Bild: Soko Tierschutz

Ein Schlachter tritt einem Rind auf die Schnauze, damit es aufhört zu zappeln. Tiere werden in enge Gassen gepfercht, jemand schlägt mit Stöcken auf sie ein. Rinder, die eigentlich betäubt sein sollten, treten nach dem Einstich in ihren Hals qualvoll um sich.

Diese Szenen gehören zu Videoaufnahmen die Tierschützer heimlich gemacht haben – und sie alle sollen in einem Schlachthof entstanden sein, der McDonald's mit Fleisch beliefert.

Es geht um den Schlachthof Hynek der Firma OSI in Tauberbischofsheim, Baden-Württemberg. Aktivisten von "Soko Tierschutz" haben ihn Ende Januar besucht. bento zeigt nun die Aufnahmen, die sie dort gemacht haben:

Die Szenen waren am Mittwochabend auch bei sternTV zu sehen. "Schlimmere Bilder kann man sich nicht vorstellen. Aus meiner Sicht müsste man die Schlachtung dort sofort einstellen und das Personal austauschen", sagte Dr. Kai Braunmiller, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Fleischhygiene, Tierschutz und Verbraucherschutz, über die Aufnahme.

Besonders perfide: Laut "Soko Tierschutz" soll auch ein Amtstierarzt anwesend gewesen sein. Er ist eigentlich dafür da, die Zustände in Schlachtanlagen zu überprüfen und mit den Tierschutzrichtlinien abzugleichen. Doch laut der Aktivisten unternahm er: nichts.

Wie kamen die Tierschützer an die Aufnahmen?

Wir haben mit Friedrich Mülln von "Soko Tierschutz" gesprochen. Der 38-Jährige organisiert gemeinsam mit elf anderen Aktivisten die "Soko".

Um an die Bilder zu kommen, wurden Kameras versteckt und nach Möglichkeit Minijobber undercover in Schlachthöfe eingeschleust. Im Schlachthof Hynek war Friedrich selbst dabei: "Ich habe mir alles angeschaut, bis zu den Schnapsflaschen am Arbeitsplatz."

Auch wenn er an einer Aktion nicht teilnehmen kann, lege er wert darauf, Aufnahmen zu verifizieren. Mitarbeiter, die in den Videos zu sehen sein, würden zum Beispiel überprüft, damit "Soko Tierschutz" sicher sein könne, dass die Bilder aus dem richtigen Schlachthof stammen.

Was sagt McDonald's?

McDonald's kooperiert exklusiv mit dem Rindfleischlieferanten OSI Food Solutions. Alle Burger-Patties in deutschen Filialen kommen von OSI. Das Unternehmen arbeitet weltweit mit vielen Schlachthöfen zusammen – in Deutschland unter anderem seit Mitte 2017 mit dem nun kritisierten Schlachtbetrieb Hynek. Etwa ein Drittel des Fleisches von Hynek gehen an McDonald's, der Rest an andere Firmen.

In einem offiziellen Statement distanzierte sich McDonald's nun vom Hynek-Hof und stellte den Rindfleischbezug von dort ein. Laut der Fast-Food-Kette seien in den Videoaufnahmen der Tierschützer "gravierende Verfehlungen" zu erkennen. 

Gegenüber bento sagte ein McDonald's-Sprecher, OSI wolle nun einen Maßnahmenkatalog aufstellen, um Tiermissbrauch zu verhindern. Unter anderem solle es Videokontrollen geben.

Man erwarte von allen Partnern, dass sie Tierschutzstandards einhalten und von Behörden, dass sie Missstände besser im Blick haben: "Wir müssen uns auf die staatlichen Instanzen verlassen können." Deshalb stellte McDonald's nun auch Strafanzeige gegen den Hynek-Hof. 

Das heißt: Das Unternehmen hat sich möglichst rasch von seinem eigenen Zuliefererhof distanziert. 

Tierschützer Friedrich hält das für ein "PR-Manöver":

McDonald's hat diese ganze Tötungsindustrie mit begründet.
Friedrich Mülln, "Soko Tierschutz"

Nun durch eine Anzeige die Enthüllungen der Aktivisten zu übernehmen, solle nur von der eigenen Verantwortung ablenken: "Wenn McDonald's nicht weiß, wie es in seinen Schlachthöfen aussieht, wer dann?"

Was sagt der kritisierte Schlachthof?

Der Betrieb selbst wollte sich am Telefon nicht zu den Vorwürfen äußern – verwies stattdessen auf den Mutterbetrieb OSI. Dort hat man auf die Anschuldigungen bereits reagiert. 

Das Unternehmen kündigte eine Untersuchung an und wolle seine Mitarbeiter in Sachen "Tierwohlstandards" trainieren: "Auch wenn wir das Videomaterial nicht gesehen haben, finden wir die Anschuldigungen beunruhigend und haben die Produktion im Schlachthof (...) vorübergehend gestoppt." (Berliner Morgenpost)

Lass uns Freunde werden!

Wie geht es weiter?

Laut dem zuständigen Veterinäramt wurde die sofortige Schließung des Schlachthofs verfügt:

  • Außer den bereits auf dem Hof befindlichen Tieren dürfen dort keine weiteren Tiere mehr angenommen und geschlachtet werden.
  • Diese Regelung soll so lange gelten, bis der Betreiber einen entsprechenden Maßnahmenkatalog vorlegt, um die Zustände zu ändern.
  • Ob das gelingt, wird dann durch das Veterinäramt überprüft. (Top Agrar)

"Soko Tierschutz" will auf jeden Fall weitere Höfe untersuchen. Jede Aufdeckung von Missständen löse eine Kettenreaktion aus, sagt Aktivist Friedrich: "Jedes Mal, wenn wir Videos zu einem Schlachthof veröffentlichen, melden sich anonym Leute, die uns neue Schlachthöfe empfehlen."


Fühlen

Keiner zeichnet Stimmungen so einfühlsam wie dieser japanische Künstler

Es gibt Tage, da fällt die Welt über einem zusammen. 

Und man selbst fällt mir ihr – wie eine Marionette, deren Fäden erschlaffen. 

Der japanische Manga-Künstler Avogado hat diesen Zustand der Erschöpfung so illustriert: