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Das Studium ist eine spannende Zeit: Man fühlt sich manchmal irgendwie erwachsen – und dann doch wieder nicht. Man genießt die Freiheit ohne Job und geregelten Tageablauf, gleichzeitig denkt man schon an das nächste Praktikum und wie man Bewerbungen richtig schreibt.

Gegen Ende des Studiums wächst bei vielen die Angst: War es das? Beginnt er jetzt, dieser Ernst des Lebens?

Fühlst du dich vielleicht noch gar nicht so weit? Solltest du nicht schon viel reifer sein, als du es bist? Musst du dich jetzt entscheiden, wie deine komplette Zukunft verläuft?

Campus Coach

In der ersten Woche deines Studiums, der Orientierungswoche, lernst du allerlei Nützliches: Wie du deinen Stundenplan zusammenstellst, wo die Mensa ist oder wie du dir Bücher in der Bibliothek ausleihst. 

Am Campus findest du dich schnell zurecht, aber dann warten erst die richtigen Herausforderungen auf dich: Wie löst du Konflikte mit Dozentinnen oder Kommilitonen? Wie motivierst du dich über mehrere Wochen für die Hausarbeit? 

Wir unterstützen dich in deinem Studien-Alltag und reden mit Expertinnen und Experten über Tipps für jede noch so verfahrene Situation an der Uni.

Über Zukunftsängste und wie man sie bewältigt, haben wir mit zwei Menschen gesprochen, die sich damit gut auskennen:

  • Jutta Zacher, 66, ist Rentnerin und hat selbst 20 Semester studiert, um nicht fertig werden zu müssen. Später hat die Diplom-Mathematikerin jahrezehntelang in der IT-Branche gearbeitet. Heute engagiert sie sich sozial, sie kümmert sich unter anderem als "Granny Au Pair" um junge Familien und bietet Kochkurse für Rentnerinnen und Rentner.
  • Juliane Heess, 31, arbeitet als Studierendencoach im Studentenwerk München und hilft bei studienbezogenen Problemen wie Motivationsschwierigkeiten oder auch Angst vor dem Studienabschluss. Sie gibt Studierenden regelmäßig ausführliche Einzel-Coachings, mit ihren Zitaten gibt sie uns einen Einblick in mögliche Vorgehensweisen. 

6 Ideen, damit du weniger Angst vor dem Ende deines Studiums hast.

1 Überlege dir: Wovor genau hast du eigentlich Angst?

Sind die Jobmöglichkeiten unklar? Hast du unrealistische Erwartungen an das "Erwachsenwerden"? Machst du dir selbst zu viel Druck?

"Früher ging man an die Jobsuche noch mit der Einstellung ran, dass man jetzt nach dem Job sucht, den man sein Leben lang behält", erinnert sich Rentnerin Jutta Zacher. Das habe einem natürlich viel Druck verursacht. Zacher hatte deshalb selbst große Scheu, mit der Uni fertig zu werden. 

Und das sei auch heute noch in Ordnung, sagt Coaching-Expertin Juliane Heess. "Der Wechsel vom Studium ins Berufsleben ist eine Schwelle, die mit Veränderungen und damit auch mit Unsicherheiten einhergeht. Da kann es vollkommen normal sein, Ängste zu haben."

Der erste Schritt sei es, sich seine Angst genauer anzusehen: Je genauer man hinschaue und je mehr man darüber spreche (mit Freunden, Familie oder auch in einer professionellen Beratung), desto greifbarer würden die Ängste – und damit oft auch kleiner. Wenn nicht, bieten viele Unis psychotherapeutische Beratungsstellen und Coachings zur Unterstützung an.

2 Denk dran: Du bist auch weiterhin frei.

Die Zeiten, von denen Zacher erzählt, haben sich gewandelt: Früher sah ein häufiger Jobwechsel im Lebenslauf schlecht aus – heute spricht er für praktische Erfahrungen. Man darf Fehler machen, darf sich ausprobieren. 

Heute gibt es variable Arbeitszeiten und Home Office. "Auch mit einem Job ist man heute viel freier", betont Zacher. Daher solltest du dir nicht zu viel Druck machen: Du bleibst ein freier Mensch. 

3 Hab keine Angst vor dem Tief.

Wer wochen- und monatelang eine Prüfung nach der anderen geschrieben hat und immer unter Anspannung stand, kann nach der Prüfungsphase in ein Tief fallen. Dann kann man sich nicht aufraffen, will schlafen und netflixen – aber nicht auf Jobsuche gehen.

Das ist in Ordnung: "Vielleicht braucht der Körper diese Pause – dann sollte man sie ihm auch gönnen", erklärt Heess. Der Ausblick auf eine bevorstehende Pause könne einem sogar schon während der Prüfungsphase helfen, indem man sich damit motiviert: Wenn du das geschafft hast, kommt danach erst mal eine Pause. Wie lang diese Pause sein sollte, ist dabei ganz individuell.

"Man könnte auf Reisen gehen. Mit etwas Abstand – zeitlich und räumlich – hat man einen viel frischeren Blick auf seine Situation", findet Rentnerin Zacher.

Wenn man aber Angst habe, dass die Phase zu lang werde, könne man dem Loch auch vorbeugen, rät Coach Heess: Indem man zum Beispiel schon vor Beginn der Prüfungsphase Vorkehrungen träfe. Man könne seine Bewerbungsunterlagen schon einmal vorbereiten und an Beratungsstellen der Uni oder der Arbeitsagentur überprüfen lassen oder sich über Alternativen informieren. Damit sei der erste Schritt nach den Prüfungen in Richtung Berufseinstieg schon einmal vorbereitet – und erfordere nicht mehr so eine Überwindung.

4 Du darfst Misserfolge haben.

Es regnet Absagen auf deine Bewerbungen? Dein erster Job war doch nicht das Richtige für dich? "Das ist vollkommen normal", betont Heess. Als Berufseinsteiger gebe es oft noch viele Absagen und Misserfolge – denn es fehle die Berufserfahrung.

"Es ist nunmal so im Leben: Es tun sich immer wieder neue Türen auf – und man muss neugierig bleiben, was sich dahinter wohl verbirgt", weiß Zacher aus Erfahrung. 

Wenn man einfach nicht versteht, warum einem schon wieder abgesagt wurde, könne man durchaus auch mal bei den Unternehmen nachfragen, rät Heess. Oder man tue sich mit anderen zusammen, die auch gerade in der Bewerbungsphase steckten. Zum einen sehe man dann, dass man nicht alleine sei. Zum anderen könne man sich gegenseitig Tipps geben und Erfahrungen austauschen.

5 Sag dir immer wieder: Du hast schon so viel geschafft – das hier jetzt auch!

"Du hast jahrelang darauf hingearbeitet, dein Studium zu schaffen", sagt Zacher. "Damit kannst du jetzt neue Wege gehen. Und es muss nicht der eine Weg sein, es warten viele tolle Chancen auf dich." Schon der Wechsel von der Schule zum Studium sei ein neuer Weg gewesen – aber du hast ihn gemeistert. Warum also jetzt nicht auch den Weg ins Berufsleben? 

6 Dass du einen Job hast, heißt nicht, dass du schlagartig "erwachsen" werden musst.

Viele scheinen mit "erwachsen" auch "langweilig" oder "spießig" zu verbinden. Aber das muss es doch gar nicht sein: Du kannst auch als berufstätiger Mensch in einer WG wohnen bleiben, wenn du das willst. Du kannst auch immer noch abends ausgehen – nur unter der Woche vielleicht nicht mehr so lange wie früher.

"Erwachsenwerden ist ein Prozess – kein Punkt, der mit einem Arbeitsvertrag schlagartig beginnt", sagt Heess.

Auch Zacher findet: "Das Leben ist nicht zu Ende, wenn man in den Beruf geht. Das habe auch ich festgestellt. Mir hat mal jemand gesagt: 'Jutta, wir sind alt. Auch du bist alt – aber du musst erwachsen werden.' Ich bin bis heute wohl noch nicht erwachsen. Und das stört mich gar nicht."


Fühlen

Pille absetzen? Nein, danke!

Von einem Verhütungsmittel erwarte ich vor allem eines: Sicherheit. Deshalb nehme ich die Pille, denn bei vielen anderen Verhütungsmitteln habe ich das Gefühl, nie genau zu wissen, ob sie richtig sitzen und richtig wirken.

Ja, die Pille kann schlimme Nebenwirkungen haben, und erhöht das Risiko für Depressionen und Thrombosen. 

Das Risiko bin ich bereit einzugehen – für meine Freiheit. 

Weshalb ich der Meinung bin, dass wir aufhören sollten, nur über die negativen Nebenwirkungen der Pille zu sprechen, erkläre ich oben im Video.