einen Ausgleich gibt.
Ab sechs Stunden Arbeit muss es mindestens eine halbe Stunde Pause geben.
Nach der Arbeit muss eine Pause von elf Stunden eingehalten werden.
Es gibt zahlreiche Ausnahmen: Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Stundenkonten.
Auch für Ärzte, leitende Angestellte oder Pfarrer gelten zum Beispiel Ausnahmen.
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Zabera, 31, Projektkauffrau Einkauf, Deutsche Bahn:
(Bild: Privat)

Ich arbeite 39 Stunden und habe Vertrauensarbeitszeit. Das heißt, ich muss mich nicht ein- oder ausstempeln. Ich fange zwischen 9 und 9.30 Uhr an zu arbeiten. Und gehe zwischen 17.30 und 18.30 Uhr. Ich habe keine Kernarbeitszeiten und kann eigentlich kommen und gehen, wann ich will.

Wenn ich Stress habe, dann kann ich auch mal drei Stunden durcharbeiten – dann bin ich wie im Tunnel. Aber normalerweise mache ich schon alle 1,5 Stunden eine kurze Pause, gehe eine rauchen, aufs Klo, hole Kaffee. 

Weil ich projektbasiert arbeite, mache ich auch Überstunden. Aber: Wenn ich mal länger bleibe, gehe ich einen anderen Tag auch mal früher. Wenn ich weniger arbeiten würde, würde ich noch mehr Sport machen, vielleicht auch was Kreatives, was genau weiß ich nicht. Oder ich würde noch mal einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik machen.

Tobias, 32, Geschichts- und Sportlehrer
Dies ist nicht Tobias, er möchte lieber anonym bleiben(Bild: Hendrik Schmidt/dpa )

Zu meinem Arbeitsalltag gehören natürlich der Unterricht. Dann aber auch Aufsicht, Sozialarbeit leisten und Elterngespräche. Zur Sozialarbeit gehört Konfliktlösung – Schülerinnen trösten, wenn sie Liebeskummer haben, und solche Dinge. Und die Aufsicht ist das klassische Auf-dem-Hof-Stehen während der Pausen.

Manchmal bin ich von 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr in der Schule, manchmal nur von 10.15 Uhr bis 11 Uhr. Natürlich muss ich nachmittags auch Arbeiten kontrollieren. Aber das dauert nicht lang, ich habe ja keine typischen Korrekturfächer wie Deutsch oder Mathe. Überstunden gibt es als Beamter nicht, aber ich bin selten länger in der Schule als nötig. 

Ich arbeite 25 Schulstunden. Lehrer, bitcheeees!

Flexible Arbeitszeiten finde ich natürlich okay. Ich habe ja eh schon welche.

Ich arbeite 25 Schulstunden. Lehrer, bitcheeees!
Sören, 24, Dreischicht-Betrieb bei einem großen Automobil-Zulieferer und bei der IG Metall aktiv:
(Bild: Privat)

Ich arbeite in drei Schichten: zwischen 5.45 und 13.45 Uhr, 13.45 und 21.45 Uhr und 21.45 und 5.45 Uhr. Das wechselt wöchentlich, das ist sehr anstrengend. Der mangelnde Schlaf ist ein großes Problem, ich bin schon sehr oft sehr müde.

Ich stehe vor einer Fertigungsmaschine und achte darauf, dass die läuft. Außerdem übernehme ich kleine Reparaturen. Bei der Frühschicht habe ich morgens große Konzentrationsprobleme. Bei der Nachtschicht nimmt die Konzentration ab Mitternacht ab. Am besten klappt die Mittelschicht. Aber grundsätzlich brauche ich nach einer Stunde immer eine kurze Pause.

Bei der Frühschicht habe ich morgens große Konzentrationsprobleme.

Nach der Frühschicht schon, dann gehe ich erstmal nach Hause und lege mich eine Stunde auf die Couch. Nach der Mittelschicht schaue ich etwas fern und nach der Nachtschicht schlafe ich den ganzen Tag. Im Moment mache ich 30 Überstunden im Monat. Die werden allerdings ausgezahlt, sie abzubummeln ist hingegen schwieriger.

Wenn ich nur noch eine 28-Stunden-Woche hätte, würde ich viel mehr im Wald laufen gehen, einfach um den Kopf freizukriegen. Vielleicht sogar für einen Marathon trainieren. Außerdem würde ich mich noch mehr ehrenamtlich in der Gewerkschaft engagieren. 

Kasimir*, 29, Kran-Techniker, Fachbereich Elektrotechnik

Ich arbeite in Dreischicht. Also zwischen 6.30 Uhr und 6 Uhr am nächsten Tag. Laut Vertrag arbeite ich 35 Stunden – ich stempel mich ein und aus. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann arbeite ich effektiv vier Stunden pro Tag – damit meine ich wirklich 100 Prozent geben. Der Rest ist einfach auch viel Verwaltung und Unterstützung der Kollegen.

Morgens werden alle Handwerker verschiedenen Aufgaben zugeteilt. Entweder man ist eine Art technischer Notdienst und repariert die Krane, die im laufenden Betrieb kaputtgehen, oder man kümmert sich um stehende Anlagen.

Nach der Arbeit treffe ich meist Freunde und mache Kampfsport. Wenn ich aber Nachtschicht habe, bin ich auch einfach müde. Flexible Arbeitszeiten fänd ich richtig gut, das würde gut zu meinem Rhythmus passen. Ich würde mehr surfen und basteln. Zum Beispiel alte Möbel restaurieren oder sogar bauen. 

*Name geändert

Mitarbeit: Katharina Hölter, Marlene Borchardt, Marc Röhlig, Steffen Lüdke


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