Bild: Fabian Brennecke
Kritisiert die Leute doch direkt, wenn es sein muss.

Einer der letzten kalten Abende in Hamburg. Eine Gruppe aus Freunden besucht ein lateinamerikanisches Restaurant. Sie sind zum ersten Mal da.

Sie gehen die Speisekarte durch, die Gerichte klingen exotisch, dann ordern sie Ceviche Lima. Ein peruanisches Fischgericht. Das wird serviert und gegessen, nur genossen wird es leider nicht.

Das Essen sei komplett kalt, lamentieren die Gäste. Dabei hätten sie dem Kellner doch extra gesagt, dass sie komplett durchgefroren seien. Die anderen Gerichte hätten auch nicht geschmeckt.

Die Situation kann jeder nachlesen, der das Restaurant über Google sucht. Denn wie der Abend ablief, steht dort genau beschrieben – in einer Rezension. Die Gruppe hat all ihren Ärger in einen Text gegossen.

Falsch gewürzter Fisch, dreckige Toiletten, kaltes Essen: Zu fast jedem Restaurant gibt es mittlerweile Online-Rezensionen. 

Und die sind, das liegt in der Natur der Sache, subjektiv. Doch was ist persönlicher Geschmack, was ist auf einen unglücklichen Einzelfall zurückzuführen und welche Kritik ist berechtigt? Das wird sich zumindest über die Rezensionen nicht klären lassen.

Reagiert da jemand über?

Im Fall der Hamburger Gruppe war es so: Die Restaurantbesitzer haben später auf die Rezension geantwortet. Sie seien von Herzen gern Gastgeber und respektierten die Kritik, schrieben sie, könnten eine Sache so allerdings nicht stehen lassen: Ceviche Lima werde grundsätzlich kalt serviert. So verlange es die Tradition.

Wie peinlich für die Hobby-Tester. Dabei wäre das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen gewesen. Warum haben die Gäste nicht einfach nachgefragt, als sie die Bestellung aufgaben? Oder nachdem sie die Bestellung probiert hatten?

Warum verabschiedet man sich möglicherweise mit einem Loch im Magen und einem gezwungenen Lächeln – um dann online und anonym seinen Frust abzuladen? 

Ist die Lust, ein Restaurant schlechtzumachen, so groß? Wollen wir in Zukunft auch vor den Augen aller anderen bewertet werden?

Wie peinlich für die Hobby-Tester
Autor Yannik Gölz

Über unzählige Restaurants, in denen es mir durchaus schmeckte, existieren schlechte Bewertungen auf Google. Einer meiner Lieblings-Burgerläden zum Beispiel wird online zweimal verrissen: In einer Rezension werden die Burger zwar gelobt, doch beschwert man sich über den "katastrophalen Service". In der nächsten findet man den Service "relativ sympathisch", aber spricht dafür von "furchtbarem Essen". 

Diese Texte, die sich alle gegenseitig widersprechen, haben bei mir dazu geführt, dass ich sie mir grundsätzlich nicht mehr durchlese. Wenn ich ein neues Restaurant ausprobieren will, gehe ich einfach hin. 

Ist die Lust, ein Restaurant schlechtzumachen, so groß?
Autor Yannik Gölz

Auf die vielen Rezensenten, die vom Sofa aus Dinge bewerten, die andere jahrelang gelernt haben, will ich mich nicht verlassen. Man kennt das ja vom Fußball: Bei einer WM gibt es plötzlich 80 Millionen Bundestrainer. Aber nicht jeder, der mal im Dorfverein gekickt hat, könnte die Nationalmannschaft aufstellen. Und nicht jeder, der ab und zu Spiegeleier brät, kann Geschmacksnoten herausschmecken und beurteilen.

Wer online rezensiert, macht den persönlichen Kontakt zwischen Kunde und Kellner kaputt. 

Ein persönliches Gespräch wäre aber nicht nur aufschlussreicher, sondern auch fairer. Denn lässt man seinem Gegenüber eine Chance zur Verteidigung, muss man eventuell auch Zugeständnisse machen und Kompromisse finden. 

Klar gibt es schlechten Service, fades Essen, überteuerten Wein. Aber ein tatsächlich versalzenes Essen kann ganz einfach ersetzt, exotisch Gerichte erklärt werden. Wer dann immer noch das Haar in der Suppe suchen möchte: bitteschön. Allen anderen einen schönen Abend!


Tech

WhatsApp-Sprachnachrichten werden endlich bequemer
Wurde auch Zeit.

WhatsApp-Sprachnachrichten sind bequem, allerdings meist nur für denjenigen, der sie sendet. Oft spricht man ja einfach ins Mikrofon was einem gerade so einfällt, ohne vorher darüber nachzudenken, welche Nachricht man gerade genau mitteilen möchte. Der Empfänger hingegen quält sich dann durch minutenlange Äähs, Öhms und Wiederholungen.

Das hat jetzt offensichtlich auch WhatsApp gemerkt – und das Abhören der Sprachnachrichten bequemer gemacht.

Bisher konnte die Nachricht nur abgehört werden, wenn das WhatsApp-Fenster geöffnet bleibt. Das ändert sich mit dem neuen Update der App (Chip).

  • Sprachnachrichten können ab sofort auch dann abgespielt werden, wenn der Sperrbildschirm aktiviert wird oder der Nutzer zu einer anderen App wechselt.
  • Die Sprachnachricht läuft dann einfach im Hintergrund weiter.
  • Allerdings muss dafür der Chatverlauf, in dem die Sprachnachricht geschickt wurde, geöffnet bleiben.
  • Bislang ist die Neuerung nur für iPhone-Nutzer verfügbar, Android-Nutzer müssen sich noch gedulden.