Für die Misserfolge von Kleinanlegern gibt es viele Gründe – du kannst sie vermeiden.

Beim Spekulieren mit Aktien sind die meisten Deutschen nicht besonders erfolgreich. Mir ging es lange genauso – bis ich erkannte, dass das vor allem psychologische Gründe hat. Wer die allzu menschlichen Fehler kennt, die dem Börsenerfolg häufig im Weg stehen, dem fällt es leichter, langfristig viel Geld zu verdienen. 

Bisher folgen nur wenige Kleinanleger der einfachen wie logischen und erfolgsversprechenden Strategie des norwegischen Ölfonds, die ich in dieser kleinen Serie bereits an anderer Stelle erklärt habe.

Stattdessen setzen sie lieber auf "Geheimtipps" oder hören auf ihr Bauchgefühl, weil sie auf eine noch viel höhere Rendite hoffen – und scheitern. Am Ende bekommen sie eine mickrige Jahresrendite und tragen dabei ein hohes Risiko. So berichtete das Wirtschaftsmagazin Capital, dass deutsche Anleger in den Jahren 1999 bis 2016 mit Aktien eine Rendite von minus 0,2 Prozent erzielt haben  – der norwegische Ölfonds kam in einem ähnlichen Zeitraum auf rund 6 Prozent pro Jahr.

Während der durchschnittliche deutsche Aktionär also jedes Jahr Geld verloren hat, legte das Vermögen dessen, der dem Ölfonds folgte, kräftig zu. Das kannst auch du erreichen!

Für die Misserfolge von Kleinanlegern gibt es viele Gründe. Unter anderem versuchen viele es mit dem sogenannten Market Timing und kaufen und verkaufen ständig, weil sie meinen, der nächste Crash stünde unmittelbar bevor oder jetzt sei es besonders wichtig auf IT- statt auf Gesundheitsaktien zu setzen. Oft endet das damit, dass sie ihre Papiere verkaufen, wenn sie fallen und erst wieder einsteigen, wenn der Verkaufspreis schon längst überschritten wurde – und dabei natürlich ordentlich Gebühren zahlen.

Buch "Reich wie Norwegen"

Eine höhere Rendite als der Dax und das bei weniger Risiko – der Erfolg des norwegischen Ölfonds ist beeindruckend. Wie auch Kleinanleger nach norwegischem Vorbild erfolgreich investieren können, erklärt Clemens Bomsdorf in einer fünfteiligen Serie bei bento. Wer es noch detaillierter wissen will, dem sei sein Buch empfohlen: "So werden Sie reich wie Norwegen – Genial einfach ein Vermögen aufbauen", erschienen bei Campus. (Wenn du über diesen Link kaufst, bekommen wir unter Umständen eine Provision.)

Zu den drei fatalsten Fehlern, auf die viele private aber auch professionelle Anleger reinfallen, zählen: 

  • Selbstüberschätzung
  • Rückschaufehler 
  • Kontrollillusion

Selbstüberschätzung

Fangen wir mal mit einer Frage an, die erstmal überhaupt nichts mit Aktien zu tun hat: Glaubst du, dass du überdurchschnittlich gut Auto fährst? Ja? Ich auch. Wenn man 1000 Leute befragen und diejenigen, die meinen, sie führen überdurchschnittlich gut, zusammenzählen würde, kämen da schätzungsweise 600 oder 700 Leute zusammen. Wahrscheinlich sogar mehr. Wenn sich alle richtig eingeschätzten würden, dürften es aber nur 500 sein.

Ähnlich verhält es sich mit den Aktieninvestoren. Hier ist ebenfalls eine Mehrheit davon überzeugt, besser als der Markt zu handeln. Das kann aber ebenfalls schon rein rechnerisch nicht sein. Denn es muss auch jene 50 Prozent geben, die schlechter als der Durchschnitt handeln. Soll heißen, dass viele Anleger dazu neigen, sich selbst zu überschätzen.

Wer versteht, dass es deshalb absolut in Ordnung ist, im Schnitt so gut zu sein wie der Markt, investiert wie der norwegische Ölfonds breit gestreut ziemlich passiv und arbeitet vor allem daran, Risiken zu minimieren. Und ist so auf lange Sicht erfolgreicher als er es mit einem teurem Fonds, Festgeld oder einer vermieteten Immobilie sein würde.

Aktien-ABC – Teil 3

Crash: Wenn die Aktie eines Unternehmens plötzlich abstürzt, also stark an Wert verliert, heißt das bei Börsianern Crash. Oft wird das Wort auch gebraucht, wenn viele Wertpapiere und damit ein kompletter Index abrupt fallen.

Kurserholung: Wenn Aktienkurse nach einem Crash oder einem länger anhaltenden Fall wieder steigen, nennt man das Kurserholung.

Kryptowährung: Unsere Währung heißt Euro, neuerdings gibt es auch digitale Währungen, die zwar für Bezahl-Vorgänge (vor allem im Internet) benutzt werden können, aber vor allem Spekulationsobjekt sind. Weil dieses digitale Geld mit Hilfe einer spezielle Technik erstellt wird, die das Fälschen unmöglich machen soll, spricht man von einer Kryptowährung.

Rückschaufehler

Man neigt besonders stark dazu, sich zu überschätzen, wenn man glaubt, mit seinen Annahmen bisher immer verdammt gut gelegen zu haben. Doch genau mit dieser Einschätzung sollte man vorsichtig sein. Wie bei vielen Dingen im Leben gilt auch hier: Hinterher ist man immer klüger und meint, gute wie schlechte Entwicklungen im Nachhinein "immer schon gewusst" zu haben.

Schau dir mal den drastischen Absturz, gefolgt von einer Rallye bei britischen Aktien unmittelbar nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 an. Oder – um eine längere Entwicklung zu betrachten – erst Crash und dann Kurserholung nach der Finanzkrise von 2008. Viele Leute tönten da im Nachhinein: "Das war ganz klar eine Überreaktion, wie die Aktien da abgestürzt sind, die mussten ja aufholen." Doch wenn das alles schon immer klar war – warum haben die meisten Anleger den Kurssturz dann nicht genutzt, um sich massiv mit Papieren einzudecken, um sie später wieder abzustoßen und sich eine goldene Nase zu verdienen? 

Kontroll-Illusion

Wer glaubt, die Dinge größtenteils selbst in der Hand zu haben und einzelne Anlageerfolge auf die eigenen Fähigkeiten und nicht auf Zufall oder Glück zurückführt, irrt sich fast immer. Denn wohl niemand konnte den (zeitweiligen) enormen Erfolg von Aktien wie Amazon oder der Kryptowährung Bitcoin konkret vorhersagen kann. Wer das getan hat, dürfte bei anderen Werten daneben gelegen haben. Deshalb ist es viel zu riskant, ganz stark auf Einzelwerte zu setzen.

Wenn du erfolgreich Geld anlegen willst, beachte diese fünf Tipps:

  1. Sag "Nein Danke", wenn Dir jemand ganz heiße Anlagetipps gibt, die eine enorme Rendite (zum Beispiel +170 Prozent in sieben Monaten) versprechen und angeblich so gut wie sicher sind. 
  2. Sei ebenso kritisch bei Crash-Propheten, die angeblich die Finanzkrise 2008 oder andere Abstürze vorhergesagt haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deren Prognosen vage waren oder sie viele weitere Dinge auch vorausgesagt haben, die dann aber nicht eingetreten sind. Diese Misserfolge bleiben nämlich häufig unerwähnt. In dem Fall ist die angebliche Prognose wohl eher ein Zufallstreffer, der sich gut in der Rückschau rationalisieren lässt.
  3. Ärger Dich nicht, wenn bestimmte Einzelinvestments – egal ob eine Aktie wie Tesla oder die Kryptowährung Bitcoin – sich über einen Zeitraum sehr gut entwickelt haben, Du diesen Boom aber verpasst hast. Das fällt Dir natürlich erst im Nachhinein auf und dann erscheint es auch so verdammt logisch, dass ausgerechnet diese Werte explodieren mussten. Doch es gibt bestimmt genauso viele Werte, die schlecht gelaufen sind und in die Du auch hättest investieren sein können – es aber zum Glück nicht getan hast. Schau Dir nur einmal an, was passiert wäre, wenn Du zum „falschen“ Zeitpunkt bei Bitcoin eingestiegen wärst.
  4. Sei froh, mit Deiner Geldanlage eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften und die Kosten gering zu halten. 
  5. In Finanzdingen nicht rational zu handeln und auf unglaubliche Versprechen hereinzufallen ist menschlich. Natürlich ist es ärgerlich, wenn Dir das passiert ist, aber verbuche das unter dem Posten "Lehrgeld". Und sorg vor allem dafür, es in Zukunft besser zu machen.

So wirst du reich wie Norwegen. Alle Artikel im Überblick

In einer fünfteiligen Serie erklärt der Journalist Clemens Bomsdorf bei bento, wie Kleinanleger nach norwegischem Vorbild erfolgreich investieren können. 

Teil 1: Ich habe mit 18 meine erste Aktie gekauft – das habe ich seitdem gelernt

Teil 2: Du willst reich werden, ohne zu arbeiten? Dann nimm dir Norwegen zum Vorbild

Teil 3: Du hast keine Ahnung von Aktien? So machen sie dir sogar Spaß

Teil 4: Erfolgreich Aktien kaufen: Diese fünf Dinge solltest du beachten

Teil 5: Ooops, aus Versehen in Schusswaffen investiert?


Today

Abiturient kotzt in Polizeiauto und entschuldigt sich später mit einer sehr lustigen Mail
15 Punkte für den Erörterungsaufsatz über Kotze.

Wie beginnt man eigentlich einen Brief, wenn man fremden Menschen ins Auto gekotzt hat und es sich bei den Fremden auch noch um Polizisten handelt? Vielleicht so: