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Der Bedarf an Katermitteln ist groß. Trotzdem hat die Wissenschaft das Thema bislang sträflich vernachlässigt.

"Der alkoholische Kater wird nicht als medizinisches Problem angesehen", schreibt Joris Vester von der Alcohol Hangover Research Group, die für eine bessere Erforschung des Phänomens kämpft und alle Erkenntnisse zum Thema zusammenträgt. Wer in den Unterlagen stöbert, kommt zu einer überraschenden Erkenntnis: Das Konterbier könnte wirklich helfen - zumindest zwischenzeitlich. Dafür spricht die Theorie.

Kopfschmerzen, Übelkeit und Benommenheit erreichen ihren Höhepunkt, wenn der Alkoholspiegel im Körper gerade auf Null gesunken ist. Das erklärt auch, warum sich viele beim Aufstehen noch gut fühlen, und sie eine halbe Stunde später die Übelkeit übermannt. Wer also vor dem Tief ein Konterbier trinkt oder irgendein anderes alkoholisches Getränk, kann den Kater hinauszögern - ihn aber langfristig nicht mildern.

Warum das Kopfbrummen erst einsetzt, wenn der Alkohol aus dem Blut verschwunden ist, ist unklar. Fest steht aber: Anders als viele denken, entsteht der Kater nicht nur direkt durch den Alkohol im Getränk. Stattdessen sind es vor allem die Abbauprodukte des Alkohols, die uns am nächsten Morgen zu schaffen machen. Denkbar ist, dass dabei, neben dem Trinkalkohol Ethanol, der Stoff Methanol eine wichtige Rolle spielt. Er sorgt für einen zweiten Effekt des Konterbiers, der sich mit etwas Biochemie erklären lässt.

Wer morgens in Maßen wieder Alkohol trinkt, kann den Methanolabbau hinauszögern

Eigentlich jedes alkoholische Getränk enthält geringe Mengen Methanol, Fuselalkohol, der bei der Herstellung entsteht und nur schadet. Damit er aus dem Körper verschwindet, spaltet ein Enzym das Methanol in Ameisensäure und Formaldehyd. Beide Stoffe sind in größeren Mengen hochgiftig und tragen in kleineren wahrscheinlich zum Kater bei.

Um den Methanolabbau zu verhindern, hilft es - auch wenn das erst einmal kontraproduktiv scheint - Alkohol zu trinken. Der Trinkalkohol Ethanol nämlich benötigt für seinen Abbau dasselbe Enzym wie das Methanol. Der entscheidende Unterschied: Ethanol wird bevorzugt. Erst wenn es nicht mehr aus Bier, Wein oder Schnaps nachfließt, kommt das Methanol an die Abbaureihe. Bis dahin sammelt es sich an.


Wer nun morgens in Maßen wieder Alkohol trinkt, kann den Methanolabbau hinauszögern - und mehr als das. Bleibt Methanol auf Dauer im Körper, verzichtet dieser irgendwann auf das Spalten des Stoffs und scheidet ihn als Ganzes über Atem und Urin aus. Ameisensäure und Formaldehyd entstehen gar nicht erst. Diese Methode wirkt so gut, dass Ärzte Ethanol gezielt bei einer Methanolvergiftung durch gepanschten Alkohol einsetzen.

(Bild: Pixabay / Stevepb)

Überbewerten darf man die Erkenntnisse allerdings nicht. Sie sind rein theoretisch. Wie gut das Konterbier in der Praxis wirkt, hat noch kein Forscher getestet. Das wird wahrscheinlich auch nicht mehr passieren: Mediziner sind von der Konterbiermethode wenig begeistert, weil sie an den durchzechten Abend noch einen weiteren Alkoholtag hängt.

Besser belegt ist die Empfehlung, schon bei der Auswahl des Alkohols am Partyabend achtzugeben (und sich insgesamt zurückzuhalten). Je reiner ein Getränk ist, also je weniger Stoffe es abgesehen von Ethanol und Wasser enthält, desto geringer fällt der Kater aus. Darauf weisen Studien hin, bei denen ein Teil der Versuchsteilnehmer Wodka (extrem rein) und ein Teil Bourbon (sehr reich an Begleitstoffen) trank (Zur Studie).

Und noch eine beruhigende Tatsache zum Schluss: Falls Sie sich wundern, dass manche Kollegen nach dem gemeinsamen Trinkgelage immer so fit wirken, während Sie über der Tastatur hängen: Rund 23 Prozent der Menschen (ja, mehr als jeder Fünfte) bekommen einfach keinen Kater. Auch das haben mehrere Studien gezeigt (Zur Studie). Nur eins wissen die Forscher leider noch nicht: Was diese Menschen so katerresistent macht.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.