Bild: Imago/Waldmüller

Weniger Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten Lebensmitteln – das fordert die SPD-Bundestagsfraktion in einem Positionspapier. Wenn die Hersteller ihre Rezepte nicht freiwillig gesünder machten, solle ihnen das zur Not per Gesetz vorgeschrieben werden.

Wie soll das funktionieren?

  • Ernährungsexperten, Ärzte, Krankenkassen sowie Gesundheits- und Verbraucherorganisationen sollen laut Papier "Zielmarken" für verschiedene Produktgruppen erarbeiten.
  • Mit den Lebensmittelherstellern solle dann ein Zeitplan vereinbart werden.
  • Wissenschaftler sollen kontrollieren, ob die Produkte wirklich gesünder geworden sind.
  • Falls nicht, will die SPD ein Gesetz entwerfen, das den Unternehmen vorschreibt, sich an die Vorgaben zu halten.
"Wir wollen Menschen nichts vorschreiben, sondern ihnen nur dabei helfen, gesünder zu leben", sagt Ursula Schulte (SPD) zu bento. Viele Länder hätten im Kampf gegen ernährungsbedingte Krankheiten große Fortschritte erzielt, indem sie Salz, Zucker und Fett reduziert hätten. "Ärmere Menschen können sich gesundes Essen oft nicht leisten und sterben in Deutschland im Schnitt zehn Jahre früher. Da kann ich als verantwortungsbewusste Politikerin doch nicht einfach zusehen."

Schulte will zunächst das Gespräch mit der Industrie suchen. Erst wenn die Unternehmen sich weigern würden, hält sie ein neues Gesetz für denkbar. Sie könne Kritik an ihrem Vorschlag verstehen. Manchmal müsse man halt ein bisschen nachhelfen.

Was steckt wirklich hinter dem Vorschlag?

Schulte will wohl mit der provokanten Forderung dafür sorgen, dass das Thema in den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, CDU und CSU eine Rolle spielt. Im Sondierungspapier, das die Parteien ausgehandelt haben, steht dazu nichts.

Dabei befürwortet eine Mehrheit der Deutschen eine verbindliche Festlegung von Höchstmengen für Zucker, Fett und Salz. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Lebensmittel- und Agrarexperte Achim Spiller von der Universität Göttingen hervor. Sie wurde im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen durchgeführt.

Wie sind die Reaktionen?

Die Lebensmittelindustrie ist nicht begeistert:

"Die Lebensmittelwirtschaft muss für die Rezepturen verantwortlich bleiben, sonst werden aus Parteiprogrammen Kochbücher", sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung für Ernährung. "Wer den Verbraucher so entmündigt und gesetzlich den Genuss verbietet, darf sich nicht wundern, wenn er vom Wähler sein Fett wegkriegt." (Bild)

Die AOK unterstützt hingegen die Forderung der SPD:

"Die Politik darf nicht länger vor der Lebensmittel-Lobby einknicken und das Thema Zucker-, Salz- und Fettreduktion verschleppen", sagte der AOK-Chef. (Bild)

Aber was bringen Zucker-Limits überhaupt?

Ist es sinnvoll, Grenzen festzulegen? Führende Ernährungsexperten zweifeln daran. Denn wie Zucker sich auf unseren Körper auswirkt, ist bei jedem anders. 

Ernährungsexperte Christian Sina hatte uns für einen Artikel über den neuen Kitkat-Riegel mit weniger Zucker erklärt, warum man nur schwer ein allgemeines Zucker-Limit festlegen kann. Er ist der Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität Lübeck:

"Unsere Darmbakterien hängen eng mit der individuellen Verstoffwechselung von Zucker zusammen. Nur eine Analyse der Bakterien, sowie eine kontinuierliche Blutzuckermessung könnten dabei helfen, Ernährungsempfehlungen individuell anzupassen."

Bedeutet: Der eine kann vielleicht mehr Süßigkeiten essen als der andere. Dafür sollte er aber vielleicht statt Weißbrot lieber Haferflocken zum Frühstück zu sich nehmen.

Trotzdem gilt natürlich: Kein Schokoriegel ist in der Regel besser als ein Schokoriegel – egal nach welcher Rezeptur er hergestellt wird. Fest steht auch: Die Deutschen nehmen durchschnittlich 100 Gramm Zucker am Tag zu sich, das ist viermal so viel wie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt (SPIEGEL ONLINE). Das ist ein Grund dafür, dass in Deutschland 59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen übergewichtig sind (Deutsche Gesellschaft für Ernährung).

Die Frage ist allerdings, ob wir uns gesetzlich vorschreiben lassen wollen, wie viel Zucker genau in den Produkten enthalten ist, die wir in den Supermärkten kaufen können – und ob das überhaupt eine vielversprechende Strategie ist, um uns gesünder leben zu lassen.

Unsere Redakteurin Katharina geht sogar noch weiter:

Sie findet, wir brauchen eine Zuckersteuer. Hier sind ihre Argumente.


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