Bild: Caté/ Montage bento

Wegwerfen ist out. 

Aus Spargelschale lässt sich Spargelsuppe kochen, aus alten Weinkisten wird ein neues Regal – und aus der Frucht der Kaffeekirsche eine Limonade.

So dachten es sich zumindest die Hamburger Bastian Muschke und Bastian Senger (beide 32). Sie sind die Entwickler von "Caté", eine Limonade aus Kaffeekirsche. Das ist die Frucht, die die Kaffeebohne umgibt – und die von den Kaffeebauern weltweit meist entsorgt wird, weil für Kaffee eben nur die Bohne gebraucht wird. Die Limo der beiden Bastians besteht also unter anderem aus Kaffee-Abfall.

Für die Farmer auf den Kaffeeplantagen ist der Verkauf der Kirschen eine extra Einnahmequelle – bei gleicher Arbeit. 

"Caté" selbst bedeutet "Kaffee und Tee". In dem Getränk enthalten: Kaffeekirsche, Zucker, Kohlensäure, etwas Zitrone. Eine Flasche soll wach machen wie zwei Espresso, so steht es auf der Webseite der Limo.

Obwohl Bastian und Bastian als Ingenieure festangestellt waren, war für sie klar, dass sie etwas Eigenes aufbauen wollen, erzählen sie.

Mittlerweile kann man die Limo in Supermärkten und in einigen Bars und Cafés kaufen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. 

Jahrelang tüftelten die beiden an dem Drink. Bereits 2010 reiste Bastian Muschke nach Brasilien. Bei dem Besuch einer Kaffeeplantage naschte er von der roten Frucht, die in dem Land auch aufgegossen als Tee getrunken wird. 

Dann passierte jahrelang erstmal nichts. Bis 2014.

"Wir wollten was zusammen gründen, das hatten wir schon lange vor", sagt Muschke. Eine App vielleicht, überlegten die beiden, die privat gut befreundet sind. 

Doch dann erinnerte sich Muschke wieder an diesen Geschmack der Kaffeekirsche. Herb, süß, fruchtig. Die beiden fassten einen Entschluss – diesen Geschmack nach Deutschland zu bringen, als Limonade

Es sollte etwas Nachhaltiges sein. Wir sind aber keine Hardcore-Ökos.
Bastian Senger

Zuerst saßen sie nur an den Wochenenden zusammen, um sich einzulesen ins Limo-Geschäft. Wie etikettiert man Flaschen richtig? Wie kreiert man eine Rezeptur? Schmeckt sie? Was sagen Lebensmittelchemiker? Wie lange ist so ein Getränk haltbar? 

Als Senger heiratete, ließ er auf der Party erste Limo-Rezepturen verkosten. Lecker? Nicht lecker?

Es schmeckte den meisten. "Aber die Gäste waren auch etwas angetrunken", sagt Muschke. Deshalb probierten sie weiter, verkosteten erneut, dieses Mal nüchtern. 

2015 war klar: Jetzt ist es gut. Die Limo ist fertig. Beide kündigten ihre Jobs. "Eine Hürde", sagt Senger. Ein finanzielles Risiko. Sie machten es trotzdem.

Sie gründeten eine GmbH, ließen die ersten Flaschen befüllen und belieferten Supermärkte. Dann stellten sie studentische Hilfskräfte und einen Grafiker ein.

Heute leben sie von dem Verkauf ihrer Limo, ihr Team besteht aus zehn Leuten - inklusive der studentischen Hilfskräfte. Seit Anfang des Jahres ist "Katjes Greenfoods" als Investor eingestiegen, hält 20 Prozent. In diesem Jahr sollen  "Caté"-Flaschen im sechsstelligem Bereich verkauft werden, so der Plan, sagt Senger – wie viele genau, das möchte er nicht sagen.

Mit Lifestyle-Getränken verdienen Firmen gerade viel Geld. Die bunten Flaschen sind beliebt, überall in den Supermärkten stehen große Kühlschränke, darin Flaschen oder Dosen mit hippen Aufklebern. 

Koffeinhaltige Tees, Lavendel- oder Gurken-Limos und Kokosnuss-Drinks – und meistens steht "Bio" drauf. Auf Instagram zeigen sich viele Blogger mit Getränken, die angeblich sehr gesund sind, die fit oder wach machen oder gar eine ganze Mahlzeit ersetzen sollen. Blogs sind geflutet mit Smoothie-Rezepten, in manchen Geschäften stehen Smoothies direkt neben der Obst- und Gemüsetheke.

Doch wie gesund sind dieses Getränke wirklich? In fast allen ist nicht wenig Zucker. Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) empfiehlt, nicht mehr als 25 Gramm Zucker täglich zu sich zu nehmen – das sind etwa sechs Teelöffel (SPIEGEL ONLINE). In "Caté" stecken pro Flasche immerhin schon 5,8 Gramm Zucker.

Trotzdem sind diese Getränke beliebt.

"Gerade Hamburg ist ein Getränkemarkt", sagt Sina Gritzuhn von "Hamburg Startups", eine private Initiative, die neu gegründeten Unternehmen hilft, sich am Markt zu platzieren und zu vernetzen. "Die Stadt ist ein beliebter Testmarkt für Getränke, die Kaufkraft ist hier höher." Doch auch in anderen großen Städten finden die Flaschen viele Abnehmer, sagt Gritzuhn.

Weltweit wollen die Menschen trinken, was ihnen angeblich gut tut. Und auch, was offenbar gut ist: nachhaltig und ökologisch. 

Selbst Großkonzerne wie Coca-Cola wollen mitmischen, sie brachten erst kürzlich die "Vio Bio Limo" auf den Markt, Werbeslogan: "Das Leben ist ein Biohof". 

Bisher arbeitet das Team von "Caté" mit unabhängigen Kaffeefarmern in Panama und Äthiopien zusammen. Es folgt eine Farm in Uganda. 

 "Unsere Bauern werden fair bezahlt", sagt Muschke. Aktuell flössen 15 Prozent des Limo-Erlöses  an die Farmer. 

Trotzdem: Bis Ende des Jahres will das Unternehmen weiter wachsen – und so auch weiter verdienen. Die Farmen sollen mit Solarplatten ausgestattet werden, der Wasserverbrauch auf den Plantagen soll reduziert werden, sagt Bastian Muschke. 

Und auch um das Bio-Siegel wolle sich die kleine Getränkefirma aus Hamburg noch kümmern.

Weißt du, wie viel Zucker in diesen Lebensmitteln steckt?

Fühlen

"Die Helikoptereltern von heute finde ich eher abschreckend"

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