Drei Frauen und ein Mann erzählen von ihren Erfahrungen.

Bei manchen wird es immer mehr: mehr Überstunden, mehr berufliche Mails, die am Wochenende beantwortet werden. Während viele nur davon träumen, endlich mal Zeit für sich zu haben, ziehen andere es einfach durch: die Vier-Tage-Woche.

Bringt das wirklich etwas? Was macht man mit der zusätzlichen freien Zeit? Und wie wirkt sich dieses Arbeitsmodell auf die eigene Leistung im Job aus?

Drei Frauen und ein Mann erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen.

Sophie, 22, stellvertretende Filialleiterin bei Lidl, Berlin

Meine Ausbildung habe ich ganz regulär in einer 40-Stunden-Woche gemacht. Mein Freundeskreis besteht zum großen Teil aus Studenten, die ich immer um ihre viele Freizeit beneidet habe. Während sie zum Sport gehen konnten, musste ich immer arbeiten. Auch nach der Arbeit Ausgehen war kaum möglich. Entweder war ich zu müde oder musste am nächsten Morgen wieder um fünf Uhr aufstehen.

Mein Chef hätte es gerne gesehen, dass ich nach meiner Ausbildung mit fünf Tagen weiter mache, aber ich habe auf die Vier-Tage-Woche bestanden. Ich wollte endlich wieder Freizeit haben. Jetzt verdiene ich genau so viel, wie während meiner Ausbildung in einer 5-Tage-Woche. Dafür habe ich jetzt auch Zeit, das Geld auszugeben.

Im Einzelhandel hat man selten zwei Tage am Stück frei, von einem klassischen Wochenende träumen viele nur. Während meiner Ausbildung habe ich mich an meinen freien Tagen oft einfach nur erholt. Jetzt treffe ich meine Freunde und meine Familie viel öfter.

Und auch meine Arbeit profitiert davon: Ich bin automatisch viel motivierter und kann mehr Leistung bringen. Mehr würde ich trotzdem nicht frei haben wollen. Mir macht meine Arbeit Spaß und wäre ich nur noch drei Tage da, würde mir sehr schnell langweilig werden.

In der Slideshow: Diesen Berufen vertrauen die Deutschen am meisten

Welche Jobs genießen bei den Deutschen das größte Vertrauen? Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat das untersucht. Auf Platz 8 landeten Ingenieure und Techniker.
Auf Platz 6: Lokführer (obwohl die doch dauernd streiken?).
Noch ein wenig seriöser finden die Deutschen aber: Apotheker. Platz 4!
Unangefochten auf Platz 1: Feuerwehrmänner.
1/12
Fabian, 28, Industriedesigner bei IXDS, München

Ich habe mich nicht bewusst für eine Vier-Tage-Woche entschieden. Mein jetziger Chef ist mein ehemaliger Uniprofessor und fragte mich, ob ich bei ihm in der Firma einsteigen möchte. Ich wusste von der Vier-Tage-Woche für alle Mitarbeiter und war neugierig, ob und wie das funktioniert.

Für mich war immer schon wichtig, einigermaßen entspannt durchs Leben zu gehen und darauf zu achten, dass ich ausgeglichen bin. Aber seit ich vor drei Monaten in der Firma angefangen habe, bin ich so tiefenentspannt wie selten zuvor. Ich habe richtig viel Zeit, um Sport zu machen, spiele Volleyball und fahre BMX. Außerdem habe ich noch eine eigene Firma mit zwei Freunden zusammen. Ich finde es natürlich gut, für die auch mal mehr arbeiten zu können.

Ich habe das Gefühl, dass alle durch die verkürzte Woche gerne mehr Leistung bringen. Natürlich schafft man nicht so viel wie in fünf Tagen, aber man verschwendet auch weniger Zeit und hat seltener Leerlauf. Durch die drei freien Tage starte ich mit viel mehr Inspiration in die neue Woche. Und wenn dienstagabends schon die Hälfte der Woche herum ist, hebt das natürlich die Laune.

Der einzige, der sich wundert, ist mein Opa: Er hat sein Leben lang viel gearbeitet und ich habe einen Vollzeitjob mit nur vier Tagen, das irritiert ihn manchmal schon.

Juliane, 30, Art-Directrice bei Frische Fische, Dresden

Als mein Chef vorschlug, für die gesamte Agentur eine optionale Vier-Tage-Woche einzuführen, war ich zunächst skeptisch. Ich hatte Arbeit und Freizeit gut organisiert und wollte diese Organisation nicht über den Haufen werfen.

Als die Pläne konkreter wurden, entschied ich mich für das Experiment – mit der Möglichkeit, wieder in eine Fünf-Tage-Woche zurückzukehren. Jetzt, eineinhalb Jahre später, arbeite ich immer noch vier Tage die Woche und die Skepsis ist verflogen.

Den freien Freitag sehe ich nicht als Teil meines Wochenendes. Ich lege mir auf diesen Tag ganz bewusst Dinge, die eher wenig Spaß machen: Putzen, Einkaufen, Arzttermine. Außerdem bietet er mir die Möglichkeit, mich auf meine Projekte als selbstständige Fotografin zu konzentrieren.

Die Vier-Tage-Woche wirkt sich auch positiv auf meinen Job in der Agentur aus. Durch die drei freien Tage fällt es mir viel leichter, abzuschalten und Abstand von den Aufgaben zu bekommen. Gerade im kreativen Bereich ist das wichtig, um wieder neue Inspiration zu finden. Außerdem fühlen sich meine Arbeitstage strukturierter an. Ich vertrödele viel weniger Zeit.

Inzwischen kann ich mir nicht mehr vorstellen, fünf Tage die Woche zu arbeiten. Im Nachhinein bin ich meinem Chef sehr dankbar, denn von alleine wäre mir vermutlich nicht der Gedanke gekommen, drei Tage Wochenende zu wollen.

Christine, 28, Personalmanagerin bei Bike Citizens, Graz

Mir war klar, dass ich nach meinem Studium nur vier Tage arbeiten möchte, dementsprechend habe ich nach solchen Stellen gesucht. Mein jetziger Arbeitgeber hat vor knapp zwei Jahren die Vier-Tage-Woche für seine Mitarbeiter eingeführt: Freitags haben alle frei. Das war natürlich ein ausschlaggebender Punkt, mich zu bewerben.

Ich arbeite Vollzeit, bei uns sind das lediglich 36 Stunden in der Woche. Es ist zwar manchmal anstrengend, diese auf vier Tage aufzuteilen, aber der dritte Tag Wochenende entschädigt dafür allemal.

Außerdem kann ich mich durch die längeren Tage gut in größere Projekte eindenken, ohne dass der Arbeitstag schon wieder vorbei ist. Manchmal muss ich auch an einem Freitag ins Büro, wenn wichtige Dinge liegen geblieben sind. Dann habe ich oft das ganze Büro für mich alleine, was den Arbeitstag sehr entspannt macht.

Obwohl ich nie länger in einer regulären Fünf-Tage-Woche gearbeitet habe, weiß ich den zusätzlichen Tag Wochenende sehr zu schätzen. Viele meiner Freunde arbeiten Teilzeit oder studieren noch, so können wir uns schon morgens zum Frühstück zu treffen. Das verbessert die Lebensqualität ungemein. Außerdem kann ich öfter kleine Urlaube planen oder in meine Heimat Wien fahren. Und mein Hund freut sich auch, wenn ich mehr Zeit für ihn habe.

Noch mehr Zerstreuung gewünscht? Unser Quiz sagt dir, wie schnell du dich von der Arbeit ablenken lässt.

Mehr Arbeit

Lass uns Freunde werden!


Tech

Bei Youtube gibt es jetzt auch Texte, Fotos und GIFs – aber nicht für alle
"Hey, hast du neulich dieses GIF bei Youtube gesehen?"

Youtube ist die größte Videoseite der Welt. Nur leider kein richtiges soziales Netzwerk. Wenn Youtube-Stars mit ihren Fans kommunizieren, dann passiert das meist bei Facebook oder Snapchat. Das soll sich jetzt ändern.

Was ist neu?

Seit Dienstag lassen sich auf Youtube auch Texte, GIFs, Livevideos und Fotos veröffentlichen. Die Postings erscheinen dann auf einer "Community" genannten Spalte im Nutzerprofil. Kleiner Haken: Bislang geht das nur auf den Kanälen von bekannten Youtubern, die dafür freigeschalten wurden.