Hier lernst du Spekulieren.

Mit Aktien zu spekulieren, kann Spaß machen. Ich habe damit begonnen, als ich 17 war und mit Begeisterung das Auf und Ab an den Börsen verfolgt. So lernte ich, die Finanzmärkte zu verstehen. Allmählich ging mir auf, dass es viel besser wäre und mehr Spaß machen würde, dieses Verständnis zu nutzen, um erfolgreich zu investieren statt nur zu spekulieren, was einem Lotteriespiel gleichkommt.

Zum Glück gibt es ein Vorbild, an dem wir Kleinanleger uns orientieren können, um langfristig erfolgreich ein kleines Vermögen zu erwirtschaften: den norwegischen Ölfonds.

Binnen 20 Jahren hat der pro Norweger mehr als 160.000 Euro zugelegt. Im abgelaufenen Jahr hat er eine Rendite von mehr als 13 Prozent erzielt. Das ist mehr als der deutsche Leitindex Dax, zu dem Schwergewichte wie Bayer oder BMW zählen.

Dieser Erfolg ist systematisch: Seit Start 1998 hat der Ölfonds mit sechs Prozent eine höhere durchschnittliche Jahresrendite erreicht als der Dax, immerhin einer der wichtigsten Indizes der Welt. Nicht nur das, er schaffte das sogar bei niedrigerem Risiko. 

Buch "Reich wie Norwegen"

Eine höhere Rendite als der Dax und das bei weniger Risiko – der Erfolg des norwegischen Ölfonds ist beeindruckend. Wie auch Kleinanleger nach norwegischem Vorbild erfolgreich investieren können, erklärt Clemens Bomsdorf in einer fünfteiligen Serie bei bento. Wer es noch detaillierter wissen will, dem sei sein Buch empfohlen: "So werden Sie reich wie Norwegen – Genial einfach ein Vermögen aufbauen", erschienen bei Campus. (Wenn du über diesen Link kaufst, bekommen wir unter Umständen eine Provision.)

Denn der Fonds schwankte von Jahr zu Jahr weniger als der Dax, hat also sein Vermögen sicherer angelegt. Wer zwischendurch doch mal an sein Geld muss, fährt mit weniger Schwankungen besser – außerdem ist es für die Nerven angenehmer.

Der Ölfonds ist trotz seines Milliardenvermögens uns Kleinanlegern ziemlich ähnlich. Im zweiten Teil dieser Serie habe ich ein paar Fragen gestellt. (bento)

Je mehr du davon mit Ja beantwortet hast, desto norwegischer bist du. Konkret geht es darum, dass private Sparer genauso wie der Ölfonds vor allem folgendes wollen:

  • längerfristig Vermögen aufbauen
  • monatlich pro Kopf eine überschaubare Summe sparen
  • flexibel bleiben, also notfalls auch einmal mit dem Sparen pausieren zu können
  • das Risiko gering halten
  • in Märkte investieren, die jedem offen stehen
  • ethisch handeln

Was aber heißt das konkret für die eigene Geldanlage?

Ihr müsst regelmäßig, möglichst jeden Monat, eine bestimmte Summe zurücklegen. Alle vier Wochen 50 Euro ab Mitte 20 investiert, können die Rente bei sechs Prozent jährlichem Plus – das hat der Ölfonds geschafft – um 600 Euro monatlich aufbessern.

Beim Sparen und Investieren darf es keine Rolle spielen, ob es an den Aktienmärkten gerade nach oben oder unten geht. Solange ihr die 50 Euro oder auch mehr (notfalls geht es sogar mit weniger) habt, legt das Geld an

Aktien-ABC

Dax: An den Börsen werden ähnliche Wertpapiere in sogenannten Indizes gebündelt. Der Deutsche Aktienindex, kurz Dax, misst die Wertentwicklung der 30 größten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes. Deswegen ist er auch bekannt als Dax-30.

Dividende: Der an die Aktionäre ausgezahlte Unternehmensgewinn.

Rendite: So wie beim Ackerbau nach einer erfolgreichen Aussaat irgendwann die Ernte eingefahren wird, werfen Finanzanlagen Geld als Ertrag ab. Das nennt sich dann Rendite; häufig wird auch der Begriff Performance benutzt. Um die Rendite unterschiedlicher Anlagen vergleichbar zu machen, wird diese als Anteil des ursprünglichen Investments ausgedrückt und in Prozent angegeben.

Wichtig ist es auch, die Kosten gering zu halten und nicht auf teure Fonds zu setzen, die jährlich oft 1,5 Prozent Gebühren kosten – Geld, dass sonst für euch da ist. Am besten gelingt das, indem breit gestreut in ETFs (siehe Infos unten) investiert wird. 

Um ein angemessenes Risiko einzugehen, also nicht zu viel und nicht zu wenig (denn das schmälert die Chancen) gilt es, wie die Norweger einen entsprechenden Mix aus Aktien und Anleihen zu wählen.

Das passende persönliche Risiko einzuschätzen ist vielleicht das Schwierigste bei der Nachahmung der Strategie des norwegischen Ölfonds. Dessen Erfolg war von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Für alle, die ähnlich anlegen, heißt das: Es kann schon einmal mehr als 20 Prozent nach unten gehen.

Das nennt sich dann Verlustrisiko. Wichtig ist zu wissen, dass solche Schwankungen letztlich kaum eine Rolle spielen, wenn langfristig angelegt wird. Ob dein Geld nach fünf Jahren um satte 30 Prozent geschrumpft ist, ist unerheblich, solange nach weiteren fünf oder 15 Jahren die Endsumme stimmt.

Um das zu verstehen, hilft ein Vergleich mit dem Fußball: Es gilt, am Ende der Saison in der Tabelle oben zu stehen, ein einzelner Spielausgang ist nicht entscheidend.

Aktien-ABC – Teil 2

Anleihe: Wer in eine Anleihe investiert, leiht einem Staat oder Unternehmen Geld. Statt wie bei einer Aktien Unternehmensanteile zu erwerben, wird der Firma oder dem Staat eine Art Kredit gegeben, auf den jährlich ein fester Zinssatz gezahlt wird.

Index: An den Börsen bündeln Indizes ähnliche Wertpapiere. Am bekanntesten sind die Leitindizes wie für Deutschland der DAX (Abkürzung für Deutscher Aktien­index), der die 30 größten Unternehmen enthält. International wird viel mit den großen Indizes von Anbietern wie MSCI oder FTSE gearbeitet. Deren Indizes machen es möglich, regionale, weltweite oder branchenspezifische Wertentwicklungen zusammenzufassen. ETFs bilden Indizes ab und erlauben so, in alle Werte zu investieren, die einen bestimmten Index ausmachen.  

ETF: Die drei Buchstaben stehen für Exchange Traded Fund. Das sind Fonds, die keine aktiven Manager haben, die darüber entscheiden, ob eine bestimmte Aktie oder Anleihe gekauft werden soll oder nicht, sondern die lediglich einen bestimmten Index kopieren. Deshalb benutzt man auch den Ausdruck "passives Investieren".

Wer bereit ist, ein höheres Risiko einzugehen, meint, besser mit solchen Schwankungen klarzukommen und rechnet langfristig auch mit mehr Rendite. Für ein Investment nach Ölfondsvorbild bedeutet das, einen großen Teil der Ersparnisse in Aktien zu stecken.

Je länger das Geld nicht benötigt wird, desto leichter lässt sich das machen. Der Rest fließt in Anleihen, die jedes Jahr einen festen, aber niedrigen Ertrag abwerfen. Je höher deren Anteil ist, desto schlechter dürfte sich die Geldanlage langfristig entwickeln, dafür fallen die Schwankungen geringer aus. Wer erst Mitte 20 ist und Geld zurücklegt, um in den Vierzigern oder noch später etwas sorgloser leben zu können, der kann beim Investieren, wenn er mag, ruhig eine Aktienquote von 70 oder gar 80 Prozent eingehen (der Ölfonds investiert derzeit etwa 70 Prozent in Aktien). 

Der norwegische Ölfonds hält Aktien von mehr als 9000 Unternehmen und eine ebenfalls enorme Anzahl von Anleihen. Um als Privatperson ähnlich breit zu streuen wie der norwegische Staatsfonds empfehlen sich Anleihen- und Aktien-ETFs auf bestimmte Indizes.

Diese sollten so ausgewählt werden, dass die ganze Welt abgedeckt wird und weder Schwellenländer, noch die Aktien kleinerer Unternehmen, so genannte Small Caps, vernachlässigt werden. Wer ganz wenig Geld investieren möchte, startet damit, für den Aktienpart lediglich in einen ETF, etwa auf den – Achtung, nun kommen viele Abkürzungen, aber da müssen wir durch – MSCI ACWI zu investieren.

ACWI steht hier für All Country World Index. Der enthält, anders als der MSCI World, was er verspricht. Denn berücksichtigt werden beim MSCI ACWI auch aufstrebende Schwellenländer wie Indien oder China. Wenn nun noch die drei Buchstaben IMI angehangen werden, sind auch Small Cape inbegriffen und SRI beschränkt sich auf relativ nachhaltige Unternehmen.

Längerfristig sollten jedoch mehrere ETF gewählt werden. Wie bei deren Auswahl möglichst ethisch vorgegangen werden kann und was das bedeutet, erkläre ich im vierten Teil dieser Serie.

So wirst du reich wie Norwegen. Alle Artikel im Überblick

In einer fünfteiligen Serie erklärt der Journalist Clemens Bomsdorf bei bento, wie Kleinanleger nach norwegischem Vorbild erfolgreich investieren können. 

Teil 1: Ich habe mit 18 meine erste Aktie gekauft – das habe ich seitdem gelernt

Teil 2: Du willst reich werden, ohne zu arbeiten? Dann nimm dir Norwegen zum Vorbild

Teil 3: Du hast keine Ahnung von Aktien? So machen sie dir sogar Spaß

Teil 4: Erfolgreich Aktien kaufen: Diese fünf Dinge solltest du beachten

Teil 5: Ooops, aus Versehen in Schusswaffen investiert?


Haha

14 Tweets, die Deutschland perfekt zusammenfassen

In Deutschland gibt es wirklich für alles Regeln. Und Schilder, auf denen die Regeln stehen. Alles hat seine Ordnung. Und manchmal ist das so überkorrekt, dass es schon wieder lustig ist. 

Hier sind 14 Tweets, die deutsche Ordnung perfekt zusammenfassen: