Bitte mehr davon.

Bald werden wir noch fauler, als wir es eh schon sind. Und Amazon trägt mit Schuld daran. Der Onlinehändler will den Lebensmittelmarkt erobern und Rewe, Edeka und Co. angreifen. Ab September sollen zunächst Berliner frisches Fleisch und Gemüse bei Amazon bestellen können, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Später soll es das Angebot auch in München und im Ruhrgebiet geben. Bestätigt hat der Konzern das allerdings noch nicht. Aber klar ist, dass bereits seit Jahren an "Amazon Fresh" gebastelt wird. In den USA können dort schon einige Großstädter bestellen, in London steht der Start kurz bevor.

Das Szenario steht fest: Unser Stadtbild wird von DHL-Lieferwagen, Deliveroo-Radlern, und Rewe- und dann eben auch Amazon-Lastwagen geprägt sein, die um jede Ecke biegen. Die gängigen Kritikpunkte daran sind bekannt.

Wenn wir nur noch bestellen, werden unsere Straßen noch verstopfter von Fahrzeugen sein, von der CO2-Bilanz ganz zu schweigen. Viele der Lieferanten arbeiten zu schlechten Konditionen – wenig Verdienst und ständige Schlepperei, wenn schwere Kisten in den fünften Stock ohne Aufzug getragen werden müssen.

Nur was für Großstädter

Es fällt Müll an, schließlich ist die frische Ware doppelt und dreifach gut verpackt, hauptsache Äpfel und die Bananen sind nicht angeditscht. Außerdem kommen nur gestresste Großstädter in den Genuss der Lieferdienste. Die Oma aus Buxtehude muss trotzdem ihre Tochter bitten, mit ihr zum Supermarkt fahren.

Auch die Abhängigkeit von diesen Großkonzernen wird immer größer, aber unser Konsumverlagen lässt sich nun mal nicht stoppen.

Aber kaum ein Angebot passt besser zu unserer Lebenswirklichkeit als dieses Konzept. Nicht nur weil wir bis zum späten Abend arbeiten oder in Vorlesungen abhängen und uns schlicht die Zeit fehlt. Selbst wer kein Arbeitstier ist, hat nach Feierabend keine Lust auf Gedränge in den Supermärkten.

Denn wir sind bequem geworden. Selbst das Feiern am Freitagabend muss nicht mehr zwingend jedes Wochenende stattfinden. Ins Fitnessstudio gehen wir nur, wenn es zwischen Arbeit und zu Hause liegt – bloß keinen Umweg machen. Und mit dem Einkauf ist es eben genauso. Wasserkisten schleppen? Jede Woche wieder neue Milch kaufen? Ist das Klopapier schon wieder aufgebraucht? All die nervigen Einkäufe könnten doch einfach regelmäßig schon auf unserer Fußmatte stehen.

Shoppen soll Spaß bringen

Dann bleibt Zeit für die schönen Dinge: über den Markt schlendern und beim frischen Spargel zugreifen, einmal das MacBook in Roségold anfassen und drüber nachdenken, ob man im Schnickschnackladen um die Ecke unnützes Zeug für die Fensterbank kaufen könnte.

Vor dem Supermarktregal droht die Reizüberflutung – welcher Yoghurt ist der beste? Der vom Bauern nebenan aus der Reihe "Nah und gut", doch der klassische "Müller mit der Ecke" oder einer der zehntausend anderen im Kühlregal: Ich suche meine Produkte, bestelle auf Vorrat, fertig. Die Auswahl ist nicht ebenso groß. Die Klicks sind schnell gemacht.

Am Ende ist es doch der Faktor Zeit, der überzeugt – wer den Einkauf schnell online erledigt, geht häufiger in den Yoga-Kurs, sonnt sich im Garten und plant schon den nächsten Urlaub.

Je mehr Menschen diese Lieferdienste in Anspruch nehmen, desto weniger unnütze Fahrten müssen die Unternehmen machen. Das schont dann auch die Umwelt. Außerdem lassen die Käufer im besten Fall ihr Auto stehen.

Wenn das Konzept erst in Städten Erfolg hat, werden die Konzerne schließlich auch die abgelegeneren Regionen bedienen – dann freut sich auch die Oma.


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