Wir haben das mal geklärt.

Wir hieven Kästen in den Einkaufswagen, schleppen Flaschen-Sixpacks die Treppen hoch, ärgern uns über Leergut-Berge, die dringend weg müssten, oder haben ein schlechtes Gewissen, dass wir schon wieder so viele Plastikflaschen verbraucht haben.

Wäre es da nicht viel einfacher, Leitungswasser zu trinken, anstatt abgefülltes Mineralwasser zu kaufen? Oder ist das Wasser aus dem Hahn ungesünder? 

Wir haben zwei Experten gefragt.

(Bild: Johnny Brown / Unsplash)

Wodurch könnte Leitungswasser belastet sein?

"Die Trinkwasserverordnung legt alle für die Trinkwasserqualität relevanten Parameter fest", erklärt Prof. Dr. Jens Haberkamp, der an der FH Münster zu Trinkwasserversorgung und Abwasserwirtschaft lehrt. "Sie enthält Grenzwerte für Krankheitserreger, Schwermetalle, Pestizidrückstände und andere Stoffe." Damit diese nicht durch Wasser in unseren Körper gelangen, wird das Trinkwasser darauf grundsätzlich untersucht. "Im Falle eines Nachweises von Krankheitserregern erfolgt zum Beispiel eine Desinfektion im Wasserwerk und die Bevölkerung wird informiert", so Haberkamp.

Was allerdings immer mehr Probleme macht, ist Nitrat. 

"Wasserversorger fürchten, dass die Belastung des Grundwassers weiter zunehmen könnte", sagt Haberkamp. "Hauptursache dafür ist die Massentierhaltung. Wenn viele Tiere auf engem Raum leben, werden ihre Ausscheidungsprodukte meistens auf den Feldern entsorgt. Wenn dem Boden dadurch mehr Nitrat zugeführt wird, als die Pflanzen aufnehmen können, dann gelangt es ins Grundwasser."

Die Wasserwerke sorgen dafür, dass das Nitrat auf dem Weg zu uns aus dem Wasser entfernt wird – das ist aber aufwendig, dadurch könnte Wasser bald teurer werden (Umweltbundesamt). Zu viel Nitrat kann vor allem für Schwangere und Babys gefährlich sein: Denn es wird im Körper zu Nitrit umgewandelt, was zu Durchblutungsstörungen führen oder bei Säuglingen die Sauerstoffversorgung der Zellen schädigen kann.

Wie gut ist also unser Leitungswasser?

Weil die bei uns geltende Trinkwasserverordnung ziemlich streng ist, hört man oft, dass Wasser eins der am besten kontrollierten Lebensmittel überhaupt ist. Und das stimmt: "Die Wasserqualität in Deutschland ist ausgezeichnet, das kann man nicht anders sagen", stellt Haberkamp klar. "Wasserbetreiber sind zu sehr engmaschigen Kontrollen verpflichtet, wodurch sichergestellt ist, dass das Wasser bis zur Übergabestelle am Hausanschluss nicht verunreinigt ist." Diese Übergabestelle ist dort, wo das Wasser in unser Haus gelangt. Von dort aus ist der Vermieter für die Wasserqualität zuständig – zum Beispiel durch Instandhaltung der Rohrleitungen.

(Bild: Imani / Unsplash)

Es gibt viele Studien, die bestätigen, dass wir Leitungswasser in Deutschland problemlos trinken können. Die Verbraucherzentrale spricht von "sehr guter Qualität", das Umweltbundesamt geht davon aus, dass eine "Gesundheitsgefahr nicht gegeben ist" (BZFE) und die Stiftung Warentest sieht im Wasservergleich "klare Pluspunkte für Leitungswasser". 

Und was ist mit dem Mikroplastik, über das gerade alle reden?

Da ist sich die Forschung noch uneinig. Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen in diesem Jahr aber zu dem Schluss, dass wir in dieser Hinsicht nichts zu befürchten haben – und widersprechen damit einer Ansicht aus den USA. (Deutschlandfunk)

Was man bei allen Studien sagen muss: Es geht dabei immer um Grenzwerte, die nicht überschritten werden. Unterhalb dieser Schwellen können alle genannten Stoffe im Wasser sein – ob uns das stört oder nicht, ist unsere persönliche Entscheidung.

Sind alte Häuser ein Problem?

Das Wasser kann noch so sauber sein – wenn es durch alte und verschmutzte Leitungen zu uns kommt, dann wird es unangenehm. "Ein mögliches Problem könnte Blei sein, das durch die Leitungen ins Wasser gelangt", sagt Haberkamp. "Inzwischen werden aber in Hausinstallationen schon lange keine Bleileitungen mehr eingebaut, denn die erlaubten Grenzwerte für Blei im Trinkwasser sind so niedrig, dass solche Leitungen praktisch verboten sind."

Auch bei Kupferleitungen sollten wir aufpassen: "Wenn das Wasser lange in der Leitung gestanden hat, sollte man es zunächst etwas ablaufen lassen", rät Haberkamp. Denn sonst kann es Stoffe aus den Leitungen aufnehmen und zu uns transportieren. Am besten also schon beim ersten Hahn-Aufdrehen am Morgen dran denken, das Wasser erst kurz laufen zu lassen. Nach einem Urlaub sowieso. Man merkt am Temperaturunterschied, wann man auf der sicheren Seite ist: "Das Wasser, das lange in der Leitung stand, ist wärmer. Sobald das Wasser kalt ist, wissen wir, dass es direkt aus der Versorgungsleitung kommt."

Und wie ist das nun bei Mineralwasser?

Könnten wir denn theoretisch auch Keime, Schadstoffe oder irgendwelche Rückstände aufnehmen, wenn wir Wasser in Flaschen kaufen? "Wenn der Mineralwasserproduzent sein Wasser aus einer ähnlichen Quelle entnimmt wie der Wasserversorger, dann ist das natürlich möglich", sagt Haberkamp. Eine Untersuchung von Stiftung Warentest zeigte im Juni 2018: Der größte Teil der geprüften Wasser war "gut" – aber zweimal gab es "ausreichend". Einmal wegen Plastikgeschmacks, einmal wegen zu hoher Bakterienwerte. (SPIEGEL ONLINE)

(Bild: Carly Jayne / Unsplash)

Letztlich besteht also immer ein Risiko – wenn auch ein kleines. "Völlig unbelastetes Wasser, das nie Kontakt mit Abwasser oder anderen menschlichen Erzeugnissen hatte und bei dem ausgeschlossen ist, dass unerwünschte Spurenstoffe enthalten sind, das gibt es kaum noch", sagt Haberkamp.

Enthält Leitungswasser denn auch Mineralstoffe?

"Besonders viel Magnesium", "wertvolle Mineralien": So preisen Wasserhersteller gerne ihre Flaschen an. Aber wie ist das bei Wasser aus dem Hahn? 

"Leitungswasser ist Oberflächenwasser und daher im Gegensatz zu Mineralwasser, das aus tiefen Gesteinsschichten stammt, schwach mineralisiert", erklärt Manuela Marin vom Berufsverband Oecotrophologie. Ein paar Mineralstoffe sind aber trotzdem drin: "Hartes" Wasser enthält beispielsweise viel Kalzium und Magnesium. (Zeit).

Und nur weil wir Wasser aus Flaschen kaufen, heißt das nicht, dass eine hohe Dosis wichtiger Stoffe drin ist: "Man muss aufs Etikett schauen", sagt Marin. "Manche Mineralwässer enthalten kaum mehr Mineralstoffe als Leitungswasser." Wie Stiftung Warentest im Check herausfand, enthielten 14 von 30 Wassermarken sogar weniger Mineralstoffe als das Leitungswasser in einigen Regionen (Stiftung Warentest). 

Was gesünder ist, kann man pauschal also nicht sagen – die Wahl liegt bei jedem einzelnen.

Und was ist besser für die Umwelt?

Einfache Antwort: Wenn wir an Umwelt und Klima denken, dann drehen wir den Hahn auf. Laut Verbraucherzentrale belasten wir das Klima durch Mineralwasser im Schnitt 600-mal stärker als durch Leitungswasser. In Berlin entstehen demnach 105.000 Tonnen CO2 allein durch Mineralwasserkonsum! Wenn alle Menschen Leitungswasser trinken würden, läge der Wert den Experten zufolge nur bei 175 Tonnen. (Verbraucherzentrale)

Wasser ist dir zu lahm? Dann vielleicht so:


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Ein internes Gutachten warnt die AfD vor der AfD
Genauer gesagt vor den Begriffen, die die Partei nutzt.

Sie spricht regelmäßig von "Überfremdung" oder "Umvolkung" – das könnte der AfD aber gefährlich werden, sagt ein von der Partei bestellter Gutachter. Er soll sie vor der Beobachtung durch den Verfassungsschutz bewahren.

Was sagt der Gutachter sonst noch?

Der Gutachter warnt die Partei dringend vor der Verwendung der Begriffe, da diese Anhaltspunkte für eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz liefern könnten. Den Parteimitgliederinnen und -mitgliedern werde empfohlen, Pauschalurteile wie "Flüchtlinge sind kriminell" oder "Altparteien sind korrupt", die bestimmte Gruppen herabwürdigen, zu vermeiden.

Außerdem wird noch empfohlen, "extremistische Reizwörter wie 'Volkstod' oder 'Umerziehung'" zu vermeiden. "Unbedingt notwendig ist es, folgende Äußerungen und Verhaltensweisen zu unterlassen: pauschale Diffarmierungen oder Herabwürdigungen von Ausländern/Immigranten/Flüchtlingen/Muslimen", heißt es weiter.

Das ist nicht die erste Maßnahme, die von der AfD getroffen wurde, um eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz zu vermeiden.

Bisher werden nur einzelne Parteimitglieder  und zwei der Jugendorganisationen durch den Verfassungsschutz beobachtet. Um die Beobachtung der gesamten Partei zu abzuwenden, gab die niedersächsische AfD ihren Mitgliedern bereits Anweisungen

"Beobachtet der VS eine Partei, verlassen in kürzester Zeit nahezu alle Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes diese Partei", heißt es in einer "Handreichung". Man wolle "ab sofort jeden Account der Partei und aller ihrer Mandats- und Amtsträger überwachen."


Mit Material von dpa