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Bürokratie erklärt in unter 5 Minuten

Wer die Uni abgeschlossen hat, steht gleich vor der nächsten Herausforderung: Es gilt einen Job zu finden. Doch die wenigsten haben direkt im Anschluss eine Stelle. 

Laut einer Studie der Bundesagentur für Arbeit suchen Akademikerinnen und Akademiker nach ihrem Masterabschluss im Schnitt drei bis vier Monate. Musst du dich in der Zeit arbeitslos melden? Und wenn ja, wann? Welche Folgen hätte es, wenn du es nicht tust?

Kleingedrucktes

Früher konnten wir es kaum abwarten, erwachsen zu werden! Endlich Auto fahren, Geld verdienen, bei den Eltern ausziehen. Jetzt sind wir groß und stellen fest: Es gibt Behörden, Regeln und Kleingedrucktes.

Wir unterstützen dich und erklären die bürokratischen Herausforderungen – und zwar in weniger als fünf Minuten Lesezeit!

Muss ich mich nach dem Studium arbeitslos melden?

Wenn du dich selbst in der Zeit finanzieren kannst (inklusive Kranken- und Pflegeversicherung) oder zum Beispiel deine Eltern dich unterstützen, musst du dich nicht unbedingt arbeitslos melden.

Absolventen haben direkt nach ihrem Studium in der Regel keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, da sie noch nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Stattdessen können sie nach ihrem Abschluss Arbeitslosengeld II (ALG II, das sogenannte Hartz IV) beantragen. Wenn du beim Jobcenter ALG II beantragst, hast du auch Pflichten: "Man ist verpflichtet, eine Tätigkeit zu suchen und anzunehmen sowie Termine wahrzunehmen und sich gegebenenfalls weiterzubilden", erklärt Julia Stump, Sprecherin bei der Bundesagentur für Arbeit.

Du kannst dich auch arbeitslos melden, ohne ALG II zu beantragen. Dann musst du dich zwar selbst finanzieren, aber die Agentur für Arbeit meldet deine Arbeitsuche trotzdem an die Rentenversicherung, erklärt Frau Stump. Wenn sie das nicht tun würde, müsstest du länger bis zur Rente warten (Deutsche Rentenversicherung, ab Seiten 5 und 20). "Wenige Monate ohne Meldungen können später bei der Rentenbeantragung relevant sein, müssen es aber nicht, falls bereits anderweitig genügend Zeiten erwirtschaftet wurden", erklärt Julia Stump.

Außerdem unterstützt dich die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter trotzdem bei der Jobsuche, indem es dir zum Beispiel Reisekosten zu Bewerbungsgesprächen erstattet – falls der potenzielle Arbeitgeber es nicht übernimmt (Merkblatt ALG II, Seite 82). Die Verpflichtungen bleiben aber die gleichen, du musst zu Terminen erscheinen und dich auf vorgeschlagene Stellen bewerben, wenn die Meldungen an deine Rentenversicherung weitergehen sollen.

Dazu solltest du dich am besten bei deiner zuständigen Agentur für Arbeit oder deinem Jobcenter beraten lassen, betont die Sprecherin, denn was genau für wen der beste Weg ist, könne sehr individuell sein.

Muss ich jeden Job annehmen, den mir das Jobcenter anbietet?

Wenn er "zumutbar" ist dann ja. Was zumutbar ist, regelt §10 SGB 2. Darin steht unter anderem, dass ein Job auch dann zumutbar sei, wenn er nicht deiner früheren Tätigkeit oder deiner Ausbildung entspricht. Der Absatz macht vielen Angst. 

Es kann passieren, dass dir zum Beispiel als Physiker eine Stelle in einem Callcenter vermittelt wird. "Die Stelle kann dann ausgeführt werden, bis eine bessere Stelle gefunden ist", erklärt Julia Stump. Man sei aber dennoch dazu verpflichtet, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Hilfebedürftigkeit zu verringern oder zu beenden. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, dass ich mich arbeitslos melden sollte?

Bei einem "normalen" Job ist es so, dass du dich spätestens drei Monate vor deiner voraussichtlichen Arbeitlosigkeit zunächst arbeitsuchend melden musst. Wenn es dann soweit ist, meldest du dich noch an deinem ersten Tag ohne Job arbeitslos und kannst Arbeitslosengeld beantragen. (Bundesagentur für Arbeit)

Bei einem Studium ist es oft nicht so genau abzusehen, wann genau man fertig ist. Wenn du aber absehen kannst, wann du ungefähr deinen Abschluss machen wirst, solltest du mit deiner Agentur für Arbeit besprechen, was für dich sinnvoll ist, rät Julia Stump. 

Was ist mit meinen Ersparnissen, wenn ich ALG II bekomme?

Wer zu viele Ersparnisse hat, muss die erst "aufbrauchen", bis er oder sie ALG II bekommen kann.

"Es gibt Freibeträge", erklärt die Sprecherin. Pro Lebensjahr darfst du 150 Euro angespart haben und es werden Freibeträge für die Altersvorsorge, also mögliche Rentenverträge, und ein Pauschbetrag von 750 Euro für notwendige Anschaffungen gewährt. 

Sie rechnet vor: Wenn du zum Beispiel 26 Jahre alt bist, darfst du 26 Mal 150 Euro, also 3900 Euro Ersparnisse angesammelt haben, plus 750 Euro Pauschbetrag für Anschaffungen. Also insgesamt 4650 Euro. "Vermögen, das darüber hinaus geht, muss erst verbraucht werden, bevor Arbeitslosengeld II gezahlt werden kann." 

Bleibe ich krankenversichert?

Wenn du ALG II beziehst, zahlt das Jobcenter deine Krankenversicherung. Wenn aber nicht, musst du dich selbst versichern.

Kann ich meinen Nebenjob behalten oder Praktika machen, während ich ALG II bekomme?

Ja, unbedingt. Das Jobcenter möchte sogar, dass du "alle Möglichkeiten zur Minderung oder Beendigung der Hilfebedürftigkeit" nutzt (Merkblatt ALG II, Seite 11) – dazu gehören auch Nebenjobs und Praktika.

"Wichtig ist, dass das Jobcenter davon weiß und Vollzeit-Praktika genehmigen kann", betont die Sprecherin der Bundesagentur. Denn wenn du arbeitest, kannst du in der Zeit ja keine Termine beim Jobcenter wahrnehmen. Praktika müssen genehmigt werden, damit dein Vermittler über deinen aktuellen Sach- und Kenntnisstand unterrichtet ist. Außerdem wird natürlich dein Gehalt aus deinem Nebenjob oder Praktikum mit deinem Bedarf am ALG II verrechnet. 

"Das Jobcenter berücksichtigt in jedem Einzelfall die individuellen Verhältnisse. Daher ist es wichtig, sich durch das zuständige Jobcenter konkret über mögliche Ansprüche beraten zu lassen." 


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