Bild: McDonald's

Mitte April, irgendwo am Rand von München in einem unscheinbaren, grauen Haus. Ein golden glänzendes, geschwungenes "M" am Empfang verrät, welches Fast-Food-Restaurant uns eingeladen hat. 25 Stufen führen hinab. "Das ist der Platz, wo es passiert", sagt Philip Wachholz, Sprecher von McDonald‘s Deutschland. This is where the magic happens: die McDonalds-Testküche. Gerichte, die hier entwickelt – ach was, gezaubert – werden, landen in ganz Deutschland in den Fritteusen der Filialen. 

Wir sind wegen der neuesten Kreation hier: dem "Big Vegan".

Es ist der erste Burger im McDonald's-Sortiment ohne tierische Zutaten. Bei einer Pressekonferenz durften wir ihn probieren. 

"Vegan" und "McDonald’s" sind zwei Begriffe, die für unterschiedlichste Menschen nicht direkt nach leckerem Essen klingen – und eigentlich nicht wirklich zusammenpassen. Der Fast-Food-Riese steht immer wieder in der Kritik: Massentierhaltung, Gentechnik - Organisationen und Verbände werfen dem Unternehmen immer wieder Fehltritte vor. (Greenpeace)

Und nun wird der Fleischgigant vegan?

Vegan ist für viele mehr als eine Essgewohnheit. Es ist eine politische Haltung. Sie prangert an, dass Menschen Tiere ausnutzen und dass sie die Umwelt mit ihrem Konsum negativ beeinflussen. Monokulturen, Pestizide, Palmöl: Viele Veganer lehnen Ketten daher aus Prinzip ab. Und ein einzelner Burger soll jetzt Veganer an die klebrigen Tische von Ronald bringen? Da muss er schon verdammt gut schmecken.

In seiner neuen Marketingstrategie gibt sich der Riesenkonzern kleinlaut. 

"Wir lernen aus unseren Fehlern", heißt es in der neuen Kampagne des Konzerns für den tierlosen Burger. Und weil McDonald‘s seinen Ruf kennt, verteidigen sie sich direkt: "Ob du es glaubst oder nicht."

Bisher, so Wachholz, sei in Deutschland nur etwa jeder hundertste Mensch Veganer. Trotzdem: "Das Thema fleischlos ist in aller Munde." Bis zu einem Drittel der Deutschen zählen sich inzwischen jedochzu den Flexitariern, verzichten also regelmäßig, aber nicht durchgehend auf Fleisch. Damit werden sie für den Konzern interessant.

Das vegane Pattie sieht Fleisch zumindest schon mal ähnlich. Aber wie schmeckt es? 

Das Burger-Pattie ist etwa so dick wie ein Finger breit ist. Es fühlt sich im Mund etwas bröselig an, irgendetwas zwischen Kartoffelpuffer und Radiergummi-Abrieb, den man in eine Form gepresst hat – Ansichtssache. Die rötliche, fleischähnliche Farbe kommt wohl von der Rote Bete, die neben Soja, Paprika und Karotten im Pattie ist.

Selbst entworfen hat McDonald's das Kunstfleisch indes nicht: Geliefert wird das Pattie von Nestlé, unter dem Label "Garden Gourmet" ist es auch im Einzelhandel erhältlich. (bento)

Der Burger schmeckt ein bisschen rauchig, ein bisschen süß und sehr nach Essiggurke: wie McDonald‘s halt immer schmeckt. Würde man ihn mit verschlossenen Augen essen, wäre er wahrscheinlich kaum von anderen Burgern des Konzerns zu unterscheiden.

Es ist ein Produkt für McDonald‘s-Fans. Mehr nicht. 

Diesen typischen Geschmack zu erreichen, sei auch Ziel gewesen, hören wir. Wir fragen, was diesen Geschmack denn nun ausmacht. Da gingen auch intern die Meinungen auseinander, sagt Pressesprecher Wachholz. 

Jedenfalls bleibt der ungeklärte Geschmack noch länger auf der Zunge. Für uns: als Mundgeruch

Was die Veganer wohl davon halten werden?


Food

Fleischersatz im Fast Food: Was Burger King, McDonald's & Co für Veganer planen

Vegan zu leben ist heute einfach wie nie. 

Die Kennzeichnungen für Produkte werden Schritt für Schritt besser, altbekannte Fleischgerichte werden aus Soja und Co nachgeahmt und selbst Discounter haben günstiges Convenience-Food aus Pflanzen im Angebot. Gepaart mit ein wenig frischem Gemüse können Hobbyköche sich heute problemlos und ohne großen Zeitaufwand vegan ernähren

Schwierig wird es nur, wenn man unterwegs ist und Appetit auf Fast Food bekommt. Neben kleinen Imbissbuden und Döner-Läden sind auch die deutschen Top 5 der Fast-Food-Ketten überraschend schlecht aufgestellt - vor allem die beiden Burger-Marktriesen McDonalds und Burger King: 

  • Bei McDonalds sind bisher nur die Pommes, Netzkartoffeln, Apfeltaschen sowie der Gartensalat vegan. 
  • Bei Burger King sind nur der Salat und die Apfelpommes vegan.
  • Auch bei Nordsee kann man als Veganer unter anderem auf die Pommes zählen. Spezielle vegane Gerichte hat Nordsee allerdings nicht im Angebot.
  • Bei Subway lässt sich eine Sandwich-Variante für Veganer anpassen, wenn man den Käse weglässt. Aber: Nicht alle Brotsorten sind vegan. Und einen veganen Fleischersatz gibt es ebenfalls nicht.
  • In Großbritannien hat Pizza Hut bereits veganen Käse getestet - in Deutschland gibt es bislang allerdings keine vegane Pizza im Angebot. (peta2)

Das dünne Angebot irritiert, immerhin sind Markt und Nachfrage rund vegane Lebensmittel in den vergangenen Jahren hierzulande deutlich gewachsen. (Handelsblatt) Zudem sind Fleisch- und Milchersatz, da sie ohne Tieraufzucht und -schlachtung auskommen, günstig produzierte Stoffe mit hohen Gewinnmargen. Die obendrauf meist sogar länger haltbar sind als das Original. 

Warum lassen sich die Lebensmittel-Riesen diesen Geldtopf bisher entgehen – und überlassen ihn kleineren Ketten? 

Dass sich der Schritt in Richting vegan finanziell lohnen kann, beweist Fleischriese Rügenwalder: Nach dem Start der vegetarischen und veganen Produktlinien Ende 2015 macht das Segment 2018 schon 38 Prozent des Jahresumsatzes aus. Wegen der Nachfrage stellt der Wurstfabrikant zudem immer mehr der gerade erst neu geschaffenen vegetarischen Produkte auf vegan um. 

2017 gab es deutschlandweit allerdings einen Knick in der Vurst-Wachstumskurve. Viele Verbraucher hätten die neuen Ersatzprodukte ausprobiert und für nicht lecker genug befunden, mutmaßte die Gesellschaft für Konsumforschung. (WiWo) Zurecht: Viele der hierzulande angebotenen Aufschnitte, Veggie-Steaks und Würstchen sind entweder trocken oder glibschig. Vor allem aber schmecken sie meist nicht ansatzweise wie das Original.  

Fleischersatz, der wirklich wie Fleisch schmecken, sich im Mund so anfühlen und gar bluten soll, ist ein vor allem von amerikanischen und israelischen Tech-Konzernen bespieltes Forschungsgebiet. Deutschland ist abgeschlagen mit seinen soliden, aber über die Landesgrenzen hinweg wohl weniger nachgefragten Schnitzel aus Weizen. 

Dabei soll die neue Technologie, wenn es klappt, Millionen Tieren das Leben retten und gleichzeitig das Klima entlasten. Auch deutsche Firmen, etwa die PHW Group hinter Wiesenhof, investieren zwar ebenfalls in die Forschung. Im Handel ist es aber bisher schwer, die Ergebnisse zu schmecken. 

In den USA nimmt Burger King nun testweise den "Impossible Burger" auf die Karte. Aber: Nur als Variante des Whoppers in den 59 BK-Restaurants der US-Stadt St. Louis.