Diese Vorher-Nachher-Fotos zeigen, wie wir uns für den Job verändern.

Unter der Dusche stehen und sich einen runterholen. Das ist der Höhepunkt von Lester Burnhams Tag, danach geht es nur noch bergab – weil er arbeiten muss. Mit dieser Feststellung beginnt "American Beauty". Lester, gespielt von Kevin Spacey, regt sich schon morgens darüber auf, dass sein Berufsalltag langweilig ist – und er aus dieser Rolle nicht so schnell rauskommt. 

Ob wir wollen oder nicht: Die meisten von uns müssen ziemlich viel arbeiten, um Geld zu verdienen. Den ganzen Tag in einer beruflichen Rolle stecken also – um abends und am Wochenende dann die Freizeit-Rolle ausleben zu können. 

Wie geht es uns damit? Hier erzählen fünf Menschen, inwiefern sich ihre Rollen unterscheiden. Die einen lieben ihren Beruf, die anderen wissen schon jetzt, dass er sie auf Dauer nicht glücklich machen wird, weil er ihnen zu wenig Zeit für ihre anderen Rollen lässt.

Lukas, 29, Sozialarbeiter in der Wohnungslosenhilfe

(Erst beruflich, dann privat - swipen, um die Veränderung zu sehen.)

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Ich arbeite mit Menschen mit besonderen Schwierigkeiten, etwa Suchterkrankungen und psychischen Problemen. Diese Schwierigkeiten resultieren häufg aus der Wohnungslosigkeit und behindern die Betroffenen in ihrem Alltag. 

Ich bin dafür da, sie zu unterstützen. Wir haben Wohnungen, in denen die Menschen untergebracht sind, aber es gibt auch eine Notschlafstelle.

Jeder hat eine Geschichte: Manche sind oder waren drogenabhängig, andere saßen im Gefängnis. Fast alle sind von finanziellen Hilfen abhängig. 

Privat trage ich meistens ein Hemd und lege Wert auf mein Äußeres, während meiner Arbeit kleide ich mich möglichst schlicht. 

Ich habe zehn weiße T-Shirts, alle für die Arbeit.

Darüber meist ein Hoodie, eine einfache Jeans und ältere Schuhe. Auch auf Statussymbole wie eine Uhr verzichte ich während der Arbeit. Es fühlt sich unangebracht an, mit teurer Markenkleidung zwischen Menschen zu sein, die am Existenzminimum leben. 

Eva, 28, Schreinerin

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In unserer Werkstatt bin ich die einzige Schreinerin, ich arbeite mit vier Männern zusammen. Während meiner Ausbildung wurde ich etwas geschont, nun muss ich richtig anpacken. 

Das finde ich gut, denn ich möchte keine Extrabehandlung. Ich habe Glück mit meiner Firma und fühle mich sehr wohl hier. Leider habe ich während meiner Ausbildung auch andere Geschichten gehört, manche Frauen hatten sehr große Schwierigkeiten, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Ich glaube, als Frau muss man hartnäckiger sein, um mit diesem Berufswunsch ernst genommen zu werden.

Ich bin generell ein Kumpeltyp und habe viele männliche Freunde, weshalb ich kein Problem mit dem schroffen Ton habe, der meist in der Werkstatt herrscht. 

Neben meinem Beruf als Schreinerin bin ich Sängerin und Gitarristin in der Kölsch-Pop-Rock-Band "Pläsier", wo ich natürlich ganz anders auftrete: Auf der Bühne bin ich gestylt und sexy. 

Privat verbringe ich viel Zeit mit meinem Pferd und bin in der Natur. Also habe ich eigentlich drei Rollen in meinem Leben, in denen ich zu 100 Prozent Eva bin – und die mich als Menschen ausmachen.

Philip, 25, Unternehmensberater

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Als Unternehmensberater versuche ich, für andere Unternehmen passende Lösungen für alle möglichen Fragestellungen zu finden. 

Vor jedem Projekt stellen wir uns auf den Kunden ein und passen uns an. Erwartet uns ein eher konservatives Unternehmen, tragen wir einen Anzug. Verbringen wir die Woche bei einem jungen Unternehmen, treten wir legerer auf. 

In meinem Berufsalltag fliege ich montags zu unserem Kunden und bleibe bis Donnerstag dort, zuletzt war ich in Mailand. In der Zeit schlafe ich in einem Hotel. Mein Arbeitstag beginnt morgens um neun und endet zwischen zehn und zwölf Uhr abends. 

Freitagabend ist dann ein harter Cut.

Die Samstage und Sonntage gehören mir und meiner Freundin. Momentan funktioniert das sehr gut in unserer Beziehung, wir machen jeweils unser Ding und genießen die Zeit zu zweit. 

Allerdings ist es langfristig für mich nicht vorstellbar, mein Arbeitspensum mit der Familienplanung zu kombinieren. Den Beruf als Unternehmensberater kann man nur machen, wenn man weiß, worauf man sich einlässt und bereit ist, Hobbys hinten anzustellen. 

Kati, 26, Feuerwehrfrau

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Ich wollte nie ins Büro, sondern einen Job, in dem man anpacken muss. Nach der zehnten Klasse machte ich eine Ausbildung als Maler und Lackierer, hatte aber nach einigen Jahren Lust auf etwas Neues. 

Mein bester Freund arbeitet bei einer Feuerwehr und seine Erzählungen weckten mein Interesse. Also entschloss ich mich, eine weitere Ausbildung zu machen und begann als erste Frau bei der Berufsfeuerwehr Köln. 

Es macht mich stolz, diese Männerdomäne aufgebrochen zu haben. Die Reaktionen waren sehr positiv, auch wenn ich dem ein oder anderen Kollegen beweisen musste, dass ich kein Püppchen bin. 

Bei der Feuerwehr Köln arbeiten wir zusätzlich im Rettungsdienst, sodass unsere Aufgaben sehr vielfältig sind. Zwar musste ich schon zu Brandeinsätzen, aber das ist eher selten. 

Wir werden zu Unfällen gerufen, um Personen aus ihrem Fahrzeug zu schneiden.

Wir fahren zu Sturm- und Wasserschäden, brechen Wohnungstüren auf und retten Menschen und Tiere aus allen Notlagen. 

Meist sind wir in 24-Stunden-Schichten auf der Wache, wodurch wir viel Zeit als Kollegen miteinander verbringen und über das Erlebte sprechen. Es ist sehr wichtig, dass wir uns zu 100 Prozent vertrauen und uns aufeinander verlassen können. 

Meine Uniform wiegt 25 Kilo und fühlt sich an wie ein Schutzschild.

Wenn der Alarm klingelt, ziehen wir sie über und verwandeln uns damit in eine Einheit, die gemeinsam Menschen in Not hilft. Privat bin ich eher ein typisches Mädchen. Lange Haare, Nagellack, Piercings.

Laura, 29, Musicaldarstellerin

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Als ich nach meinem Abitur meine Ausbildung als Musicaldarstellerin machte, ging es mir darum, meiner Leidenschaft Tanz nachzugehen. Mein Traum war es, Ensembletänzerin zu werden. 

Damals hatte ich ein ziemlich romantisches Bild von der Branche. Das änderte sich. Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, neue Choreographien zu lernen und in Rollen zu schlüpfen, aber es ist manchmal hart, sich als selbständige Darstellerin immer wieder um neue Jobs kümmern zu müssen. 

Nach meiner Ausbildung verbrachte ich monatelang auf einem Kreuzfahrtschiff.

Ich wirkte dort bei den Shows mit. Das war eine sehr spannende Zeit, in der ich zweimal die Welt umreiste. 

Zurück in Deutschland war der Berufseinstieg dann schwer: Anfang dieses Jahres wusste ich nicht, was ich in den nächsten Monaten machen werde. 

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In den nächsten neun Monaten werde ich nun jede Woche vier Auftritte in einem Theater haben, wodurch mein Lebensunterhalt gesichert ist. Das Stück geht drei Stunden und ich spiele fünf verschiedene Rollen. In dieser Zeit muss ich komplett konzentriert sein und blende alles andere aus – ich schaue nicht auf mein Handy, auch nicht in der Pause.

Alle Fotos: Annika Eliane Krause. Besuche ihr Portfolio oder ihre Webseite für Hochzeitsfotografie, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren.


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