Dabei ist ethisch korrektes Anlegen möglich.

Ok, ich gebe es sofort zu: Sobald man bei Aktienkäufen versucht, ethisch korrekt zu handeln, wird es kompliziert. Es ist viel einfacher, nur auf die Gewinnmaximierung zu setzen, als dabei gleichzeitig auch noch die Gegenwart und Zukunft unseres Planeten im Auge zu behalten. Aber genau das sollte jeder von uns tun, der als Aktionär die Strategie des norwegischen Ölfonds nachahmt. Der legt ethische Kriterien an, die auch uns Kleinanlegern als Orientierung dienen können. 

"Wir haben nur eine Erde" – es gibt wohl kaum ein Zitat, dass so gut auf den Punkt bringt, wie wichtig der schonende Umgang mit Ressourcen ist. Deshalb müssen Unternehmen wie Verbraucher nachhaltig wirtschaften. Das heißt, Rohstoffe nur so verbrauchen, dass der Konsum möglichst nicht zu Lasten künftiger Generationen geht.

"Ich habe doch gar keine Möglichkeiten, nachhaltig zu handeln", "Welchen Unterschied kann ein Einzelner schon machen?", diese Sätze sagen sich leicht dahin. Sowieso sind am Klimawandel, an genereller Umweltverschmutzung, niedrigen Löhnen und Steuervermeidungsstrategien eigentlich immer andere Schuld.

Verbraucher schimpfen auf die Politik und die Großkonzerne, die wiederum den Wettbewerb und eben die Nachfrage der Verbraucher dafür verantwortlich machen, dass sie nicht umweltfreundlicher produzieren, fairer Steuern zahlen und bessere Sozialstandards bieten können. Mittendrin stehen die Aktionäre, die sowohl Unternehmer als auch Verbraucher sind, also auf beiden Seiten stehen. 

Buch "Reich wie Norwegen"

Eine höhere Rendite als der Dax und das bei weniger Risiko – der Erfolg des norwegischen Ölfonds ist beeindruckend. Wie auch Kleinanleger nach norwegischem Vorbild erfolgreich investieren können, erklärt Clemens Bomsdorf in einer fünfteiligen Serie bei bento. Wer es noch detaillierter wissen will, dem sei sein Buch empfohlen: "So werden Sie reich wie Norwegen – Genial einfach ein Vermögen aufbauen", erschienen bei Campus. (Wenn du über diesen Link kaufst, bekommen wir unter Umständen eine Provision.)

Die angebliche Hilflosigkeit ist vor allem eins: eine faule Ausrede. Denn mit dem Kapitalismus ist es wie mit der Demokratie. Jeder Einzelne kann etwas ausrichten – mit seiner Stimme und seinem Kaufverhalten, mit seinem Engagement und natürlich, indem er sich informiert, und damit eine wohlbegründete Entscheidung fällt, was er wählt, kauft oder in was er investiert. 

Deshalb nochmal zurück zur Strategie der norwegischen Ölfonds: Dem reicht es nicht, dass es als legal gilt, was ein Unternehmen macht; die Geschäftspraktiken sollen moralisch in Ordnung sein. Als inakzeptabel gelten zum Beispiel: 

  • eine umfassende oder systematische Verletzung der Menschenrechte,
  • starke Umweltverschmutzung (etwa wenn der Klimakiller Kohle eine bedeutende Rolle spielt),
  • die Produktion bestimmter Waffentypen wie Streu- oder Atombomben.

Unternehmen wie die US-Einzelhandelskette Wal-Mart oder die Flugzeugbauer Airbus und Boeing erhalten deshalb weder Geld für Anleihen noch für Aktien. 

Allerdings muss ich an dieser Stelle einräumen: Das im Ausland angelegte Milliardenvermögen Norwegens stammt aus dem Export von Öl. Wir alle wissen, dass dessen Verbrennung ein Klimakiller ist.

Aktien-ABC – Teil 4

Anleihe: Neben Aktien dienen auch Anleihen der Unternehmensfinanzierung. In diesem Fall erwirbt der Käufer keine Unternehmensanteile, sondern leiht sich Geld. Es handelt sich deshalb ähnlich wie bei einem Bankkredit um  Fremdkapital. 

EFT: Die drei Buchstaben stehen für Exchange Traded Funds. Das sind  Fonds, die keine aktiven Manager haben, die darüber entscheiden, ob eine bestimmte Aktie gekauft werden soll oder nicht, sondern die lediglich einen bestimmten Index kopieren. Deshalb benutzt man auch den Ausdruck "passives Investieren".

Hauptversammlung: Die zumeist jährlich stattfindenden Treffen der Aktionäre eines Unternehmens, auf denen über die Besetzung des Aufsichtsrats und andere grundlegenden Entscheidungen sowie der Höhe der  Dividende abgestimmt wird. Auf der Hauptversammlung haben alle Aktionäre das Recht zu sprechen, kritische Aktionäre nutzen das immer wieder, um sich zu beschweren, wenn sie mit der Unternehmenspolitik nicht einverstanden sind, etwa weil zu viele Arbeitsplätze gestrichen werden oder ihnen die Produktion bestimmter Produkte nicht gefällt. 

Indizes und Index-Anbieter: An den Börsen werden ähnliche Wertpapiere in sogenannten Indizes gebündelt. Dazu gehören neben dem Dax hunderte weitere. Manchmal werden Unternehmen vereint, die einer ähnlichen Strategie folgen, manchmal (wie beim Dax) jene, die im selben Land oder in der selben Region ansässig sind. Die Firmen, die diese Indizes erstellen, sind die Index-Anbieter. Zu den bekanntesten zählen MSCI und FTSE.

Wenn Norwegen und der Ölfonds nun als ethisch verantwortungsvoll auftreten, zeugt das von einer gewissen Doppelmoral. Gleichzeitig sind wir es, also die anderen Länder, die das norwegische Öl verbrennen. Außerdem ist es erheblich besser, beim Anlegen des Geldes, das mit dem Ölgeschäft verdient wurde, möglichst ethisch vorzugehen, als (wie viele andere Investoren) überhaupt gar keine Moral zu haben. 

Wie schon an anderer Stelle in dieser Serie erläutert, sind ETFs eine gute Möglichkeit, sein Geld anzulegen. Denn von ihnen gibt es nachhaltige Varianten. Diese werden zwar nie zu 100 Prozent die eigenen Ansprüche befriedigen, helfen aber, so ethisch wie möglich zu investieren. Schließlich ist es besser, seine Ziele zu 80 Prozent zu erreichen, als gar nicht.

Die mit dem Kürzel SRI (Socially Responsible Investment, also sozial verantwortliche Anlage) gekennzeichneten Indizes schließen beispielsweise Unternehmen aus, die in den folgenden Bereichen tätig sind:

  • Alkohol und Tabak,
  • Atomenergie,
  • gentechnisch veränderte Organismen,
  • militärische Waffen und zivile Schusswaffen,
  • Pornografie.

Der Indexanbieter MSCI geht noch weiter und kombiniert diesen Ausschluss mit dem sogenannten "Klassenbesten"-Verfahren. Das bedeutet, dass nur diejenigen Unternehmen, die in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung besonders gut abschneiden, in den Index kommen. Beispiele für entsprechende ETFs sind der iShares MSCI Europe SRI UCITS ETFund der UBS MSCI World Socially Responsible UCITS ETF.

Index-Anbieter haben diverse weitere und speziellere Nachhaltigkeitsindizes. MSCI zum Beispiel den Globalen Umweltindex (MSCI Global Environment Index). Dieser enthält nur Unternehmen, die mindestens die Hälfte ihres Umsatzes mit alternativen Energien, nachhaltiger Wasserwirtschaft, ökologischem Bauen oder Abgasvermeidung oder -reinigung verdienen. 

Leider ist die Auswahl von ETFs auf nachhaltige Indizes noch relativ gering. Je höher die Nachfrage nach diesen Produkten ist, desto größer dürfte jedoch das Angebot werden. Auch als Kleinanleger kann man also etwas tun.

Es gibt auch Organisationen wie die Kritischen Aktionäre, die sich für einen besseren Kapitalismus einsetzen und dafür die Unterstützung von Kleinanlegern brauchen. Als nachhaltige Banken gelten zum Beispiel GLS, Triodos oder Ethikbank. 

Jeder hat es als Konsument und Investor mit seiner Nachfrage in der Hand, nachhaltiger zu handeln und die Unternehmen ein klein wenig zu beeinflussen. Das ist gar nicht so schwer und erheblich besser, als nur zu meckern. 

So wirst du reich wie Norwegen. Alle Artikel im Überblick


Musik

Die Amerikaner fragen sich: "Gzuz, warum bist du nur so?"
Das neue Video von Gzuz wird gerade heiß diskutiert.

Gestern erschienen, heute schon 2,5 Millionen Views auf YouTube: Das neue Video von Gzuz geht hart ab – wie zu erwarten. In den deutschen YouTube-Trends liegt es bereits auf Platz 1 – noch vor Bibis großem "Geheimnis" (bento). 

Sorry Bibi, aber da muss man auch echt Platz machen. Denn Gzuz wird dieses Mal richtig deep und stellt sich die Frage nach dem "Warum". Im gleichnamigen Song fängt der 187er geradezu an zu reflektieren. "Gzuz, warum bist du nur so?", rappt er. "Warum immer diese Sachen, aber nix mit Niveau? Warum dies? Warum das? Warum nicht einmal mit Message?"

Leider fällt ihm dann auf, dass er keine Antwort auf diese Fragen hat und pöbelt in gewohnter Wortakrobatik zurück: "Und ich denk' mir nur, warum hältst du nicht einfach die Fresse?"

Aber hey: Immerhin gibt es andere Menschen, die seinen Fragen auf den Grund gehen wollen. Zum Beispiel die US-Amerikaner.