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Nur zu heiß sollte er nicht sein

Die Experten des IARC haben gesprochen, und mit ihnen sozusagen das höchste Krebs-Gremium der Welt. Ihre Aufgabe ist es, die wissenschaftlichen Daten von einem Stoff nach dem anderen zu studieren. Dann entscheiden sie: Krebserregend oder nicht? Aktuell traf es den Kaffee.

Das schöne Ergebnis: Kaffee ist aus Krebssicht noch unbedenklicher, als bislang gedacht. Bei der letzten Bewertung 1999 bezichtigten die Forscher den Wachmacher noch als möglichen Verursacher von Blasenkrebs. Heute, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wurde dieser Punkt wieder gestrichen.

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Damit ist Kaffee eher die Ausnahme. Auf der langen Liste stehen mehr als hundert Dinge, die die IARC als sicher krebserregend einstuft. Darunter: alkoholische Getränke, Wurst, das Gift von Schimmelpilzen, die typische Anti-Baby-Pille mit ihrem Hormonmix aus Östrogenen und Progesteron. Müssen wir also alle Krebs-Angst haben? Jein.

Zumindest die Pille absetzen muss deshalb niemand, genauso wenig, wie sich jemand grämen muss, weil er gerne mal ein Bier trinkt. Denn die Ergebnisse des IARC geben nur Auskunft darüber, ob Dinge ganz grundsätzlich Krebs auslösen können. Sie sagen aber noch nichts darüber aus, wie viel man davon essen, trinken, schlucken, wie auch immer konsumieren muss, damit das Krebsrisiko gefährlich steigt.

Achtung Krebs

Mehr als hundert Dinge haben Experten der IARC, die zur Weltgesundheitsorganisation gehört, als krebserregend eingestuft. Darunter: Alkoholische Getränke, Sonneneinstrahlung, verarbeitetes Fleisch (also Wurst), das Epstein-Barr-Virus (löst Herpes aus), Antibabypillen mit Östrogen und Progesteron, Solarien mit UV-Strahlung, Schichtarbeit, bei der der Tag-Nacht-Rhythmus leidet, und frittiertes Essen.

Anders gesagt: Niemand wird krank, weil er ab und an mal ein Bier trinkt. Wer aber regelmäßig säuft, muss sich neben all den Folgen für die Leber auch vor Krebs im Mundraum, Rachen, am Kehlkopf, in der Speiseröhre und der Brust fürchten. Ähnliches gilt bei der Wurst, die ab und an auf jeden Fall sein darf, aber eben nicht jeden Tag.

Noch etwas komplizierter ist die Angst-Frage bei der Antibabypille: Wer sie regelmäßig schluckt, erkrankt zwar etwas häufiger an Brustkrebs. Dafür aber auch seltener an Gebärmutterkrebs. Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 konnte die Pille in den vergangenen 50 Jahren 400.000 Fälle von Gebärmutterkrebs in den Industrienationen verhindern. Richtig schlimm ist sie also aus Krebssicht nicht, aber auch nicht richtig gut.

(Bild: Giphy )

Aber zurück zum Kaffee, bei dem seit heute alles viel einfacher ist. Neben dem gestrichenen Blasenkrebs-Risiko gibt es nämlich deutliche Hinweise darauf, dass regelmäßige Kaffeetrinker seltener an Dickdarm-Krebs erkranken. Und auch sonst konnten Mediziner beim Kaffee noch nicht viel zum Nörgeln finden. Selbst wer es mit dem Koffein übertreibt, riskiert in der Regel höchstens Entzugskopfschmerzen (alles wichtige zu Koffein lest ihr hier).

Nur bei einer Sache sollten Kaffeetrinker aufpassen: Das Getränk darf nicht zu heiß sein. Das gilt übrigens für alles, auch für Tee und Glühwein. Ab 65 Grad Temperatur steigt wahrscheinlich das Risiko für Speiseröhrenkrebs, warnen die IARC-Experten in ihrer aktuellen Veröffentlichung. Herausgefunden haben sie das mit weltweiten Studien.

Heiße Mate in Brasilien

"In England wird der Tee typischerweise mit einer Temperatur um 60 Grad Celsius getrunken. Dort gibt es keine erhöhten Speiseröhrenkrebs-Raten", sagt Dirk Lachenmeier, Lebensmittelchemiker und Toxikologe in Karlsruhe und Mitglied der aktuellen IARC-Kommission. Anders sei es in Brasilien, wo es üblich sei, sehr heiße Mate durch einen Metallstrohhalm zu trinken.

Abgesehen von der Temperatur seien Mate und Tee generell aber wahrscheinlich ungefährlich im Hinblick auf Krebs, ist das Fazit der Forscher. Wie beim Kaffee. Immerhin das.

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