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Fünf Menschen erzählen

Am Wochenende ausschlafen oder rumkatern, vielleicht ein bisschen Netflix oder die Oma besuchen – schön! Doch für viele Menschen bedeutet das Ende der Woche nicht gleichzeitig Entspannung. Das Lieblingscafé hat schließlich nur geöffnet, weil jemand dort arbeitet und die Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern können auch nicht drei Tage warten, bis das Personal wieder zur Arbeit erscheint. 

Etwa neun Millionen Menschen arbeiten in Deutschland an den Wochenenden – die meisten davon abends zwischen 18 und 23 Uhr (tagesschau). 

Was macht das mit einem? Wie wirkt sich die Arbeit am Wochenende auf das Privatleben aus? Und sind die Folgen auch körperlich zu spüren?  

Wir haben mit vier Menschen gesprochen, die es wissen müssen. Denn sie arbeiten, während andere ihre Freizeit genießen. 

Taris, 24, arbeitet als Koch und wohnt in Hamburg.

(Bild: privat)

"Ein freies Wochenende gibt es in meinem Job meistens nicht. Die meisten wollen es sich ja genau dann gut gehen lassen und gehen ins Restaurant. Dafür habe ich aber oft am Montag und oder Dienstag frei. Das ist dann mein 'privates Wochenende' unter der Woche. 

Außerdem habe ich das Glück, dass meine Freundin noch studiert. Meistens hat sie an den Tagen Zeit und wir können uns sehen. Mein Freundeskreis ist aber kleiner geworden. Ich habe auf der Arbeit zwar viele Freunde gefunden, aber die alten Bekanntschaften verliert man aus den Augen. Ich muss halt immer arbeiten, wenn die anderen frei haben. 

Mit meiner Familie telefoniere ich noch regelmäßig, die wohnen auch nicht weit weg. Ab und zu kann ich sie besuchen, aber ich arbeite oft parallel zu Geburtstagen oder anderen Events.  

Gut bezahlt wird es auch nicht.

Mein Betrieb zahlt mich zum Glück fair aus, aber gemessen an dem, was andere verdienen, ist es immer noch wenig. Wochenend- oder Nachtzuschläge gibt es in der Gastro nicht.

Manchmal denke ich mir am Sonntag: 'Jetzt einen halben Tag spazieren gehen, Torte essen und einen Kaffee trinken. Mal so ein richtiges Spießer-Leben genießen. Das wäre schön.'"

Carlotta, 26, arbeitet als Landwirtin im niedersächsischen Bockleben.

(Bild: privat)

"Egal ob Huhn, Ziege oder Rind – Tiere haben Hunger und müssen gepflegt werden, ob Wochenende oder nicht. Außerdem fallen täglich Routinearbeiten, wie ausmisten, Futter und Wasser auffüllen, Eier ausnehmen an.

Das heißt: Ich muss am Wochenende morgens und abends ran. Meine Mutter und ich teilen uns die Arbeit zwar auf, aber es gibt auch Zeiten, in denen wir alle arbeiten müssen. Zum Beispiel im Sommer während der Erntezeit. Wenn es mal trocken ist, dann musst du dreschen. Dem Wetter ist es egal ob es Samstagnachmittag oder Sonntagabend um sechs ist. 

Es gibt Phasen, da nervt das. Wenn meine Freunde am Freitag um sieben zum Grillen verabredet sind, kann ich manchmal erst um elf. Und ich habe auch nicht immer Lust, an einem verregneten Sonntag um vier noch mal nach den Hühnern zu schauen. Manchmal frage ich mich: 'Warum mache ich das eigentlich?'

Außerdem ist es nicht immer einfach, eine Beziehung zu führen. Es ist schwierig, jemanden zu finden, der außerhalb der Landwirtschaft tätig ist und Verständnis dafür hat. Spontan ein Wochenende wegzufahren, geht nicht. Privatleben und Job gehören immer zusammen. Schließlich lebe ich von diesem Hof.

Letztendlich habe ich aber Spaß an meiner Arbeit. Ich gucke gerne, wie es den Tieren geht und es ist schön, etwas zu ernten, worum ich mich das Jahr über gekümmert habe. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Besser geht es nicht."

Felix, 27, ist Feuerwehrmann und lebt in Hamburg.

(Bild: privat)

"Unfälle, Brände, Verletzungen gibt es natürlich auch am Wochenende. Deshalb arbeiten wir in Wechselschichten 24/7. Ich muss nicht jedes Wochenende ran und bekomme meine zwei Tage unter der Woche frei. Die brauche ich auch. Man merkt die Wochenenddienste körperlich. Immer bereit zu sein, jeden Moment kann es losgehen – so eine Anspannung schlaucht.

An einem von drei Wochenenden muss ich Freitag und Sonntag arbeiten. Den ganzen Tag – auch nachts. Ich habe zwar den Samstag frei, trotzdem sind es insgesamt 48 Stunden Arbeit an nur einem Wochenende. Nach so einer Schicht brauche ich immer einer Weile, um wieder in den Alltag reinzukommen. 

Die Zeit zur Erholung nehme ich mir auch. Ich schlafe aus und treffe mich mit Freunden. Es bringt mir nichts, wenn ich nach zwei Tagen wieder zur Arbeit gehe und in den Seilen hänge. Aber das macht mir nichts. Es gibt ja auch Wochenend- und Nachtzuschläge.

Mit meinen Freunden bin ich immer noch in Kontakt und auch mit meiner Freundin läuft es gut. Sie ist auch im Schichtdienst und kommt aus derselben Branche. Klar, manchmal würde ich gerne auf ein Konzert gehen, das geht nicht immer. Dafür kann ich unter der Woche mal entspannt Behördengänge erledigen oder einkaufen, wenn wenig los ist.

Insgesamt muss ich sagen: Ich arbeite eigentlich gerne am Wochenende. Letztendlich ist das einfach eine Sache der Gewohnheit."

Wiebke, 23, arbeitet als Gesundheits- und Krankenpflegerin in Hamburg.

(Bild: privat)

"Ich arbeite auf der Intensivstation. Da müssen Patienten auch am Wochenende versorgt werden. Wir arbeiten dafür immer im Drei-Schichten-System. Ein Nachtdienst dauert zehn Stunden, Früh-oder Spätdienst jeweils acht Stunden.

Normalerweise bin ich jedes zweite Wochenende dran. Es kommt aber vor, dass man zwei oder drei Wochenenden hintereinander Dienst hat, zum Beispiel, wenn andere im Urlaub sind. Dadurch habe ich viel weniger Zeit für Freunde und Familie. Die können samstags und sonntags gemeinsam etwas unternehmen, ich muss meistens arbeiten. 

Außerdem kann mich schlecht entspannen, wenn ich am nächsten Tag arbeiten muss. Freitagabend feiern, wenn Samstagmittag mein Dienst beginnt – das geht nicht. Auf der Intensivstation wegen Übermüdung Fehler zu machen, könnte ich mir nicht verzeihen.

Das nervt. Vor allem wenn ich auf Instagram und Facebook sehe, was die anderen am Wochenende alles gemacht haben. Die haben sich erholt und ich fühle mich nach dem Wochenende ausgelaugt. Meine Arbeit ist anstrengend und oft mit Stress verbunden. 

Eigentlich mag ich meine Arbeit, aber auf diese Wochenenddienste könnte ich verzichten. Wir bekommen Wochenend- und Nachtzuschläge, aber in meinen Augen ist das immer noch zu wenig."

Steven, 32, arbeitet als DJ und lebt in Lüneburg.

(Bild: Anna Lilly Collide)

"Viele denken, DJ zu sein ist ein tolles Leben. Dabei ist es manchmal echt beschissen. Ich bin größtenteils unterwegs zu Auftrittsorten und verbringe Stunden in der Bahn, in Autos oder Hotels.

Die einzigen sozialen Kontakte habe ich dann mit den Veranstaltern oder dem Personal im Backstage-Bereich. Manchmal ist es auch ein Highlight, wenn der Taxifahrer sich mit mir unterhält.

Es ist auch schwer, eine Beziehung zu führen. Meine letzten Beziehungen scheiterten immer daran, dass das Vertrauen nicht vorhanden war oder wir zu unterschiedliche Lebensrhythmen hatten – die meisten Leute schlafen ja, während ich arbeite. Die Leute denken immer, DJs feiern nach dem Auflegen wilde Sexpartys. Ist aber nicht so. 

Meine engsten Freunde haben zum Glück gar nichts mit Partys am Hut. Mit denen habe ich noch regelmäßig Kontakt. Aber viele meiner Bekannten kommen aus derselben Branche. Da verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freundschaft.

Ich achte sehr auf mich und schlafe meistens acht Stunden, ohne die geht es nicht. Außerdem sind Drogen und saufen tabu. Jedes Wochenende besoffen oder drauf zu sein, geht einfach nicht. Und es bleibt ein Job: Würde ich bei Edeka an der Kasse arbeiten, könnte ich auch nicht rotzevoll antreten.

Aber so anstrengend es auch ist – ich liebe es auch, zu reisen und neue Orte kennenzulernen. Und ich weiß vorher nie, wie der Auftritt am Wochenende sein wird. Das ist spannend und macht das meiste wieder gut."


Gerechtigkeit

Die CDU zeigt der SPD gerade, wie man junge Leute in die Politik holt
Entscheidungen auf der Tanzfläche müssen nicht immer die schlechtesten sein.

Nicht im Hinterzimmer, nicht im Privatflugzeug und auch nicht per SMS. Sondern am Rand der Tanzfläche wurde angeblich entschieden, wie es in der CDU weitergeht. So erzählt es zumindest Annegret Kramp-Karrenbauer, als sie Paul Ziemiak, den 33-jährigen Chef der Jungen Union, als neuen Generalsekretär vorstellt. (bento)

Es ist ein Zeichen: Die CDU meint es ernst mit der Erneuerung nach Angela Merkel – und setzt dabei auch auf diese jungen Leute. 

Welches Lied auf der Tanzfläche lief, ist nicht bekannt. Doch die Geschichte klingt ohnehin eher unglaubwürdig. Ausgerechnet die CDU castet auf einer Party einen 33-Jährigen als neuen Generalsekretär? 

In Wirklichkeit dürfte die Entscheidung für Paul Ziemiak etwas anders zustande gekommen sein. Ganz klassisch, irgendwo am Telefon oder in Hinterzimmer-Gesprächen.