Weniger Fett und Zucker auf dem Speiseplan.

Das Spottbild des "fetten Amis" erfreut viele Deutsche seit Jahrzehnten. Das grassierende Übergewicht in der US-Bevölkerung und die Bilder hoffnungslos adipöser Burgerfresser verleihen manchen Menschen diesseits des Atlantiks ein Überlegenheitsgefühl gegenüber der Supermacht und ihrer ewigen Maßlosigkeit.

Es könnte gut sein, dass der "fette Ami" bald zum veralteten Stereotyp wird. Quer durch alle Altersgruppen und soziale Schichten sank die durchschnittliche Kalorienaufnahme von Amerikanern seit 2003, bei Kindern sogar um neun Prozent (New York Times). Das hat bereits Folgen: Der Anteil der Übergewichtigen an der Gesamtbevölkerung stagniert, bei den Jüngeren sinkt er sogar.

Der Trend zur gesunden Ernährung kommt in den breiten Bevölkerungsschichten der USA an – zum Leidwesen von McDonald’s, Kellogg’s und all den Konzernen, die das übergewichtige Amerika bislang mästen.

Drei Beispiele für den Trend weg von Fett und Zucker:

1. Fast Food

Spätestens seit McDonald's Bio-Fleisch-Burger an vielen deutschen Litfaßsäulen hängt, bemerken viele, wie sich die weltgrößte Fast-Food-Kette um einen Imagewandel bemüht. Der kommt nicht grundlos: Die USA haben womöglich den "peak burger" erreicht, das Wachstum schrottiger Fast-Food-Ketten könnte sich umkehren. Zumindest spielt die Nachrichtenseite Bloomberg mit diesem Szenario. 2014 sank der Absatz bei McDonald's erstmals seit vielen Jahren, gerade die 19- bis 21-Jährigen essen dort immer seltener.

Fettige Burger verlieren an Attraktivität


Im Aufwind sind dagegen Restaurants, die voll auf den Gesund- und Schlankheitstrend setzen: Die Suppen- und Salatbar Sweetgreen etwa oder die belgischen Bäckereien von Le Pain Quotidien (DER SPIEGEL).

2. Zuckrige Cornflakes

Frosted Flakes, Froot Loops oder Honey Smacks – lange verkörperten die Kellogg’s-Marken das All-American-Breakfast wie sonst höchstens Pancakes und Bacon. Viel, viel Zucker – das war meist die Erfolgsformel des Cornflakes-Herstellers. Doch dem Kellogg’s-Konzern geht es mies: Seit rund drei Jahren sinkt der Absatz durchgängig in jedem Quartal, im Sommerquartal 2015 um weitere 1,5 Prozent.

Die Ernährungsexpertin Abigail Carroll erklärte in einer Businessweek-Titelgeschichte über Kellogg’s Niedergang, warum: Amerikaner schnappten sich heute eher einen Joghurt, ein Sandwich oder eine Banane bei Starbucks als zuhause Schokoreis zu löffeln – aus Zeitmangel, aber auch der Gesundheit wegen: "For these breakfast eaters, Tony the Tiger and Toucan Sam may seem less like friendly childhood avatars and more like malevolent sugar traffickers."
Tukan Sam: Das "Froot Loops"-Maskottchen als "Zuckerschmuggler"(Bild: Kellogg's)

3. Softdrinks

Kein Trend reduziert die durchschnittliche Kalorienaufnahme so stark wie der von der Coladose hin zur Wasserflasche. Laut der "New York Times" tranken Amerikaner 1985 pro Kopf noch rund achtmal so viele Softdrinks wie Wasser – 30 Jahre später trinken sie beides in fast gleicher Menge. Laut dem Food Research Center der University of North Carolina nahmen Amerikaner 2012 im Durchschnitt allein durch geringeren Softdrinkkonsum 79 Kilokalorien pro Tag weniger zu sich als noch acht Jahre zuvor (New York Times).

Immer mehr Amerikaner ignorieren den Softdrink-Kühlschrank(Bild: Reuters)

Das spürt auch die größte aller Softdrink-Marken: Coca Cola. “Health and wellness is a major enduring trend, and each brand has to compete in that environment", räumt sogar Nordamerika-Chef J. Alexander M. Douglas Jr. ein. Die Amerikaner wenden sich ab von gezuckerten Getränken. Für Gesundheitsexperten, schreibt die "New York Times", seien Softdrinks "der neue Tabak".

In den USA – dem gelobten Land der Nichtraucher – könnte es kaum ein schlimmeres Urteil geben.