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Spekulatius trotz Schwimmbadwetter – was ist da los?

Eigentlich fühlt sich alles noch nach Sommer an – und trotzdem konfrontieren uns Supermärkte seit ein paar Tagen mit Dominosteinen und Spekulatius. Warum werden jetzt schon Weihnachtssüßigkeiten verkauft? Und geht es immer früher los oder fühlt sich das nur so an? Wir haben Diana Marwitz gefragt, Beraterin Lebensmittel und Ernährung von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Wann geht es immer los mit dem Weihnachtswahn?

"Wir haben oft den Eindruck, dass der Verkauf von Weihnachtssüßigkeiten immer früher beginnt", sagt Marwitz. "Tatsächlich ist es aber so, dass der Start in der Regel auf die 35. Kalenderwoche fällt, also Ende August, Anfang September. Und das ist seit Jahren stabil." Dass wir uns dieses Jahr besonders wundern, hat auch mit dem Wetter zu tun. Am Ende eines heißen und langen Sommers fühlt sich der Verkaufsstart der Weihnachtsleckereien noch komischer an als nach einem kalten, verregneten August, in dem wir uns durchaus schon mal nach Lebkuchen und einem heißen Kakao gesehnt haben.

Gibt es jetzt schon alles – von Spekulatius bis zum Weihnachtsmann?

Nicht ganz, die Weihnachtsprodukte erobern den Markt schleichend. "Als erstes kommen Waren wie Spekulatius und Dominosteine", sagt Marwitz. "Die Hohlkörperprodukte wie Weihnachtsmänner werden erst deutlich später verkauft." Auch Adventskalender landen im September noch nicht in den Regalen – sie dürfen schließlich auch erst im Dezember gegessen werden.

"Die meisten Weihnachtsprodukte werden im Oktober und November verkauft", sagt die Expertin. "Im Dezember wird dann meistens schon viel mehr selber gebacken, danach steht vielen Menschen vorher offenbar noch nicht der Sinn." Also: Erst gibt es Produkte, die nur nach Weihnachten schmecken, aber nicht unbedingt so aussehen. Dann kommen die richtigen Schoko-Nikoläuse.

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Warum beginnt der Verkauf so früh?

Weil die Kunden es wollen – das behaupten zumindest die Händler. Auch Diana Marwitz kann es sich nur so erklären: "Viele Verbraucher reagieren genervt auf den frühen Start der Weihnachtsware, aber dann kaufen sie sie doch." Sie vergleicht es mit Erdbeeren im Januar: "Da schimpfen auch viele Kunden drüber, weil es nicht die richtige Jahreszeit ist und sie nicht gut sein können – aber gekauft werden sie trotzdem."

Dass es schwer ist, zu widerstehen, hat auch mit der künstlichen Verknappung zu tun. Lebkuchen und Spekulatius bekommen wir monatelang nicht. Wenn sie dann plötzlich im Regal liegen, erinnern wir uns daran, wie gut sie schmecken und greifen zu, obwohl sie eigentlich noch nicht in die Jahreszeit passen. Was es lange nicht gibt, das ist attraktiv.

Außerdem kann es passieren, dass manche Produkte kurz vor Weihnachten schon ausverkauft sind: "Wir erleben es häufig, dass besonders begehrte Waren Mitte Dezember bereits vergriffen sind, auch die Lager der Hersteller sind dann schon leer", sagt Marwitz. Wer diese Erfahrung einmal gemacht hat, lernt fürs nächste Jahr – und greift entsprechend früher zu.

Ist das bei anderen Saisonartikeln auch so?

Weihnachtsplätzchen im Spätsommer – da müsste es doch auch Ostereier zum Jahresende geben, oder? "Bei Osterartikeln gibt es durch Weihnachten eine klare Grenze", sagt Marwitz. "Es werden keine Weihnachtsmänner und Ostereier parallel verkauft, das würde kollidieren." Deshalb beginnt der Verkauf von Ostereiern meistens nicht schon vier Monate vorher.

Wann genau es losgeht, hängt davon ab, auf welches Wochenende Ostern fällt – anders als bei Weihnachten gibt es ja kein festes Datum. "Aber im Februar sind definitiv schon Osterhasen im Handel", sagt Marwitz. Wieder aus dem gleichen Grund: "Die Verbraucher freuen sich darüber, die Vorfreude auf das Fest steigt."

Gibt es in der Weihnachtszeit weniger andere Süßigkeiten?

Wenn die Supermärkte voller Lebkuchen und Spekulatius sind, wird dann die Produktion anderer Süßigkeiten heruntergefahren? "Nein, die Weihnachtssüßigkeiten bereichern nur die wahnsinnige Fülle noch weiter", sagt Marwitz. Es gibt also einfach viel mehr – und alles findet einen Käufer.

Schwierig wird es nur nach Weihnachten, wenn selbst die Marken-Weihnachtsmänner zu Schnäppchen-Preisen zu haben sind. "Nach Weihnachten wollen die Hersteller alles loswerden, um ihre Lager zu leeren", erklärt Marwitz. "Deshalb gibt es dann Sonderangebote, aber erfahrungsgemäß wollen die Verbraucher diese Produkte dann auch nicht mehr kaufen." Denn das ist vermutlich der Zeitpunkt, an dem sich alle schon auf die ersten Ostereier freuen.

Werden Weihnachtsmänner zu Osterhasen?

Dieser Mythos hält sich hartnäckig: Weihnachtsmänner, die übrig bleiben, werden eingeschmolzen und dann zu Osterhasen geformt. Glaubt man den Herstellern, ist an dieser Theorie nichts dran: Das sei viel zu teuer, heißt es von der Fabrik Rübezahl. Und Lindt stellt auf der Webseite zu dieser Frage klar: "Ware, die unsere Produktion verlässt, nehmen wir grundsätzlich nicht zurück." Deshalb werden aus Weihnachtsmännern keine Schokohasen – auch wenn es vom Timing her wunderbar passen würde.


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